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Danke, Iran und warum wurden die Amazon- Rechenzentren zerstört?

Die unerwartete Standhaftigkeit und Einfallsreichtum der iranischen Militärkampagne haben nicht nur die Schwächen der westlichen, wertebasierten Welt offengelegt.

Von Hermann Ploppa

Wer hätte das gedacht?

Der Iran, militärisch hoffnungslos unterlegen, behauptet sich erfolgreich gegen den Goliath USA.

Der globale Süden nimmt das zur Kenntnis.

Der Hegemon, der eben noch so überheblich auftrat, und sein symbiotischer Zwilling Israel – beide werden einem Stresstest unterzogen.

Der Mythos der Unbesiegbarkeit der weißen Herrenrasse ist innerhalb weniger Tage zerbrochen.

Doch die Verluste auf iranischer Seite sind unerträglich.

Die Führer des schiitischen Klerus wurden von den respektlosen, völlig skrupellosen Angreifern ausgelöscht.

Die zivile Infrastruktur wurde in weiten Teilen zerstört.

Die Ölraffinerie nahe der iranischen Hauptstadt Teheran ging in Flammen auf.

Ausgelaufenes Öl regnete auf die Straßen und Häuser Teherans nieder.

Flammenwellen zogen durch die Straßen. Der schwarze Regen verwandelte den Tag in Nacht. Die Menschen waren gezwungen, das Gift einzuatmen. Wie viele Menschen werden an den Folgen dieser Vergiftung sterben?

Und dennoch bleiben die Iraner standhaft. Ähnlich wie Russen, Chinesen oder Vietnamesen verfügen die Iraner über eine außergewöhnliche Widerstandskraft und nutzen ihre kollektive Intelligenz, um sich erneut einer Unterwerfung zu widersetzen.

Das Herz des Iran liegt nun unter der Erde. So zerstörerisch sie auch sein mögen – keine US-Atombombe kann die Höhlen in den iranischen Bergen erreichen. Die Iraner hatten nie Illusionen über die Hinterlist des Westens. Seit 47 Jahren bereiten sie sich systematisch auf einen Angriff durch die USA und Israel vor. Dabei verzichteten sie jedoch auf die Entwicklung der Atombombe. Das war ein Fehler.

Hätten sie die Atombombe als glaubwürdige Abschreckung besessen, hätte es niemand gewagt, den Iran anzugreifen. Die Mädchen aus der bombardierten Schule würden noch leben. Die iranischen Kadetten, die die Amerikaner in eklatanter Verletzung des Rechts auf ihrer durchlöcherten Korvette vor der Küste Sri Lankas elendig ertrinken ließen, würden noch leben.

Die Kosten für die westliche Welt

Alles, was es brauchte, war die bloße Ankündigung der iranischen Revolutionsgarde, die Straße von Hormus zu schließen. Und plötzlich wurde klar, dass keine Versicherung die Kosten übernehmen würde, falls die Revolutionsgarde tatsächlich ein Schiff versenkt. Diese finanzielle Waffe allein reichte aus, um eine globale Störung der Lieferketten auszulösen. Es musste kein einziger Schuss abgefeuert werden.

Amerikanische Bauern warten nun auf Dünger. Vergeblich. Denn Schiffe können keinen Dünger durch die Straße von Hormus transportieren. Doch die Bauern in den USA sind größtenteils Trump-Wähler. Sie werden Trump danken.

Doch weitaus schmerzhafter für die US-Wirtschaft ist der Zusammenbruch der arabischen Scheichtümer am Persischen Golf.

Offenbar hatte niemand erwartet, dass die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Saudi-Arabien, Katar oder Bahrain einem derart massiven Angriff durch den Iran ausgesetzt sein würden.

Es gibt keine wirksame Luftabwehr. Sie waren so selbstsicher. So selbstsicher, dass sie nicht einmal Schutzbunker errichteten. Die USA konzentrierten alle ihre Verteidigungskapazitäten auf Israel. An die Araber dachten die Amerikaner nicht. Das hat bei den Arabern einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen.

Doch auch das US-Militär erlitt Verluste. In den ersten zwei Wochen des aktuellen Krieges zerstörte der Iran US-Militärbasen in Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und Saudi-Arabien und verursachte Schäden in Höhe von schätzungsweise 800 Millionen Dollar. Öl- und Gasfelder in Saudi-Arabien und Katar wurden schwer beschädigt und mussten die Produktion vorübergehend drosseln.

Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten sich darauf konzentriert, ihre Wirtschaft zu diversifizieren. Sie waren auf dem besten Weg, ein Verkehrsknotenpunkt zwischen Europa und Asien zu werden. Auch der Tourismus florierte in den künstlichen Landschaften, die auf aufgeschüttetem Land entstanden waren. Ziel war es, Start-up-Unternehmen anzuziehen. Jeder, der in der Finanzwelt Rang und Namen hatte, kaufte eine Wohnung in Dubai. Geld wurde von den zahlreichen Bankfilialen geliehen, die über Nacht entstanden waren.

All das ist nun mit einem Schlag vorbei. Jeder ist sich selbst der Nächste. Flüge über das Drehkreuz Dubai wurden auf unbestimmte Zeit gestrichen. Niemand möchte Urlaub machen, wenn Kugeln durch die Luft fliegen. Und die aufstrebenden Unternehmer? Am Horizont sieht man nur noch Kondensstreifen. Geld wird nun anderswo angelegt.

Es hat sich nicht ausgezahlt, den Amerikanern den eigenen Sandboden für einen militärischen Aufmarsch gegen den Nachbarn Iran zur Verfügung zu stellen. Jetzt stehen die Scheichs allein da. Keine Versicherung wird für Schäden aufkommen. Die Kriegsausschlussklausel im Kleingedruckten besagt, dass Versicherer keine Schäden durch Krieg ersetzen. Die Scheichs müssen das nun selbst bezahlen.

Und diese Kassen waren bisher durch Einnahmen aus Öl- und Gasproduktion reich gefüllt. In manchen Scheichtümern zahlen Bürger nicht einmal Steuern. Die Gewinne aus Öl und Gas werden in US-Staatsanleihen investiert oder in Zukunftsbranchen wie künstliche Intelligenz.

Die US-Dominanz im IT-Sektor basiert zu einem großen Teil auf diesen Überschüssen aus den arabischen Monarchien. Und genau das wird nun für die USA schmerzhaft. Investitionen aus der arabischen Welt müssen nun zurückgezogen werden, um die beschädigte Infrastruktur vor Ort zu reparieren.

Es bleibt unklar, wie stark dies die Entwicklung von künstlicher Intelligenz beeinträchtigen wird. Doch schwierige Zeiten könnten für Nvidia und OpenAI bevorstehen.

Schwerer Rückschlag für Cloud-Technologie

Eine Nachricht ging im Kriegsnebel unter: Die iranische Revolutionsgarde zerstörte insgesamt drei Amazon-Rechenzentren in Dubai und Bahrain.

Warum Amazon? Amazon ist nicht nur der größte Onlinehändler, sondern mit Amazon Web Services auch einer der größten Anbieter von Cloud-Infrastruktur. Neben AWS dominieren Microsoft Azure und Google Cloud diesen Markt.

Clouds sind riesige Rechenzentren mit enormer Speicherkapazität und Rechenleistung. Sie können sowohl zivile als auch militärische Zwecke erfüllen. Sie wickeln Finanztransaktionen ab, planen Großprojekte – und können auch zur Überwachung und Kontrolle von Bevölkerungen eingesetzt werden.

Vor allem militärisch fortgeschrittene Staaten dominieren diesen Markt. Genau deshalb wurden die Rechenzentren zu Zielen.

In diesen Systemen wird der Krieg zunehmend automatisiert. Künstliche Intelligenz identifiziert Ziele und trifft Entscheidungen.

So wurde ein Stadtpark in Teheran bombardiert – ausgelöst durch eine algorithmische Fehlinterpretation des Namens.

Die aktuelle Gewalt folgt einem Muster, das zuvor im Gazastreifen getestet wurde. Die Operation trägt den Namen „Project Nimbus“ – eine Zusammenarbeit zwischen Amazon, israelischen Behörden und Rüstungsfirmen.

Diese Technologie ermöglicht umfassende Überwachung und gezielte Angriffe.

Mitarbeiter von Amazon und Microsoft hatten bereits 2021 in einem offenen Brief vor genau dieser Entwicklung gewarnt.

Doch diese Warnungen gingen im öffentlichen Lärm unter.

Militarisierung der Technologie

Die Grenze zwischen ziviler Cloud und militärischer Nutzung ist inzwischen nahezu verschwunden.

Militärische Systeme laufen auf derselben Infrastruktur wie Banken oder Apps.

Das US-Militär nutzt KI-Systeme für Zielerfassung, Analyse und Simulationen – auch in aktuellen Konflikten.

Kurz gesagt: Das Militär nutzt und finanziert die gleiche Infrastruktur, die auch den Alltag bestimmt.

Militarisierung frisst zunehmend ziviles Leben auf.

Die Iraner stehen bereits in einem existenziellen Kampf gegen diese Entwicklung.

Indem sie die finanziellen Grundlagen dieser Technologie angreifen, kämpfen sie nach dieser Darstellung auch für ihre eigene Freiheit.

Der Konflikt wird damit zu mehr als einem regionalen Krieg.

Er wird zu einem Kampf um Kontrolle über Technologie, Wirtschaft und Gesellschaft.