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„Demografische Selbstzerstörung“: Experten warnen vor Europas Migrationskurs

Migrationspolitik unter Druck: Kritik an EU-Kurs und Forderung nach mehr nationaler Kontrolle

Bei einer Konferenz in Warschau haben europäische Politiker, Wissenschaftler und Entscheidungsträger deutliche Kritik am aktuellen Migrationskurs der Europäischen Union geäußert. Im Mittelpunkt stand die Vorstellung eines Berichts, der eine stärkere Rückverlagerung von Kompetenzen auf die Mitgliedstaaten fordert.

Mehrere Redner zeichneten ein kritisches Bild der demografischen Entwicklung Europas. Rodrigo Ballester, Direktor des Center for European Studies, sprach von einer „demografischen Selbstgefährdung“. Er verwies auf die Kombination aus alternden Gesellschaften und niedrigen Geburtenraten in Europa bei gleichzeitig steigender Zuwanderung aus jüngeren Bevölkerungen. Zudem seien bestehende Regelwerke zur Steuerung von Migration, etwa internationale Abkommen wie die Genfer Flüchtlingskonvention, aus seiner Sicht nicht mehr ausreichend auf die heutige Dynamik abgestimmt.

Der vorgestellte Bericht enthält insgesamt 18 Vorschläge, die darauf abzielen, den Mitgliedstaaten mehr Handlungsspielraum in der Migrationspolitik zu geben. Den Autoren zufolge bieten bereits die bestehenden europäischen und internationalen Rechtsrahmen mehr Möglichkeiten, als häufig genutzt werde – insbesondere bei Grenzkontrollen und der Steuerung von Zuwanderung.

Im Verlauf der Konferenz wurden auch Unterschiede innerhalb Europas thematisiert. Der polnische Soziologe Zdzisław Krasnodębski zog einen Vergleich zwischen Warschau und der deutschen Stadt Bremen. Während Warschau wirtschaftlich wachse, sehe sich Bremen mit sozialen und sicherheitspolitischen Herausforderungen konfrontiert. Er stellte einen Zusammenhang mit unterschiedlichen migrationspolitischen Ansätzen her.

Andere Teilnehmer warnten jedoch, dass auch mittel- und osteuropäische Länder langfristig von ähnlichen Entwicklungen betroffen sein könnten. Der frühere Europaabgeordnete Jacek Saryusz-Wolski äußerte die Sorge, dass ein zunehmender Einfluss der EU auf die nationale Migrationspolitik zu offeneren Grenzen führen könnte – mit Folgen, die in Teilen Westeuropas bereits sichtbar seien.

Kritik richtete sich auch gegen die Rolle der Europäischen Union selbst. Einige Teilnehmer warfen Brüssel vor, über seine formalen Zuständigkeiten hinauszugehen und die Mitgliedstaaten in Richtung eines gemeinsamen Migrationssystems zu drängen. Dabei wurde auch auf ungleiche Behandlung einzelner Länder sowie auf politischen Druck zur Umverteilung von Migranten hingewiesen.

Neben politischen und rechtlichen Fragen wurden auch praktische Herausforderungen angesprochen. So gebe es in Europa große Gruppen von Migranten, deren Aufenthaltsstatus nicht eindeutig geklärt sei. Dies erschwere die Kontrolle und belaste Wohnungsmarkt, Wirtschaft und öffentliche Dienstleistungen.

Auffällig war zudem, dass nicht nur irreguläre, sondern auch legale Migration zunehmend kritisch diskutiert wurde. Einige Teilnehmer argumentierten, dass insbesondere umfangreiche legale Zuwanderung zu tiefgreifenden demografischen und gesellschaftlichen Veränderungen beigetragen habe.

Der Bericht äußert sich insgesamt kritisch zum aktuellen EU-Migrationspakt. Die Autoren sehen die Gefahr, dass dieser zu weiter steigender Migration und einer Einschränkung nationaler Entscheidungsfreiheit führen könnte. Stattdessen plädieren sie für strengere Grenzkontrollen sowie mehr nationale Spielräume – einschließlich konsequenter Rückführungen von Personen ohne Aufenthaltsrecht.