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Der Impfpass – eine Kafkaeske Kurzgeschichte

Jemand muss Josef K. verleumdet haben, denn eines Morgens wurde er verhaftet, ohne dass er etwas wirklich Unrechtes getan hatte.

Seine Vermieterin, Frau Grubach, hatte eine Köchin, die ihm jeden Tag gegen acht Uhr das Frühstück brachte, aber dieses Mal erschien sie nicht. Stattdessen standen zwei Herren in dunkelgrauer Kleidung an der Tür.

Dürfen wir Ihren Impfpass sehen?„, fragen sie.

Josef K., ein arbeitsloser Junggeselle, der sich hauptsächlich zu Hause aufhielt, war sich nicht bewusst, dass er irgendeinen Impfstoff hätte nehmen sollen, geschweige denn einen „Impfpass“ mit sich führen, ein Prinzip, das er nicht wirklich verstand, obwohl die beiden Herren es ihm in aller Ausführlichkeit erklärten.

Nachdem er verneint hatte, einen Impfpass, ein Zertifikat, einen QR-Code oder irgendeinen Nachweis über eine aktuelle Impfung zu besitzen, erklärten die beiden Herren seine Verhaftung.

Aber warum werde ich verhaftet?„, fragte Josef K. zaghaft und höflich, denn er hasste es, unhöflich zu sein, auch gegenüber Fremden, die ihn frühmorgens unangekündigt weckten.

Die beiden Herren erklärten ihm, dass in der Stadt eine schreckliche ansteckende Krankheit umgehe, gegen die man sich nun impfen lassen müsse, und da er weder geimpft sei noch den erwähnten Impfpass habe, gefährde er die öffentliche Gesundheit und Sicherheit.

Josef K. entgegnete, dass er nicht verstehe, wie er irgendjemanden gefährden könne, geschweige denn die gesamte Gesellschaft, da er die Krankheit, von der sie sprachen, noch nie gehabt habe und sie daher nicht verbreitet haben könne. Außerdem verließ er in diesen Tagen kaum noch sein Haus. Aber es nützte nichts.

Die Herren beharrten darauf, dass er ein Krimineller sei, weil er sich dem noch experimentellen medizinischen Verfahren nicht unterzog, das jedoch, wie sie ihm versicherten, „100% sicher und wirksam“ sei.

Aber warum ist dieser Impfstoff obligatorisch?„, fragte er. „Kann er nicht einfach freiwillig sein für diejenigen, die ihn haben wollen?“

Die Antwort lautete, dass die Stadt nur dann eine „Herdenimmunität“ erreichen könne, wenn die Bevölkerung zu 100 % geimpft sei, was zu diesem Zeitpunkt zwei „Impfungen“ plus eine weitere „Auffrischung“ alle sechs Monate bedeutete, und somit die Ausbreitung der Krankheit gestoppt und die Pandemie beendet werden könne.

Der Impfstoff hält also die Ausbreitung der Krankheit auf?„, fragte Josef.

Hier mussten die beiden Herren verlegen innehalten und zugeben, dass der Impfstoff die Ausbreitung nicht wirklich aufhielt und dass es seit der Einführung des Impfstoffs mehr Fälle gab als vorher, aber sie bestanden darauf, dass die Ungeimpften das Problem seien, weil sie durch ihre unverantwortliche Ungeimpftheit ein schlechtes Beispiel für den Rest der Bevölkerung abgäben. Außerdem könne das Konzept der „Impfpässe“ nicht vollständig funktionieren, wenn die Menschen nicht alle sechs Monate ihre Pflichtimpfungen erhielten.

Aber wenn der Impfstoff die Ausbreitung nicht eindämmt, wozu dann die Impfpässe?„, fragte Josef.

Hier mussten die beiden Herren wieder verlegen innehalten und ihm mitteilen, dass der Sinn der Impfpässe darin bestehe, die Menschen zu zwingen, sich impfen zu lassen, damit sie vor einer Ansteckung durch Ungeimpfte geschützt seien, auch wenn diese sich immer noch bei den Geimpften anstecken könnten, aber zumindest könne man damit den Behörden nützliche Informationen zur Verfügung stellen. Nur mit einer vollständigen Impfung wäre es möglich, dass die Gesellschaft „zur Normalität zurückkehrt“.

Aber wenn wir alle sechs Monate geimpft werden müssen und einen Impfpass brauchen, um irgendwohin zu gehen, wenn wir in den Häusern immer noch Masken tragen müssen und jeden Winter eingesperrt werden, ohne dass wir die Krankheit loswerden, wie kann das dann eine ‚Rückkehr zur Normalität‘ sein?„, fragte Josef noch einmal.

Da verlieren die Herren langsam ihre Geduld. Einer von ihnen machte eine Drohgebärde und der andere blockierte die Tür, für den Fall, dass Josef K. sie nur mit komplizierten Fragen ablenken wollte und eine Flucht plante.

Josef K. verstand zwar immer noch nicht, warum man ihn verhaften wollte, und auch nicht, warum jeder, ob gesund oder krank, einen „Impfpass“ brauchte, aber Regeln sind Regeln.

Außerdem teilten ihm die beiden Herren mit, dass er die Geldstrafe und die lange Gefängnisstrafe vermeiden könne, wenn er ihnen noch am selben Tag zum nächstgelegenen Impfzentrum folgen würde.

Also tat er, wie ihm befohlen wurde, und ließ sich doppelt impfen, plus ein paar Auffrischungsimpfungen, nur für den Fall der Fälle.

Am nächsten Morgen erwachte Josef K. aus unruhigen Träumen und fand sich in seinem Bett in ein riesiges Insekt verwandelt. Aber das ist eine andere Geschichte…