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«Die Situation jetzt ist völlig irrational»
«Ich kann mich nicht zurücknehmen, wenn ich glaube, da muss man etwas tun», sagt Pietro Vernazza. Im August 2020 diskutierte er im «Club» des Schweizer Fernsehens mit einem Infektiologen der Taskforce. © SRF

«Die Situation jetzt ist völlig irrational»

Seit rund 100 Tagen ist der St. Galler Infektiologe Pietro Vernazza in Rente. Zu spüren ist davon aber nichts.

Herr Vernazza, was läuft nicht gut in der Pandemie? Eine Frage genügt, und der ehemalige Chefarzt für Infektiologie am St. Galler Kantonsspital Pietro Vernazza legt los: «Wir sind evidenzlos unterwegs, und es wird immer schlimmer. Die Situation jetzt ist völlig irrational. Es ist unglaublich.»

Vernazza zählt mehrere Beispiele auf, die aus seiner Sicht keine medizinisch-wissenschaftliche Grundlage haben: «Ich war immer ein Impfbefürworter. Aber das Boostern für alle ist jetzt eher kopflos. Zehn Tage Isolation nach einem positiven Test – völlig aus der Luft gegriffen. Und jungen, genesenen Personen nun noch eine Booster-Impfung zu verabreichen, die nicht gegen die Omikron-Variante gerichtet ist: Das ist wirklich evidenzlos.» 

Keine Bewilligung für eine neuartige Teststation

Mit dem Votum gegen pauschales Boostern stellt sich Vernazza einmal mehr gegen die Meinung derer, die die Politik beraten – und liegt damit auf einer Linie mit dem Direktor der WHO. Dieser sprach sich vor wenigen Tagen gegen flächendeckendes Boostern aus, wie es jetzt in westlichen Ländern üblich