Ab diesem Monat beginnen Banken in ganz Vietnam damit, über 86 Millionen Bankkonten zu löschen, die nicht unter dem neuen Digital-ID-System des Landes „verifiziert“ wurden.
Die Staatsbank von Vietnam (SBV) bezeichnet diese Maßnahme als eine „Systembereinigung“ – Teil des Regierungsplans zur sogenannten „digitalen Transformation“. Dieser soll die Informationsinfrastruktur modernisieren und vor allem bargeldlose Zahlungen fördern.
„Datenreinigungs-Revolution“
Bereits im Rahmen des Aktionstages „Cashless Day“ hatte Pham Anh Tuan, Direktor der Zahlungsabteilung der SBV, von einer „Datenreinigungs-Revolution“ gesprochen. Zentral dafür ist das neue „Dekret über Vorschriften zur elektronischen Identifizierung und Authentifizierung“, das im Juli 2024 verabschiedet und zum 1. Juli 2025 in Kraft gesetzt wurde.
Demnach müssen alle Bankkonten – geschäftlich wie privat – biometrisch verifiziert werden, entweder durch:
- eine NFC-Chip-basierte ID-Karte, in deren Chip ein Gesichtsbild gespeichert ist, oder
- ein Level-2-Konto in der staatlichen VNeID-App, das einen Fingerabdruck-Scan erfordert.
Konten, die bis zum 1. September 2025 nicht in dieser Form überprüft waren, wurden zunächst eingefroren – und anschließend endgültig geschlossen.
43 % aller Bankkonten als „Fake“ eingestuft
So kam es nun zur Löschung von 86 Millionen Konten. Offiziell wird dies damit begründet, dass es sich um „Fake-Konten“ für kriminelle Machenschaften gehandelt habe – etwa für Betrug, Geldwäsche oder unrechtmäßige Abhebungen über digitale Kanäle.
Die Zahlen wirken jedoch frappierend:
- Vietnams Bevölkerung liegt bei rund 101 Millionen Menschen.
- Vor der „Säuberung“ existierten 200 Millionen private Bankkonten.
- Übrig bleiben jetzt 113 Millionen.
Die Regierung behauptet also, dass 43 % aller Konten im Land gefälscht gewesen seien.
Abertausende ohne Zugang zum eigenen Geld?
Ist es wirklich plausibel, dass nahezu die Hälfte der Konten ausschließlich Kriminellen gehörte? Oder ist es wahrscheinlicher, dass viele Menschen nicht willens oder nicht in der Lage waren, ihre Konten biometrisch zu verifizieren?
Fakt ist: Millionen Bürger könnten plötzlich keinen Zugang zu ihrem Geld mehr haben. Wer diese Menschen sind, bleibt offen – und wird in den offiziellen Berichten nicht thematisiert. Stattdessen werden sie pauschal als „Fake-Personen“ oder Geldwäscher abgestempelt.
Lehre für uns alle: Digital ID als Ausschlussmechanismus
Das Beispiel Vietnam zeigt in aller Deutlichkeit, wie digitale Identitätssysteme in Zukunft funktionieren können: Wer sich nicht in ein biometrisch-zentralisiertes Kontrollsystem einfügt, verliert schlicht die Teilhabe am Finanzsystem.
Die Betroffenen werden zu „Nicht-Personen“ erklärt – ein Vorgeschmack auf das, was andere Länder unter dem Banner der „Digitalisierung“ vorbereiten.


