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Drogen als Vorwand, Öl als Ziel: Washingtons Venezuela-Narrativ zerfällt vor unseren Augen

JD Vance schreibt auf X:

„Oft liest man, dass Venezuela nichts mit Drogen zu tun habe, weil der Großteil des Fentanyls von woanders stamme.” Dazu möchte ich Folgendes sagen:

Erstens ist Fentanyl nicht die einzige Droge auf der Welt und zweitens kommt immer noch Fentanyl aus Venezuela (oder kam zumindest bisher).

Zweitens ist Kokain, die wichtigste Droge aus Venezuela, eine Einnahmequelle für alle lateinamerikanischen Kartelle. Würde man die Einnahmen aus dem Kokainhandel unterbinden (oder auch nur reduzieren), würde man die Kartelle insgesamt erheblich schwächen. Außerdem ist Kokain selbst auch schädlich!

Drittens kommen große Mengen Fentanyl aus Mexiko. Das ist ein Schwerpunkt unserer Politik gegenüber Mexiko und ein Grund dafür, dass Präsident Trump am ersten Tag seiner Amtszeit die Grenze geschlossen hat.

Viertens sehe ich viel Kritik am Öl. Vor etwa 20 Jahren hat Venezuela amerikanische Ölfelder enteignet und dieses gestohlene Eigentum bis vor Kurzem genutzt, um sich zu bereichern und seine Drogen- und Terroraktivitäten zu finanzieren. Ich verstehe die Besorgnis über den Einsatz militärischer Gewalt. Aber sollen wir wirklich zulassen, dass ein Kommunist uns in unserer Hemisphäre ausraubt, ohne etwas dagegen zu unternehmen? Großmächte handeln nicht so.

Die Vereinigten Staaten sind dank der Führung von Präsident Trump wieder eine Großmacht. Das sollte sich jeder merken.

Analyse:

Die Argumentation ist derart widersprüchlich, dass sie fast unfreiwillig komisch wirkt: Venezuela habe enteignete US-Ölanlagen genutzt, um seine angeblich „narko-terroristischen Aktivitäten” zu finanzieren.

Damit wird der Drogenhandel implizit als defizitäres Geschäft dargestellt, das auf externe Einnahmen angewiesen ist. Tatsächlich zählt der Drogenhandel jedoch zu den profitabelsten illegalen Wirtschaftszweigen weltweit. Selbst wenn staatliche Akteure beteiligt wären, gäbe es keinerlei rationale Grundlage dafür, ein solches Geschäft durch Öleinnahmen „stützen” zu müssen.

Naheliegender ist der umgekehrte Zusammenhang: Drogengelder könnten über das Ölgeschäft gewaschen werden. Dass diese Version nicht einmal behauptet wird, deutet darauf hin, dass es weniger um Kohärenz als um Rechtfertigung geht, nämlich darum, den juristischen Drogenvorwurf mit dem eigentlichen strategischen Ziel zu verknüpfen: den Zugriff auf Venezuelas Ölreserven.