Die kürzlich freigegebenen Epstein-Akten enthalten nach Einschätzung eines ehemaligen FBI-Agenten Hinweise, die weit über einzelne Strafverfahren wegen sexuellen Missbrauchs hinausgehen. In einem Interview mit der Journalistin Catherine Herridge erklärte der frühere Ermittler, der Gesamtzusammenhang der Dokumente erinnere stark an eine groß angelegte Geheimdienst- und Einflussoperation.
Das Interview folgte auf die Veröffentlichung von mehr als drei Millionen Seiten Ermittlungsunterlagen durch das US-Justizministerium. Die Freigabe löste weltweit Entsetzen aus, warf jedoch zugleich die Frage auf, warum über Jahre hinweg so wenige strafrechtliche Schritte gegen Personen aus Epsteins Umfeld unternommen wurden.
„Mehr als ein gewöhnlicher Strafprozess“
Nach Ansicht des ehemaligen FBI-Agenten ist die öffentliche Empörung nachvollziehbar, greift jedoch zu kurz, wenn man den Fall ausschließlich strafrechtlich betrachtet. Eine umfassende Aufarbeitung von Epstein und seinem Netzwerk hätte eine „Büchse der Pandora“ öffnen können – mit weitreichenden Folgen für die nationale Sicherheit und die internationalen Beziehungen.
NEW ANALYSIS: A former FBI Special Agent who focused on organized crime says investigating the Epstein Files is like opening “Pandora’s Box” with global implications
— Catherine Herridge (@C__Herridge) February 10, 2026
“Going after him (Epstein) the way it would be for anybody else, could have opened a Pandora's box and a national… https://t.co/Sktiq9b6uo pic.twitter.com/tbssaY0fXE
Epstein habe nicht nur vulnerable Mädchen missbraucht, sondern sich gezielt in Kreisen politischer Macht, technologischer Innovation und nationaler Sicherheit bewegt. „Es ging hier nicht nur um Sex und Drogen für die Elite“, so der Ex-Agent, „sondern um Zugang zu einflussreichen Personen und sensiblen Informationen.“
Ermordet und verscharrt
In den Epstein-Akten tauchten E-Mails auf, die die Echtheit des bekannten Fotos zu bestätigen scheinen, das Prince Andrew gemeinsam mit Virginia Giuffre zeigt. Obwohl dies erheblichen Reputationsschaden verursachen könne, erwartet der frühere Ermittler juristisch nur geringe Konsequenzen.
Viele der Vorwürfe unterliegen Verjährungsfristen, wodurch strafrechtliche Verfolgung nicht mehr möglich ist. Lediglich bei besonders schweren Delikten wie Mord greift keine Verjährung.
Besonders schwerwiegend sind laut dem ehemaligen FBI-Agenten Dokumente, in denen angedeutet wird, dass junge Mädchen auf einem von Epsteins Anwesen ermordet und begraben worden sein könnten. Solche Anschuldigungen könnten auch Jahrzehnte später noch untersucht werden, da Mord nicht verjährt. Sollten Zeugenaussagen oder konkrete Hinweise vorliegen, könnten Behörden selbst heute noch nach sterblichen Überresten suchen.
„Kein Zweifel“ am geheimdienstlichen Charakter
Eine der auffälligsten Aussagen des Interviews ist die Feststellung des Ex-Agenten, er habe „keinerlei Zweifel“, dass Epstein in eine Form der Geheimdiensttätigkeit eingebunden war. Epstein habe gezielt Personen ins Visier genommen, die Zugang zu nationaler Sicherheit, geopolitischen Entscheidungsprozessen und fortschrittlicher Technologie hatten. Eine solche Operation könne nicht nur Informationen sammeln, sondern auch direkten Einfluss auf politische Entscheidungsträger ausüben.
In den Akten finden sich Verweise auf zahlreiche bekannte Namen, darunter Harvey Weinstein, Ehud Barak, Mitglieder der Rothschild-Familie, Bill Gates, Hillary Clinton sowie Donald Trump. Der frühere FBI-Agent betont jedoch ausdrücklich, dass die Nennung eines Namens in FBI-Dokumenten kein Beweis für strafbares Verhalten ist. Viele der Einträge seien jedoch rohe Hinweise, die weitere Ermittlungen erfordern würden.
Die Epstein-Akten zeichnen insgesamt ein komplexes und fragmentiertes Bild eines Netzwerks, das eng mit Macht, Politik und internationaler Sicherheit verflochten war. Zwar könnten neue Technologien die Aufarbeitung unterstützen, doch befürchtet der ehemalige FBI-Agent, dass zahlreiche Straftaten durch den Zeitablauf dem Zugriff der Justiz entzogen sind.

