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Glenn Chapmann/AFP via Getty Images

Facebook will in der EU, 10.000 Menschen anstellen, um seine Vision des „Metaverse“ zu verwirklichen

Facebook hat eine massive Einstellungsoffensive in der EU angekündigt und plant, in den nächsten fünf Jahren 10.000 Mitarbeiter einzustellen, die beim Aufbau seines „Metaverse“, einer vernetzten virtuellen Welt, in der Menschen spielen, arbeiten und einkaufen können, helfen sollen.

„Während wir damit beginnen, das Metaverse zum Leben zu erwecken, ist der Bedarf an hochspezialisierten Ingenieuren eine der dringlichsten Prioritäten von Facebook“, erklärte der US-Tech-Gigant am Sonntag in einem Blogbeitrag. Die EU sei der perfekte Ort, um nach solchen Fachkräften zu suchen, denn „die europäischen Talente sind weltweit führend“, heißt es weiter.

„Europa ist enorm wichtig für Facebook“, betonte das Unternehmen und erklärte, dass es mit den Regierungen innerhalb des Blocks zusammenarbeiten werde, um „die richtigen Leute und die richtigen Märkte zu finden, um dies voranzutreiben“.

Die Einstellungsaktion wird sich auf Länder wie Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Polen, die Niederlande und Irland konzentrieren. Diejenigen, die eingestellt werden, sollen das entwickeln, was Facebook als „eine neue Phase vernetzter virtueller Erfahrungen unter Verwendung von Technologien wie virtueller und erweiterter Realität“ bezeichnet.

Facebook-CEO Mark Zuckerberg hat seine Vision des „Metaverse“ erstmals im Juli vorgestellt. Es soll eine digitale Welt werden, in der mehrere Personen in einer vollständig in 3D gestalteten Umgebung miteinander interagieren können.

Kurz darauf stellte das Unternehmen seine Virtual-Reality-App Horizon Workrooms vor, mit der Kollegen Arbeitsbesprechungen in VR abhalten können, und bezeichnete sie als ersten Schritt in Richtung „Metaverse“.

Facebook ist nicht der einzige große Akteur auf dem Tech-Markt, der seine Version eines Metaverse schaffen will. Ähnliche Projekte werden von Microsoft, Roblox, Epic Games und anderen Unternehmen verfolgt.

In seinem Blogpost unterstrich Facebook auch die wichtige Rolle der EU bei der „Gestaltung der neuen Regeln des Internets“.

In einem offensichtlichen Versuch, Brüssel zu umschmeicheln, lobte das Unternehmen den Block für seine „führende Rolle bei der Verankerung europäischer Werte wie freie Meinungsäußerung, Privatsphäre, Transparenz und die Rechte des Einzelnen in der täglichen Arbeit des Internets“ und betonte, dass es diese Werte „teilt“.

Facebook ist in den letzten Jahren in der EU zunehmend in die Kritik geraten. Die Regulierungsbehörden werfen dem Unternehmen ein monopolistisches Geschäftsmodell und einen falschen Umgang mit den privaten Daten seiner Nutzer vor und bemühen sich, den Tech-Giganten zur Einhaltung der EU-Gesetzgebung zu bewegen. Das US-Unternehmen drohte im vergangenen Jahr sogar damit, die EU ganz zu verlassen, falls Beschränkungen gegen es durchgesetzt würden.

Die EU-Gesetzgeber haben auch die Facebook-Whistleblowerin Frances Haugen aufgefordert, im November vor dem Europäischen Parlament zu erscheinen.

Anfang dieses Monats sagte Haugen, die früher als Produktmanagerin für das Unternehmen tätig war, vor einem Unterausschuss des US-Senats aus und warf Facebook vor, nicht genug gegen schädliche Inhalte zu unternehmen und den Profit über das Wohl seiner Nutzer zu stellen. Zuckerberg wies diese Behauptungen als „falsches Narrativ“ zurück.

Das Wall Street Journal hat in letzter Zeit eine Reihe von Untersuchungsberichten über die Praktiken der Plattform veröffentlicht, in denen aufgedeckt wurde, dass Facebook angeblich prominenten Nutzern erlaubt hat, die Regeln des sozialen Netzwerks zu verletzen, und dass das Unternehmen interne Untersuchungen durchgeführt hat, die ergeben haben, dass Instagram der Metallgesundheit von Mädchen im Teenageralter schadet.

Im letzten WSJ-Artikel vom Sonntag wurde behauptet, dass Facebooks eigene Ingenieure an der Fähigkeit der künstlichen Intelligenz der Plattform zweifelten, schädliche Inhalte zu überwachen.