Gesichtsscans als Preis für das Überleben – Privatsphäre wird zur Verhandlungsmasse.
Israel hat einen neuen Rahmenplan für die Verteilung humanitärer Hilfe im Gazastreifen verabschiedet – im Zentrum steht der Einsatz von Gesichtserkennungstechnologie. Das Vorhaben löst weitverbreitete Datenschutzbedenken aus, da der Zugang zu Nahrungsmitteln künftig davon abhängen soll, ob sich Betroffene biometrisch registrieren lassen.
Wie der Journalist Daniel Estrin erklärt, müssten sich Palästinenser an bestimmten Sammelstellen registrieren und sich einem Gesichtsscan unterziehen, bevor sie Lebensmittelpakete erhalten:
„Die Palästinenser würden zu diesen Orten kommen, sich registrieren lassen und mithilfe von Gesichtserkennung überprüft werden. Sie würden Pakete für ihre Familie abholen“, so Estrin.
Israels Behörden rechtfertigen die Maßnahme mit dem Ziel, eine Umleitung der Hilfsgüter an die Hamas zu verhindern.
Der Vorschlag kommt zu einer Zeit, in der biometrische Überwachung in von Israel kontrollierten Gebieten ausgeweitet wird. Bereits im vergangenen Jahr wurde Gesichtserkennung in Grenzoperationen im Westjordanland eingeführt. Im Gazastreifen wurden ähnliche Systeme vom Militär getestet – teils entwickelt von Firmen wie Corsight, unter Nutzung von Google Photos. Welches Unternehmen die geplante Überwachung im Rahmen der Hilfsgüterverteilung durchführen soll, ist noch unklar.
Die Vereinten Nationen lehnen das Vorhaben ab. Sie warnen davor, dass die auf vier Kontrollpunkte im südlichen Gazastreifen beschränkte Verteilung den Hunger gezielt als Waffe einsetzt. James Elder von UNICEF erklärte, das System verstoße „gegen grundlegende humanitäre Prinzipien“ und scheine darauf ausgelegt zu sein, „die Kontrolle über lebenswichtige Güter als Druckmittel zu verstärken“.
Auch die Finanzierung der neuen Infrastruktur steht auf wackligen Beinen: Ein entsprechender Antrag Israels an die Vereinigten Arabischen Emirate wurde abgelehnt. Damit bleibt die Zukunft der Maßnahme vorerst ungewiss.

