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Israel überschreitet Irans rote Linie in einer Mission, um Trump daran zu hindern, einen Friedensvertrag mit Iran zu unterzeichnen

Larry C. Johnson

Neun Tage nachdem Iran den Westen – insbesondere Israel – gewarnt hatte, daß weitere Angriffe auf Beirut eine iranische Vergeltungsmaßnahme gegen Israel nach sich ziehen würden, traf Israel den Beiruter Vorort Dahiyeh. Der Angriff am Sonntagsnachmittag ließ Rauchsäulen über dem Vorort aufsteigen; Ziel der Schläge waren zwei Wohnungen in zwei Gebäuden. Das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu gab den Angriff im Stadtviertel Dahiyeh bekannt und erklärte, er sei eine Reaktion auf einen vorangegangenen Hezbollah-Angriff auf Israel. Bei dem Angriff auf das dicht besiedelte Zivilgebiet wurden nach Angaben der staatlichen libanesischen Nachrichtenagentur National News Agency mindestens zwei Menschen getötet und elf weitere verletzt.

Iran ließ sich – wie angekündigt – keine Zeit und feuerte 20 Raketen in fünf Wellen auf Israel ab. Donald Trump rief Bibi Netanyahu an und forderte ihn auf, mit einer Vergeltung gegen Iran zunächst abzuwarten, da er mit der Unterzeichnung eines Friedensabkommens mit Iran rechne. Trump soll Netanyahu zudem mitgeteilt haben, daß Israel im Falle einer Vergeltungsaktion nicht auf US-amerikanische Unterstützung zählen könne. Und was tat Netanyahu? Er führte einen Vergeltungsschlag mit 11 Raketen gegen Iran durch.

Während ich dies schreibe, antwortet Iran mit einem größeren Raketenbeschuß gegen Israel, und es sind sichtbare Einschläge in Israel zu verzeichnen – trotz israelischer Behauptungen, die IDF habe die Raketen abgefangen. Um nicht am Rande zu stehen, beteiligten sich auch die Huthis und feuerten eine Rakete auf Israel ab. Medienberichte machten die Huthis auch für einen Angriff auf den Prinz-Saud-Luftwaffenstützpunkt in Saudi-Arabien verantwortlich, doch fehlen hierfür unabhängige Bestätigungen. Darüber hinaus verkündeten die Huthis die Schließung der Straße von Bab el-Mandeb, was die Finanzmärkte zweifellos erschüttern wird. Schließlich intensivierte die Hezbollah ihre Angriffe auf israelische Ziele und schoß weitere Raketen und Drohnen in den Norden Israels.

Die IRGC hat offiziell den Beginn der Militäroperation „Nasr“ gegen zwei wichtige israelische Luftwaffenstützpunkte – Tel Nof und Nevatim – angekündigt. Dies ist eine Vergeltungsmaßnahme für Israels Angriff auf Radaranlagen in Iran. Falls diese iranischen Angriffe erfolgreich sind, werden sie zwei kritischen Flugfeldern erheblichen Schaden zufügen und könnten Israels Fähigkeit zu weiteren Angriffen auf Iran empfindlich beeinträchtigen.

Ich bin der Überzeugung, daß die israelische Entscheidung zum Angriff auf Beirut ein einziges Ziel verfolgte: Iran zur Reaktion zu zwingen und einen Angriff auf Israel zu provozieren, in der Hoffnung, die USA wieder in den Krieg hineinzuziehen und jede Möglichkeit zu sabotieren, daß Trump ein pakistanisches Friedensabkommen mit Iran unterzeichnet. Bisher ist den Israelis das nicht gelungen. Donald Trump hält sich vorerst aus dem Geschehen heraus, was unter den Neokonservativen und zionistischen Fanatikern kollektive Hysterie ausgelöst hat.

Trump scheint es aufrichtig ernst damit zu sein, das pakistanische Abkommen zu unterzeichnen. Es ist denkbar, daß er dies tut und Israel und Iran den Konflikt unter sich austragen läßt. Andererseits wird Trump erheblichem Druck seitens des zionistischen Lagers ausgesetzt sein, wieder in den Krieg einzutreten. Es ist eine unübersichtliche Lage, und ich hoffe, bis Montag Mittag eine Einschätzung aus pakistanischer Sicht der Dinge vorliegen zu haben.

Sollte Trump standhaft bleiben und sich weigern, wieder in den Krieg einzutreten, um Israel beizustehen, könnte sich die Lage ähnlich entwickeln wie im Zwölf-Tage-Krieg vom vergangenen Juni – also in jenem Szenario, in dem Israel die USA anflehte, Iran dazu zu bewegen, den Raketenbeschuß auf Israel einzustellen. Die Zeiten haben sich jedoch geändert, und ich glaube nicht, daß Iran einem weiteren inszenierten Ende des Konflikts zustimmen wird. Stattdessen wird Iran auf Zeit spielen und den Abzug Israels aus dem Libanon sowie aus dem Gazastreifen fordern – andernfalls wird Iran Israel weiterhin mit Raketen beschießen, bis es zur Kapitulation gezwungen ist. Wir befinden uns auf Neuland, und Iran ist in einer günstigeren Position, einen Zermürbungskrieg gegen Israel zu führen.