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IT-Sicherheitsexpertin und Hackerin schlägt Alarm: EU-Digital-ID könnte zur größten Datenkatastrophe Europas werden

Die Europäische Union treibt die Einführung der European Digital Identity Wallet (EUDI Wallet) unbeirrt voran. Sie soll künftig den digitalen Ausweis, Führerschein, Bildungsnachweise, Bankidentität und zahlreiche weitere Dokumente auf dem Smartphone bündeln. Doch ausgerechnet Sicherheitsexperten schlagen jetzt Alarm.

Die renommierte deutsche IT-Sicherheitsexpertin und Hackerin Bianca Kastl (im Video fälschlich als „Witmann“ bezeichnet) sowie weitere Experten warnen vor gravierenden Sicherheitsproblemen. Ihrer Einschätzung nach könnten Millionen Bürger einem System ausgeliefert werden, dessen Schwachstellen bereits heute bekannt sind. Grundlage dieses Artikels ist das vorliegende Video-Transkript.

Sicherheitslücken trotz Warnungen

Im Mittelpunkt der Kritik steht die technische Architektur der europäischen digitalen Identität.

Nach Angaben der Sicherheitsexpertin sei es für Nutzer derzeit kaum nachvollziehbar, wem sie ihre persönlichen Daten tatsächlich übermitteln. Bereits das Scannen eines QR-Codes könne dazu führen, dass hochsensible Identitätsdaten an unbekannte Empfänger weitergegeben werden. Gleichzeitig basiere die Infrastruktur auf Protokollen, bei denen bekannte Sicherheitsprobleme existierten, für die bislang keine endgültige Lösung vorliege.

Besonders brisant: Nach Darstellung des Videos habe das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) das Bundesinnenministerium bereits frühzeitig schriftlich auf Sicherheitsmängel hingewiesen. Die Warnungen seien jedoch weitgehend ignoriert worden. Auch die frühere deutsche ID-Wallet habe vergleichbare Probleme gezeigt. Die geplante EU-Wallet nutze nach Aussage der Expertin eine ähnliche technische Grundlage.

400 Wissenschaftler fordern einen Stopp

Mit ihrer Kritik steht die Hackerin nicht allein.

Laut dem Video hätten rund 400 Wissenschaftler aus 29 Ländern in einem offenen Brief gefordert, die Einführung der digitalen Identität in ihrer jetzigen Form auszusetzen. Auch weitere Organisationen hätten vor überhasteten Entscheidungen gewarnt und verlangt, Sicherheitsmängel vor einer Einführung vollständig zu beseitigen. Dennoch halte die EU an ihrem Zeitplan fest.

Der entscheidende Unterschied: Ein Passwort kann man ändern – seine Identität nicht

Während gestohlene Passwörter oder Kreditkarten gesperrt und ersetzt werden können, gilt das für eine digitale Identität nur eingeschränkt.

Sollten Identitätsdaten, Ausweisinformationen oder biometrische Merkmale kompromittiert werden, könnten diese dauerhaft im Umlauf bleiben. Nach Einschätzung der Hackerin entstehe dadurch ein Risiko, das weit über klassische Datenlecks hinausgehe. Kriminelle könnten gestohlene Identitäten nutzen, um Konten zu eröffnen, Kredite aufzunehmen, Mietverträge abzuschließen oder sich gegenüber Behörden auszugeben.

Indien als Warnsignal

Als Beispiel verweist das Video auf das indische Identitätssystem Aadhaar.

Dort wurden 2018 Berichte bekannt, wonach Datensätze von Millionen Bürgern zeitweise illegal angeboten wurden. Für Kritiker zeigt dieser Fall, welche Folgen ein erfolgreicher Angriff auf ein zentrales Identitätssystem haben kann: Ein kompromittiertes Passwort lässt sich ersetzen – Fingerabdrücke oder biometrische Merkmale hingegen nicht.

Auch Europa bleibt nicht verschont

Der Autor des Videos verweist außerdem auf jüngere Vorfälle in Europa.

So seien 2026 Datensätze aus deutschen digitalen Identifizierungsverfahren im Darknet aufgetaucht. Bereits dabei handelte es sich noch nicht um die künftige europäische Identitätsplattform. Kritiker sehen darin dennoch einen Hinweis darauf, wie attraktiv zentrale Identitätsdatenbanken für Cyberkriminelle sind.

Immer größerer Nutzungsdruck

Offiziell soll die Nutzung der europäischen digitalen Identität zunächst freiwillig bleiben.

Kritiker bezweifeln jedoch, dass diese Freiwilligkeit langfristig Bestand haben wird. Sobald Banken, Behörden und große Plattformen die digitale Identität standardmäßig akzeptieren oder bevorzugen, könnte der praktische Druck auf Bürger stetig wachsen, das System ebenfalls zu verwenden. Wer darauf verzichtet, könnte im Alltag zunehmend Nachteile erleben.

Zwischen Digitalisierung und Vertrauensfrage

Die europäische digitale Identität gilt als eines der größten Digitalisierungsprojekte der EU. Befürworter sehen darin einen wichtigen Schritt zu sicheren digitalen Behördengängen und einfacheren Online-Diensten.

Kritiker halten dagegen, dass gerade ein solch umfassendes System höchste Sicherheitsstandards erfüllen müsse, bevor es flächendeckend eingeführt werde. Die Warnungen von IT-Experten, Wissenschaftlern und Datenschutzorganisationen machten deutlich, dass die Debatte längst nicht abgeschlossen sei.

Denn sollte eine zentrale digitale Identität tatsächlich kompromittiert werden, wäre der Schaden möglicherweise nicht nur finanziell – sondern würde das Vertrauen in die digitale Infrastruktur Europas insgesamt erschüttern.