Der italienische Pathologe Ciro Isidoro stellt in einer neuen, bislang nicht begutachteten Studie eine unbequeme Frage: Könnten SARS-CoV-2-Infektionen und mRNA-Impfstoffe unter bestimmten Umständen das Wachstum oder Wiederauftreten von Tumoren begünstigen?
In seinem am 28. Oktober 2025 veröffentlichten Preprint auf Preprints.org beschreibt Isidoro eine Reihe von biologischen Mechanismen, durch die Virus und Impfstoff indirekt krebsfördernd wirken könnten. Er verweist auf Entzündung, Unterdrückung der Interferon-Antwort, gestörte Immunüberwachung und Fehlsteuerung der zellulären Autophagie — alles Prozesse, die in der Onkologie bekannt sind.
Laut Isidoro seien die Effekte besonders ausgeprägt bei mehrfach geimpften und mehrfach infizierten Personen. Das virale Spike-Protein und das durch die Impf-mRNA gebildete Spike-Protein seien „strukturell sehr ähnlich“ und könnten deshalb vergleichbare Reaktionen auslösen. In dieser Kombination, so seine Formulierung, könne eine „Synergie zwischen Virus und Impfstoff“ entstehen, die „ein schädliches Ergebnis“ fördere.
Der Autor verweist auf 35 Fallberichte aus der Literatur – darunter 25 Neuerkrankungen und 10 Rückfälle – bei denen Krebserkrankungen nach Impfungen oder Infektionen auftraten. Diese Beobachtungen seien, wie er selbst betont, keine Beweise, sondern Anhaltspunkte für ein mögliches Muster, das wissenschaftlich untersucht werden müsse. Dennoch schreibt Isidoro wörtlich, „Anti-COVID-19-mRNA-Impfstoffe könnten zu einem Wiederauftreten der Erkrankung und einem schlechteren klinischen Verlauf bei Krebspatienten beigetragen haben“.
Seine Hypothese lautet: Chronische Entzündung und Veränderungen der Immunantwort könnten ruhende Krebszellen „aufwecken“ oder das Tumorwachstum beschleunigen. Besonders die Modulation des angeborenen Immunsystems – etwa die Verringerung des antiviralen Signals IFN-α und die gleichzeitige Erhöhung der Entzündungszytokine IL-1β und IL-6 – sieht Isidoro als potenziell riskant.
Kritische Bewertung
Trotz der alarmierenden Formulierungen liefert die Arbeit keine klinischen Daten. Es handelt sich um eine theoretische Abhandlung, die auf bekannten molekularbiologischen Pfaden basiert, nicht auf neuen Experimenten. Die 35 Fälle sind anekdotische Berichte aus Einzelfallstudien ohne statistische Auswertung.
Problematisch ist, dass der Preprint an mehreren Stellen erwähnt, es bestehe ein ernst zu nehmendes Risiko, obwohl keine epidemiologischen oder experimentellen Belege vorliegen. So entsteht leicht der Eindruck, es gebe schon Hinweise auf Kausalität – obwohl der Autor selbst schreibt, „ein kausaler Zusammenhang kann derzeit nicht festgestellt werden“.
Fazit
Isidoros Preprint ist ein provokanter Beitrag zur laufenden Debatte über mögliche Langzeiteffekte von mRNA-Impfstoffen. Er liefert keinen Beweis, aber eine Reihe von Hypothesen, die wissenschaftlich überprüft werden müssen.
Die Arbeit ist nicht peer-reviewt, enthält keine neuen Daten und keine statistische Evidenz. Ihre Bedeutung liegt weniger in den Ergebnissen als in der Warnung, dass die Forschung zu den molekularen Langzeitwirkungen moderner Impfstoffe weitergeführt werden sollte.


