Unabhängige Analysen und Informationen zu Geopolitik, Wirtschaft, Gesundheit, Technologie

Für Soldaten verboten, für Zivilisten erlaubt? US-Militär untersagt neuen mRNA-Grippeimpfstoff
Via X

Für Soldaten verboten, für Zivilisten erlaubt? US-Militär untersagt neuen mRNA-Grippeimpfstoff

Das US-Kriegsministerium hat offiziell klargestellt, dass der neue mRNA-Grippeimpfstoff in militärischen Einrichtungen nicht verwendet werden darf. Während das Präparat damit für Angehörige der Streitkräfte ausgeschlossen ist, bestehen für die allgemeine Bevölkerung offenbar keine vergleichbaren Einschränkungen. Die Entscheidung sorgt für Kritik und wirft Fragen nach unterschiedlichen Massstäben bei der Impfstoffpolitik auf.

Ausgelöst wurde die Debatte durch den Rettungssanitäter und ehemaligen Soldaten Harry Fisher. Er wandte sich über die sozialen Medien direkt an US-Kriegsminister Pete Hegseth, nachdem Hinweise aufgetaucht waren, wonach der neue mRNA-Grippeimpfstoff an mehreren Stellen innerhalb der Streitkräfte offenbar verpflichtend eingesetzt werden sollte. Fisher forderte das Ministerium auf, diese Praxis zu unterbinden.

Die offizielle Antwort folgte durch Staatssekretär Anthony Tata, der im Namen des Kriegsministeriums erklärte, dass der mRNA-Grippeimpfstoff von keiner militärischen Einrichtung verwendet werden dürfe. Das Verbot erstreckt sich demnach auch auf TRICARE, das Krankenversicherungssystem für Soldaten und ihre Familien.

Herkömmliche Grippeimpfstoffe bleiben nach diesen Angaben grundsätzlich freiwillig. Ausnahmen können während der militärischen Grundausbildung oder bei Einsätzen gelten, allerdings nur mit ausdrücklicher Genehmigung der zuständigen militärischen Stelle.

Unterschiedliche Regeln für Militär und Bevölkerung

Die Entscheidung hat eine Debatte über die unterschiedliche Behandlung von Militärangehörigen und Zivilisten ausgelöst. Während der neue mRNA-Grippeimpfstoff innerhalb der Streitkräfte nicht verwendet werden darf, wird er für die allgemeine Bevölkerung weiterhin als sicher und wirksam dargestellt.

Die amerikanische Ärztin Mary Talley Bowden stellte deshalb eine grundsätzliche Frage: Wenn der Impfstoff für Soldaten nicht infrage komme, weshalb sollte er dann der übrigen Bevölkerung ohne entsprechende Vorbehalte angeboten werden?

Auch der amerikanische Rechtsanwalt Tom Renz kritisierte die Entscheidung. Seiner Darstellung zufolge musste das US-Militär erst nach erheblichem öffentlichen Widerstand einräumen, dass der mRNA-Grippeimpfstoff bei Militärangehörigen nicht eingesetzt werden dürfe.

Renz sieht darin einen Widerspruch zur öffentlichen Kommunikation der Behörden, die entsprechende Präparate weiterhin als sicher und wirksam bezeichnen. Er ging in seiner Kritik noch weiter und bezeichnete den Impfstoff ausdrücklich als «Gift».

Die zentrale Frage der Kritiker lautet, weshalb für Angehörige der Streitkräfte andere Vorgaben gelten als für die Zivilbevölkerung.

Ehemaliger Soldat berichtet von verändertem Vertrauen

Harry Fisher begründete seinen Vorstoss auch mit eigenen Erfahrungen. Als junger Soldat habe er sich sämtliche vorgeschriebenen Impfungen verabreichen lassen, weil er darauf vertraute, damit einen Beitrag zum Allgemeinwohl zu leisten. Seine heutige Haltung sei eine andere. Als ausgebildeter Rettungssanitäter, der täglich mit den Folgen medizinischer Entscheidungen konfrontiert werde, betrachte er solche Massnahmen inzwischen kritischer.

Für Fisher geht es dabei nicht um eine grundsätzliche Ablehnung medizinischer Behandlungen, sondern um die Frage, ob staatliche Vorgaben und Empfehlungen ohne eigene Prüfung übernommen werden sollten.

Die Entscheidung des US-Kriegsministeriums verleiht dieser Diskussion neue Aufmerksamkeit. Während für Militärangehörige eine klare Einschränkung ausgesprochen wurde, bleibt die Frage nach den Gründen für diese unterschiedliche Behandlung und ihrer Bedeutung für die allgemeine Bevölkerung Gegenstand der Kritik.