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«Alle unsere Basen waren zerstört»: Berichte von der USS Abraham Lincoln zeichnen ein düsteres Bild des US-Krieges gegen Iran

«Alle unsere Basen waren zerstört»: Berichte von der USS Abraham Lincoln zeichnen ein düsteres Bild des US-Krieges gegen Iran

Versorgungsengpässe, monatelange Einsätze ohne Hafenaufenthalt, zerstörte Stützpunkte und eine Besatzung unter enormem psychischem Druck: Neue Berichte über die USS Abraham Lincoln zeichnen ein weit weniger triumphales Bild des amerikanischen Iran-Krieges, als es Washington öffentlich vermittelt. Ein Teil der spektakulärsten Aussagen stammt aus anonymen Militärquellen und ist nicht unabhängig bestätigt – doch zentrale Elemente der Geschichte werden inzwischen durch Reuters, CNN, CBS und Aussagen amerikanischer Regierungsvertreter gestützt.

Ausgangspunkt ist ein inzwischen millionenfach aufgerufener Bericht des X-Nutzers „WrigleyvilleUte“ alias Jason Hall. Er erklärte, mit einem langjährigen Freund gesprochen zu haben, der nach rund elf Monaten Einsatz auf der USS Abraham Lincoln nach Hause zurückgekehrt sei. Dieser Mann wird nicht namentlich genannt, soll aber eine ranghohe Funktion an Bord gehabt haben.

Nach seiner Darstellung seien die Zustände auf dem Flugzeugträger deutlich schlimmer gewesen, als bislang öffentlich bekannt. In den ersten Monaten habe die Besatzung unter erheblichen Lebensmittelengpässen gelitten und teilweise auf Rationen zurückgreifen müssen. Der Offizier habe ausserdem berichtet, dass die Lincoln aufgrund der zerstörten oder nicht nutzbaren US-Stützpunkte in der Region kaum noch Häfen habe anlaufen können.

Diese konkrete Schilderung ist anonym. Der grundlegende Hintergrund ist jedoch gut belegt.

Reuters berichtete Anfang Oktober, dass die USS Abraham Lincoln mehr als 260 Tage ohne einen einzigen Hafenaufenthalt im Einsatz gewesen sei – nach Pentagon-Angaben ein Rekord. Gleichzeitig wurden innerhalb der Trägerkampfgruppe acht Suizidversuche gemeldet. Verteidigungsminister Pete Hegseth würdigte bei seinem Besuch die Belastbarkeit der Mannschaft.

Bereits im August hatte CNN über Lebensmittelknappheit, Probleme mit Trinkwasser, Sanitäranlagen und die zunehmende psychische Belastung der Besatzung berichtet. Damals war die Lincoln schon mehr als 250 Tage im Einsatz und seit über 200 Tagen in keinem Hafen gewesen.

«Die Basen sind zerstört»

Besonders bemerkenswert ist eine Aussage des US-Abgeordneten Jonathan Jackson gegenüber CNN. Er erklärte im August, jene Golfbasen, die der Flugzeugträger normalerweise zur Versorgung und für Hafenaufenthalte genutzt hätte, seien durch iranische Angriffe zerstört worden.

Jackson sagte wörtlich sinngemäss, Iran habe die amerikanischen Stützpunkte dort angegriffen, wo die Lincoln normalerweise Treibstoff aufnehmen und Personal an Land bringen würde:

«Those bases have now been destroyed.»

Dadurch sei der Flugzeugträger weiter hinaus in die Arabische See gedrängt worden, was Versorgung mit Treibstoff und Lebensmitteln massiv erschwert habe. Jackson sprach davon, dass der ursprüngliche logistische Plan praktisch vollständig zusammengebrochen sei.

CBS veröffentlichte im September zudem Bilder, die schwere Schäden an mehreren amerikanischen Stützpunkten und Positionen im Nahen Osten nach iranischen Raketen- und Drohnenangriffen zeigen. Die Bilder stammten laut CBS von aktiven US-Militärangehörigen.

Auch Naval Support Activity Bahrain, einer der wichtigsten US-Marinestützpunkte am Persischen Golf, wurde schwer getroffen. Amerikanische Marinevertreter räumten öffentlich ein, dass die Basis durch iranische Angriffe massiv beschädigt worden war.

Die Aussage aus dem anonymen Bericht, «alle unsere Basen waren zerstört», ist dennoch zu pauschal, um sie wörtlich als bestätigte Tatsache zu übernehmen. Mehrere zentrale Stützpunkte wurden schwer beschädigt oder zeitweise unbrauchbar – das ist dokumentiert. Dass buchstäblich jeder US-Stützpunkt in der Region zerstört worden sei, ist dagegen nicht belegt.

«Kein Plan, kein klares Ziel»

Noch schwerer wiegen die Vorwürfe zur militärischen Führung.

Der von Hall zitierte Offizier soll berichtet haben, dass er gemeinsam mit anderen Offizieren mit einem Admiral über die Situation gesprochen habe. Die Antwort sei ernüchternd gewesen: keine klaren Anweisungen aus Washington, keine erkennbare Strategie und keine Vorstellung davon, wie der Krieg beendet werden solle.

Der Offizier habe die Operation als völliges organisatorisches Chaos beschrieben.

Auch diese Aussagen stammen bislang aus einer anonymen Quelle und sind nicht unabhängig bestätigt.

Sie passen jedoch zu Berichten über ständig wechselnde Aufgaben der Lincoln. Laut der Quelle wechselte der Auftrag zwischen Angriffseinsätzen, Blockadeoperationen und dem Schutz ziviler Schiffe. Teilweise habe die Besatzung rund um die Uhr in Verteidigungsbereitschaft gestanden.

Dass die iranische Bedrohung für die amerikanische Flotte weiterhin erheblich ist, bestätigt inzwischen auch die US Navy. Reuters berichtete am 14. Oktober, dass die Marine die Gefahr für die Schifffahrt in der Region als «severe» – schwerwiegend einstuft. Iran hat seine Angriffe auf Schiffe zuletzt nochmals intensiviert.

Wurde Hegseth von den Matrosen ausgebuht?

Für besondere Aufmerksamkeit sorgt die Behauptung, Verteidigungsminister Pete Hegseth sei bei seinem Besuch auf der Lincoln von Teilen der Besatzung ausgebuht worden. Nach Halls Darstellung habe der Marineoffizier gesagt, er habe etwas Vergleichbares noch nie erlebt.

Eine unabhängige Bestätigung dafür gibt es bislang nicht. Reuters berichtete ausführlich über Hegseths Besuch und seine Rede an die Besatzung, erwähnte aber keine Buhrufe. Deshalb sollte diese Episode ausdrücklich als unbestätigter Augenzeugenbericht behandelt werden.

Dass es an Bord erhebliche Unzufriedenheit und Belastungen gegeben hat, ist dagegen dokumentiert.

85 US-Schiffe – aber keine Verbündeten?

Auch die Behauptung, zeitweise seien 85 amerikanische Kriegsschiffe im erweiterten Einsatzgebiet gewesen, ohne dass sich andere Staaten mit eigenen Schiffen beteiligt hätten, stammt aus dem anonymen Bericht.

Diese konkrete Zahl konnte bislang nicht unabhängig bestätigt werden.

Sollte sie stimmen, wäre sie politisch bemerkenswert, weil sie zeigen würde, wie stark Washington den maritimen Teil des Iran-Krieges weitgehend selbst tragen musste.

Gerade bei dieser Zahl ist jedoch Vorsicht geboten: Ohne offizielle Flottenaufstellung oder weitere Quellen bleibt sie eine Behauptung.

Ein Krieg, der anders aussieht als in Washington

Das Gesamtbild ist dennoch bemerkenswert.

Washington betont regelmässig die militärische Überlegenheit der Vereinigten Staaten und die schweren Verluste Irans. Gleichzeitig zeigen Berichte aus der Region eine andere Seite des Krieges: schwer beschädigte amerikanische Stützpunkte, rekordlange Einsätze ohne Hafenaufenthalt, logistische Schwierigkeiten, psychische Belastungen und eine Flotte, die unter permanentem iranischem Druck operiert.

Fast 100 amerikanische Militärangehörige wurden allein bei iranischen Angriffen im Juli verletzt, berichtete CBS unter Berufung auf US-Regierungsvertreter.

Die Aussage eines anonymen Offiziers, wonach die Lincoln «monatelang im Kreis gefahren» sei, ohne dass klar gewesen sei, wie dieser Krieg gewonnen werden könne, lässt sich nicht unabhängig überprüfen.

Doch die bestätigten Fakten machen deutlich, weshalb solche Berichte überhaupt glaubwürdig erscheinen.

Die USS Abraham Lincoln kehrte nach einem aussergewöhnlich langen und belastenden Einsatz zurück. Mehrere amerikanische Stützpunkte waren schwer beschädigt, die traditionelle Logistik im Persischen Golf funktionierte teilweise nicht mehr und die Besatzung verbrachte mehr als acht Monate ohne Hafenaufenthalt auf See.

Der spektakulärste Teil der Geschichte – Buhrufe gegen Hegseth, 85 amerikanische Schiffe ohne Verbündete und die Aussage, sämtliche US-Basen seien zerstört worden – bleibt bislang auf anonyme und unabhängige Beobachterberichte gestützt.

Was unabhängig bestätigt ist, reicht allerdings bereits aus, um ein anderes Bild dieses Krieges zu zeichnen: Die USA kämpfen nicht aus einer Position völliger Kontrolle, sondern zahlen einen erheblichen militärischen, logistischen und menschlichen Preis.

Quellen: