Unabhängige Analysen und Informationen zu Geopolitik, Wirtschaft, Gesundheit, Technologie

Neue Eskalationsstufe: Iran warnt Deutschland vor direkter Beteiligung an einem Krieg

Neue Eskalationsstufe: Iran warnt Deutschland vor direkter Beteiligung an einem Krieg

Die Warnung aus Teheran ist ungewöhnlich direkt: Sollte Deutschland sich offen an militärischen Operationen gegen Iran beteiligen, würden deutsche Militärbasen und Einrichtungen in der Region zu „legitimen Zielen“. Gleichzeitig testet Iran erneut ballistische Raketen, erweitert seine Ziellisten und erklärt offen, sich auf einen möglichen neuen Krieg mit den USA und Israel vorzubereiten. Deutschland steht damit vor einer Frage, die bislang weitgehend theoretisch behandelt wurde: Wie schnell könnte aus politischer Unterstützung eine direkte militärische Konfrontation werden?

Die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete am 25. Oktober unter Berufung auf ihren Sicherheits- und Verteidigungskorrespondenten, dass sämtliche mit Deutschland verbundenen militärischen Einrichtungen in der Region als legitime Ziele betrachtet würden, falls Berlin sich offen an militärischen Aktionen gegen Iran beteiligt. Mehrere internationale Medien griffen die Meldung auf. Eine Entscheidung Deutschlands, selbst militärisch gegen Iran vorzugehen, gibt es bislang nicht.

Die Warnung fällt jedoch in eine Phase, in der Iran seine militärische Bereitschaft sichtbar erhöht. Nach Angaben des Critical Threats Project wurden am 11. Oktober mehr als 30 iranische Mittelstreckenraketen getestet, darunter Varianten der Emad- und Kheibar-Shekan-Systeme. Parallel wurden Drohnen und Luftabwehrsysteme erprobt. CTP weist ausdrücklich darauf hin, dass sich nicht sämtliche gemeldeten Starts unabhängig verifizieren ließen, bewertet die Aktivitäten aber als Vorbereitung auf einen möglichen erneuten Konflikt mit den Vereinigten Staaten.

Iran selbst lässt ebenfalls kaum Zweifel daran, welches Szenario man vorbereitet. Ein hochrangiger Sicherheitsvertreter erklärte am 21. Oktober laut Fars, Teheran gehe davon aus, dass die USA und Israel erneut angreifen könnten. Für diesen Fall würden nicht nur amerikanische Militärziele, sondern auch Infrastruktur und Einrichtungen jener Staaten als legitime Ziele betrachtet, die sich an einem neuen Krieg beteiligen.

Bereits Anfang Oktober hatte das iranische Verteidigungsministerium erklärt, mögliche Ziele für Vergeltungsschläge seien festgelegt worden. Gleichzeitig seien Raketen-, Drohnen-, Luftabwehr-, Marine- und Bodensysteme weiterentwickelt worden. Nach Angaben des Ministeriums sei die Produktionskapazität für Waffen und Munition gegenüber der Zeit vor dem Krieg um das Zweieinhalbfache gestiegen, bei einzelnen Systemen sogar noch stärker.

Damit bekommt die Warnung an Deutschland einen konkreten militärischen Hintergrund.

Deutsche Soldaten stehen bereits in der Region

Die Bundeswehr ist weiterhin im Nahen Osten präsent. Nach offiziellen Angaben operieren deutsche Tankflugzeuge und die Kontingentführung der Anti-IS-Mission vom jordanischen Al-Asrak aus. Weitere deutsche Soldaten befinden sich in Bagdad sowie im Combined Air Operations Centre auf der Al-Udeid Air Base in Katar. Das Mandat erlaubt bis zu 500 Bundeswehrsoldaten in Jordanien und im Irak. Der Standort Erbil wurde dagegen zum 1. Oktober 2026 aufgegeben.

Genau solche Einrichtungen könnten nach iranischer Lesart relevant werden, wenn Deutschland über politische oder logistische Unterstützung hinaus unmittelbar an Angriffen gegen Iran beteiligt wäre.

Teheran hat dieses Prinzip bereits zuvor formuliert: Einrichtungen, Territorien oder Lufträume anderer Staaten, die für Angriffe gegen Iran genutzt würden, könnten anschließend selbst angegriffen werden. Anfang September erklärten der iranische Generalstab und das zentrale Khatam-al-Anbiya-Kommando ausdrücklich, jeder Ausgangspunkt eines US-Angriffs könne zum Ziel iranischer Vergeltung werden.

Deutschland wäre damit nicht aufgrund seiner politischen Haltung automatisch Ziel, sondern nach iranischer Darstellung dann, wenn deutsche militärische Infrastruktur unmittelbar Teil von Operationen gegen Iran würde.

Berlin setzt offiziell weiter auf Diplomatie

Die Bundesregierung erklärt bislang das Gegenteil einer militärischen Eskalation. In einer Antwort an den Bundestag vom 20. Oktober heißt es, Berlin setze weiterhin auf eine diplomatische Lösung und unterstütze Vermittlungsbemühungen unter anderem von Oman, Katar und Pakistan.

Gleichzeitig zeigt bereits die aktuelle Reisewarnung des Auswärtigen Amts, wie angespannt die Situation eingeschätzt wird. Deutschland fordert seine Staatsangehörigen zur Ausreise aus Iran auf und warnt ausdrücklich davor, dass sich die Kampfhandlungen jederzeit erneut massiv ausweiten könnten.

Die Lage ist deshalb widersprüchlich: Berlin betont Diplomatie, während Iran gleichzeitig öffentlich festlegt, welche deutschen Einrichtungen im Falle eines Kriegseintritts angegriffen werden könnten.

Iran erweitert seine Zielliste

Auch gegenüber den USA verschärft Teheran seine Sprache. Die Revolutionsgarden erklärten im September, bei einem erneuten Angriff werde man nicht nur die eingesetzten Waffen verändern, sondern auch die „Geografie des Krieges“. Neue Fähigkeiten würden eingesetzt, und bisherige Zielbegrenzungen könnten aufgehoben werden.

Anfang Oktober drohte ein hochrangiger IRGC-Kommandeur zudem, im Falle einer amerikanischen Bodenoffensive sämtliche US-Stützpunkte und amerikanischen Schiffe in der Region anzugreifen.

Die Botschaft ist klar: Iran versucht, die Kosten eines erneuten Angriffs bereits im Vorfeld so hoch wie möglich erscheinen zu lassen. Dazu gehört inzwischen ausdrücklich auch die Warnung an europäische Staaten.

Bereits im Mai hatte Teheran erklärt, eine erneute amerikanisch-israelische Offensive könnte den Krieg über die Region hinaus ausweiten. Nun wird Deutschland erstmals ausdrücklich genannt.

Quellen:

Quelle: depositphotos.com

Übersetzung: https://depositphotos.com/