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Oberst Douglas Macgregor: Der Waffenstillstand und die Blockade des Iran werden teure Folgen haben

In einem aktuellen, intensiven Interview analysiert der ehemalige Verteidigungs- und Außenpolitikberater sowie hochdekorierte Kampfveteran Colonel Douglas Macgregor die eskalierende Krise im Nahen Osten. Während die Trump-Administration mit Kommuniqué des Präsidenten, Kriegsministers Pete Hegseth und General Dan Kaine, dem Vorsitzenden der Joint Chiefs of Staff, ein Bild von Kontrolle und Stärke im Konflikt mit dem Iran zu zeichnen versucht, legt Macgregor dessen Fassade gnadenlos offen. Ausgangspunkt der Diskussion ist die einzige Statistik, die zählt: die Zahl der Schiffe, die die Straße von Hormuz passieren – und diese Zahl ist laut Macgregor auf Null gesunken. Der Artikel beleuchtet die Diskrepanz zwischen offiziellen Behauptungen und der brutalen Realität eines Konflikts, der wirtschaftlich und militärisch in einer Sackgasse steckt und für die USA selbst existenziell bedrohlich wird.

Während aus dem Weißen Haus und dem Pentagon optimistische Töne zu vernehmen sind, zeichnet sich ein völlig anderes Bild der militärischen Realität im Konflikt mit dem Iran. In einem bemerkenswert offenen Gespräch mit Daniel Davis hat der ehemalige hochdekorierte Colonel Douglas Macgregor die jüngsten Entwicklungen um die Blockade und den Schein-Waffenstillstand in der Straße von Hormuz einer schonungslosen Analyse unterzogen. Sein Fazit ist alarmierend: Die USA stecken in einer selbstverschuldeten Falle, deren Konsequenzen nicht nur den Nahen Osten, sondern den gesamten Globus und insbesondere die heimische Wirtschaft treffen werden.

Die entscheidende Statistik: Nichts geht mehr

Die Diskussion beginnt mit einer einfachen, aber vernichtenden Erkenntnis. Während Präsident Trump, Kriegsminister Hegseth und General Kaine von einem „erstaunlichen“ Erfolg der Blockade sprechen, die wie ein „Stahlstück“ sei, verweist Macgregor auf die einzige relevante Kennzahl: „Wie viele Schiffe sind durch die Straße von Hormuz gekommen? Die Antwort ist heute eine große Null.“ Die wenigen Bewegungen, die es gab, seien kaum der Rede wert. Selbst die angeblich erfolgreiche Eskorte zweier Tanker habe sich als Fehlstart erwiesen, da zeitgleich zwei andere Schiffe angegriffen wurden. „Am Tag eins, Stunde eins kamen zwei durch, zwei nicht“, kontert Davis. Die Straße, so Macgregor, sei de facto geschlossen – nicht einmal durch den massiven Aufmarsch der US-Marine könne man daran etwas ändern.

Wer ist der Aggressor? Eine verkehrte Welt

Ein zentrales Element der offiziellen US-Propaganda ist die Darstellung Irans als alleinigen Aggressor. Kriegsminister Hegseth wirft Teheran vor, zivile Schiffe zu belästigen und eine Form der „internationalen Erpressung“ zu betreiben. Macgregor zerstört dieses Narrativ mit wenigen Sätzen: „Israel begann den Krieg mit seinen Angriffen auf den Iran, und wir folgten schnell hinter Israel her.“ Die USA und Israel seien die eigentlichen Angreifer, die den Konflikt provoziert hätten. Die Behauptung, man wolle keinen Kampf, sei angesichts der eigenen Blockade absurd. „Wenn die Iraner die Straße schon geschlossen haben, warum brauchen wir dann eine Blockade?“, fragt Macgregor rhetorisch. Die gesamte Argumentation sei irrational und strategielos. Die angebliche Befreiungsaktion sei längst gescheitert – weder die erhofften Massenproteste gegen das Regime noch die Enthauptung der Führung hätten den gewünschten Effekt erzielt. Stattdessen habe der Iran mit Vergeltungsschlägen reagiert und US-Stützpunkte in der Region schwer beschädigt.

Die „Red, White, and Blue Shield“ – militärisches Wunschdenken

General Kaine malte das Bild einer massiven militärischen Schutzmacht aus Luft- und Seestreitkräften, die einen „erweiterten Sicherheitsbereich“ am südlichen Ende der Straße schaffe. Mit über 100 Kampfflugzeugen und Kriegsschiffen werde man iranische Drohnen und Schnellboote abwehren. Macgregor zeigt sich davon wenig beeindruckt. Er weist auf die bizarre Rolle der 82. Luftlandedivision hin, die angeblich die Aktivitäten koordiniert, was eher einem politischen Feigenblatt als militärischer Notwendigkeit gleiche.

Vor allem aber kritisiert er die physikalische Unmöglichkeit eines perfekten Schutzschildes. „Viel Glück damit“, kommentiert er trocken. „Das wird nicht funktionieren, es sei denn, wir haben einen Weg gefunden, die Gesetze der Physik zu brechen und Laserwände aufzubauen.“ Die Iraner benötigten keine großen Kriegsschiffe, um den Schiffsverkehr zu lahmlegen. Ihre Fähigkeit, mit erd- und weltraumgestützter Aufklärung jeden Winkel der Region permanent zu überwachen und Ziele in Echtzeit zu bekämpfen, entscheide das Kräftemessen. Die US-Marine könne die Durchfahrt eines Tankers nicht garantieren. Die einzige Instanz, die den Verkehr wirklich stoppe, sei übrigens nicht der Iran, sondern Lloyd’s of London. Ohne Versicherungsschutz, den heute meist die Nationalstaaten selbst übernähmen, bewege sich kein Schiff.

Die wirtschaftliche Zeitbombe für die USA

Der wahrscheinlich brisanteste Teil der Analyse betrifft die wirtschaftlichen Konsequenzen für die Vereinigten Staaten. Macgregor warnt eindringlich vor einer fatalen Selbsttäuschung. Die Rhetorik aus Washington mag die Märkte kurzfristig beruhigen – der Ölpreis fällt – doch die physische Realität hole sie unweigerlich ein. Die Treibstoffreserven in den USA seien auf dem niedrigsten Stand, den man zu dieser Jahreszeit je gesehen habe. „Die Wirtschaft läuft auf billiger Energie und billigen Krediten“, so Macgregor. „Wenn Energie nicht billig ist, sind Kredite nicht billig.“

Er malt das Bild einer sich zuspitzenden Kaskade: Die Blockade führt zu steigenden Energiepreisen, was die Inflation anheizt und die Renditen von Staatsanleihen explodieren lässt. „Ich dachte lange, dass 5 % bei der zehnjährigen Anleihe die Schwelle wäre, die das ganze System zum Einsturz bringt“, sagt er. Das sei nun in Reichweite. Gleichzeitig treibe der Konflikt die weltweite Entdollarisierung voran. China, Japan und andere Länder würden US-Schatzanweise abstoßen. „Die Welt wird sich in Richtung Yuan bewegen. Dort wird das Geschäft gemacht.“

Besonders alarmierend ist seine Prognose für die Nahrungsmittelproduktion. „70 % unserer Landwirte haben bereits gesagt, dass sie sich Düngemittel nicht mehr leisten können“, warnt Davis im Gespräch. Die steigenden Preise und drohenden Engpässe könnten in den USA in den nächsten 60 Tagen zu einer Katastrophe führen. „Schalten Sie die Lebensmittelmarken ab, dann werden Sie sehen, was die Hölle los ist“, prophezeit Macgregor düster.

Zwei Optionen – und beide sind schlecht

Was also tun? Macgregor sieht für Präsident Trump nur zwei Wege, und keiner ist schmackhaft. Die erste Option wäre der vollständige Rückzug: Das Eingeständnis, dass militärische Macht nicht funktioniert, die Blockade aufzuheben und den Rest der Welt ihre Geschäfte machen zu lassen. Dies käme einer öffentlichen Demütigung gleich. Die zweite Option ist die massive Eskalation, um den iranischen Staat zu zerstören. Dafür aber fehlen die Mittel, die politische Unterstützung im In- und Ausland und vor allem ein strategischer Plan.

Das Team um den Präsidenten versuche derweil, den Konflikt als „Mini-Krieg“ herunterzuspielen – mit Verweisen auf die Langlebigkeit von Vietnam oder Irak. Doch Macgregor widerspricht: „In Vietnam und im Irak wurde die globale Energieversorgung nie unterbrochen.“ Jetzt aber sei die Lage fundamental anders. Die Waffen und vor allem die hochpräzisen Munitionen für einen größeren Schlag gegen den Iran würden in weniger als zwei Wochen aufgebraucht sein. „All diese exotischen Präzisionswaffen werden im Zeitraum von fünf bis zehn Tagen erschöpft sein.“

Die Rolle Israels und das wahre Ziel

Die gesamte Konstruktion, so Macgregor, diene letztlich einem anderen Zweck: dem Schutz Israels. Die Israelis hätten einen lange gehegten Plan, den man „Project Greater Israel“ nenne, und sähen den Iran als letzte verbliebene Hürde an. Der ursprüngliche Auslöser, der Angriff vom 7. Oktober, werde zunehmend diskreditiert – selbst in Israel wisse man, dass dies ermöglicht worden sei. Die Folge sei, dass sich die Welt, angeführt von Ägypten und der Türkei, zunehmend gegen Israel und damit auch gegen dessen uneingeschränkten Unterstützer USA verbünden werde.

Fazit: Kein Ausweg in Sicht

Die Analyse von Colonel Douglas Macgregor ist ein vernichtendes Zeugnis für die derzeitige US-Politik. Ohne klares Ziel, mit falschen Narrativen und einer gefährlichen Missachtung physikalischer und wirtschaftlicher Gesetze treibe die Administration das Land in eine Sackgasse. Das Scheitern werde sich nicht im fernen Nahen Osten, sondern an den heimischen Tankstellen, in den Supermarktregalen und auf den Finanzmärkten manifestieren. „Es wird die Hölle geben zu bezahlen“, fasst Davis Macgregors Botschaft am Ende zusammen. Die Frage sei nicht mehr, ob dies geschehe, sondern wann. Solange die Administration an der Fiktion einer erfolgreichen Blockade festhalte, fehle die Grundlage für einen rationalen Kurswechsel. „Präsident Trump macht seinen Job nicht als Anführer dieses Landes“, schlussfolgert Macgregor. „Das ist das größte Problem im Moment.“