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Oliver Stone: „Es gibt immer noch eine Präsenz da draußen, die Menschen hindert über die Tötung von JFK zu sprechen“
Marco Piraccini/Mondadori Portfo/Shutterstock

Oliver Stone: „Es gibt immer noch eine Präsenz da draußen, die Menschen hindert über die Tötung von JFK zu sprechen“

Anlässlich der Veröffentlichung des Nachfolgefilms zu seinem 1991 gedrehten Film über das Kennedy-Attentat spricht der Oscar-Preisträger mit Geoffrey Macnab über die seiner Meinung nach andauernde Vertuschung, die „cancel culture“, Margaret Thatcher, Julian Assange und warum er Boris Johnson „innerhalb einer Sekunde ins Gefängnis werfen würde“.

Oliver Stone ist kein Fan der „Cancel Culture“. „Natürlich verachte ich sie“, sagt der Oscar-prämierte Filmemacher, als wäre er völlig erstaunt, dass ihm jemand eine so dumme Frage stellen muss. „Ich bin mir sicher, dass ich von einigen Leuten für all die Kommentare, die ich gemacht habe, abgesagt worden bin…. es ist wie eine Hexenjagd. Es ist schrecklich. Amerikanische Zensur im Allgemeinen, weil es ein untergehendes, defensives, Imperium ist, ist nun (Amerika) sehr empfindlich gegenüber jeder Kritik geworden. Was in der Welt mit YouTube und sozialen Medien vor sich geht“, schimpft er. „Twitter ist das Schlimmste. Sie haben den Ex-Präsidenten der Vereinigten Staaten verbannt. Es ist schockierend“, sagt er und meint damit den Ausschluss von Donald Trump von der Mikroblogging-Plattform.

Es ist ein Samstagmittag im Restaurant des Marriott Hotels an der Croisette in Cannes. Der amerikanische Regisseur ist diese Woche in der Stadt, um die Festivalpremiere seines neuen Dokumentarfilms JFK Revisited zu feiern: Through the Looking Glass, in dem er die Ermordung von Präsident John F. Kennedy im November 1963 noch einmal Revue passieren lässt.

„Ich bin ein Nadelkissen für die amerikanisch-russischen Friedensbeziehungen… Ich hatte vier f***ing Impfstoffe: zwei Sputniks und zwei Pfizer“, gestikuliert Stone an seinem Arm. Die rivalisierenden Supermächte mögen sich weiterhin zutiefst misstrauisch gegenüberstehen, aber Stone lädt sich mit Tränken von beiden Seiten des alten Eisernen Vorhangs auf.

Vor kurzem reiste er durch Russland (daher die Sputnik-Impfungen), wo er einen neuen Dokumentarfilm darüber drehte, wie Atomkraft die Menschheit retten kann. Kürzlich hat er auch einen Film über Kasachstans ehemaligen Präsidenten Nursultan Nasarbajew fertiggestellt, der – wie seine Interviews mit Wladimir Putin – wegen seiner ehrerbietigen, sanft-sanften Herangehensweise an eine Figur, die weithin als rücksichtsloser Despot gilt, in dem er rundum belächelt wurde.

Gekleidet in ein blaues Polohemd, in einem Moment über die englische Fußballmannschaft und im nächsten über seine Lieblingsfilme schwafelnd und ständig lachend, ist der 74-jährige Oscar-prämierte Regisseur von Platoon, Wall Street, Natural Born Killers u.a. eine weitaus fröhlichere Erscheinung, als sein Ruf als Lieferant dunkler Verschwörungsthriller vermuten lässt. Er ist auch sehr offenherzig. Bei all seiner Streitlust ist Stone aber nicht so dickhäutig, wie man meinen könnte. Ich frage mich, ob ihn der Spott verletzt hat, der ihm entgegenschlug, als sein Spielfilm JFK 1991 in die Kinos kam.

„Ich war eher ein jüngerer Mann. Es war schmerzhaft für mich“, seufzt der Regisseur, als er sich daran erinnert, dass er von so bewunderten Figuren wie dem Nachrichtensprecher Walter Cronkite und dem Hollywood-Machtmakler Jack Valenti angegriffen wurde, weil er sich das „halluzinatorische Geblöke“ des ehemaligen Staatsanwalts von New Orleans, Jim Garrison, angehört hatte, als JFK veröffentlicht wurde. „Es war eigentlich ziemlich schockierend, weil ich dachte, der Mord läge hinter uns. Ich dachte wirklich, dass wir 30 Jahre später wieder unaufgeregt auf diese Sache schauen können. Aber da habe ich mich gewaltig geirrt.“

Garrison war natürlich die reale Figur, die von Kevin Costner im Film dargestellt wurde; er war der ursprüngliche Befürworter der Theorie, dass die CIA nach seinen Ermittlungen im Jahr 1966 an der Ermordung des US-Präsidenten beteiligt war. Garrison schrieb das Buch On the Trail of the Assassins, auf dem der Film teilweise basierte.

Selbst den schärfsten Verächtern des Regisseurs wird es schwerfallen, die Beweise, die er im neuen Dokumentarfilm über das JFK-Attentat zusammengetragen hat, abzutun. Nachdem ich den Film gesehen und ihm zugehört hatte, dachte ich, dass nur Leute mit flacher Erde noch glauben können, dass Lee Harvey Oswald Präsident Kennedy ganz allein erschossen hat. Es ist so überzeugend. Hier weiter von Google übersetzt.