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Pressefreiheit in den USA fällt auf historischen Tiefstand

Pressefreiheit in den USA fällt auf historischen Tiefstand

Die Pressefreiheit in den Vereinigten Staaten hat laut dem aktuellen World Press Freedom Index, der jährlich von Reporter ohne Grenzen veröffentlicht wird, einen Rekordtiefstand erreicht.

Warum das wichtig ist: Über Jahre hinweg galt die Pressefreiheit in den USA nach den Maßstäben von Reporter ohne Grenzen als „zufriedenstellend“. Seit dem vergangenen Jahr wird sie nun jedoch als „problematisch“ eingestuft.

  • Die Pressefreiheit in den USA liegt inzwischen auf einem Niveau mit Entwicklungsländern wie Gambia, Uruguay und Sierra Leone.

Trumps Verbündete kontrollieren jetzt X, Facebook, Instagram, WhatsApp und TikTok. Ihnen gehören Fox News, CBS, WaPo, WSJ und NY Post. Ihnen gehört Sinclair Broadcasting mit 200 Fernsehsendern und lokalen Nachrichten in 100 Märkten. Trump und seine Milliardärskumpel bezeichnen es heute als „Redefreiheit“.

Das große Ganze

Während physische Bedrohungen gegen Journalisten oft ein deutliches Zeichen für schwindende Pressefreiheit sind, verweist Reporter ohne Grenzen darauf, dass wirtschaftliche Belastungen der Medien weltweit der größte Treiber des Rückgangs seien.

  • Besonders betroffen sind autokratische Staaten wie Nicaragua, Belarus und Iran, aber auch instabile Demokratien wie Türkei und Ungarn.

Zwischen den Zeilen

Wirtschaftlicher Druck hängt zunehmend mit Versuchen von Regierungen zusammen, kritische oder unabhängige Medien finanziell zu schwächen.

  • Reporter ohne Grenzen nennt als Beispiel die Versuche der Trump-Regierung, die Finanzierung von öffentlichen Sendern wie Voice of America und Radio Free Europe/Radio Liberty zu kürzen.
  • Hinzu kommen nicht-staatliche Faktoren, die den Journalismus gefährden – etwa die Dominanz großer Internetplattformen in der Werbewirtschaft.
  • Diese Einschränkungen haben weltweit zu einer Rekordkonzentration von Medienhäusern geführt, wodurch Eigentum an Medien immer stärker konzentriert oder direkt vom Staat kontrolliert wird.

Alarmierende Zahlen

Reporter ohne Grenzen untersucht die Pressefreiheit weltweit seit über einem Jahrzehnt anhand von fünf Indikatoren: politisch, rechtlich, wirtschaftlich, soziokulturell und Sicherheit.

  • Der wirtschaftliche Indikator hat weltweit einen neuen Tiefpunkt erreicht: In 160 von 180 Ländern herrscht „schwierige“ oder gar „keine“ finanzielle Stabilität.
  • In den USA sind vor allem lokale Nachrichtenredaktionen betroffen – mit der Folge einer noch nie dagewesenen Zahl von sogenannten „News Deserts“ (Regionen ohne funktionierende lokale Berichterstattung) in einem Land von solcher Macht.

Globaler Blick

Der am Freitag veröffentlichte Bericht, kurz vor dem Tag der Pressefreiheit am 3. Mai, unterstreicht außerdem, wie stark weltweite Instabilität die Qualität des Journalismus beeinträchtigt.

  • Genannt werden Konflikte in Regionen wie Gaza und Haiti, wo politische Instabilität die Medienwirtschaft ins Chaos gestürzt hat.
  • Auch die Schwächung der United States Agency for International Development (USAID) habe „Hunderte von Nachrichtenorganisationen in einen kritischen Zustand wirtschaftlicher Instabilität“ gebracht und einige sogar zur Schließung gezwungen – insbesondere in der Ukraine.

Das große Bild

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt inzwischen in Ländern, in denen Pressefreiheit vollständig fehlt und journalistische Arbeit als gefährlich gilt, so der Index.

  • Länder wie China, Uganda und Äthiopien gelten heute nicht mehr nur als „schwierig“, sondern als „sehr ernst“ im Hinblick auf Bedrohungen der Pressefreiheit.