Die jüngsten Einsätze der Nationalgarde in Washington, D.C. und weiteren US-Großstädten lassen sich kaum losgelöst von den Plänen des umstrittenen Project 2025 betrachten. Die von der konservativen Heritage Foundation initiierte Agenda sieht eine weitgehende Zentralisierung exekutiver Macht, die Aufweichung der Gewaltenteilung und eine verstärkte Nutzung militärischer Kräfte im Inland vor. Was ursprünglich als theoretisches Übergangsprojekt für eine zweite Trump-Amtszeit erschien, wird nun in rasantem Tempo Realität.
Der Kern von Project 2025
Project 2025 ist ein rund 900 Seiten umfassender Masterplan, der die Strukturen der US-Bundesregierung grundlegend umbauen will. Das Konzept stützt sich auf die sogenannte unitary executive theory, nach der der Präsident nahezu uneingeschränkte Befugnisse über sämtliche Bundesbehörden erhält. Zu den zentralen Elementen gehören die Schwächung oder Auflösung ganzer Ministerien, der Umbau von Justiz und FBI, die Aufhebung von Umweltschutzmaßnahmen sowie ein massiver Eingriff in soziale und kulturelle Rechte.
Details zum Projekt: Wikipedia – Project 2025
Besonders brisant ist der geplante Einsatz des Insurrection Acts, der es dem Präsidenten ermöglicht, Militär und Nationalgarde ohne Zustimmung der Gouverneure in Bundesstaaten einzusetzen. Genau diese Logik spiegelt sich nun in Trumps aktuellen Maßnahmen wider.
Nationalgarde-Einsätze in Washington und anderen Städten
Am 11. August 2025 erklärte Trump in Washington, D.C. den „Crime Emergency“ und übernahm damit direkt die Kontrolle über das Metropolitan Police Department. Gleichzeitig mobilisierte er rund 800 Nationalgardisten, teilweise aus anderen Bundesstaaten. Offiziell begründet wurde dies mit einer angeblich steigenden Kriminalitätsrate — trotz gegenteiliger Statistiken, die belegen, dass Gewaltverbrechen in D.C. auf einem 30-Jahres-Tief liegen. Kritiker sprechen von einer Machtdemonstration und einer bewussten Einschüchterung der Bevölkerung.
Mehr Hintergründe: Washington Post
Trumps Pläne gehen jedoch weit darüber hinaus: In Chicago und New York bereitet das Pentagon laut Berichten eine Ausweitung des Einsatzes vor, bei der mehrere tausend Nationalgardisten stationiert werden sollen. In Los Angeles kam es bereits im Juni zu einem massiven Einsatz gegen Proteste im Zusammenhang mit der Einwanderungspolitik, bei dem neben der Nationalgarde auch Marines involviert waren — teilweise ohne Zustimmung der Gouverneure.
Siehe dazu: The Guardian
Aufbau neuer Spezialkräfte
Parallel berichten US-Medien von der Planung einer speziellen „Domestic Civil Disturbance Quick Reaction Force“: einer neu gegründeten Eingreiftruppe mit rund 600 Soldaten, verteilt auf Stützpunkte in Arizona und Alabama. Diese Einheit soll innerhalb von 24 Stunden auf Anweisung des Präsidenten überall im Land einsatzbereit sein.
Mehr Informationen: The Daily Beast
Politische und rechtliche Kontroversen
Juristische Auseinandersetzungen sind bereits im Gange. Mehrere Bundesstaaten haben Klagen eingereicht, um die föderale Kontrolle über lokale Polizeibehörden zu bewahren und den Einsatz von Militär ohne Zustimmung der Gouverneure zu verhindern. Bürgerrechtsorganisationen wie die ACLU warnen vor einem gefährlichen Präzedenzfall: Die aktuellen Schritte könnten die Gewaltenteilung aushebeln und demokratische Institutionen schwächen.
Fazit
Die Einsätze der Nationalgarde sind kein isoliertes Sicherheitsmanöver, sondern Teil einer größeren politischen Strategie. Project 2025 liefert die Blaupause für eine umfassende Neuausrichtung der Machtbalance in den USA. Trumps Handlungen deuten darauf hin, dass diese Roadmap Schritt für Schritt umgesetzt wird — von der Zentralisierung der Sicherheitskräfte über die Einschränkung föderaler Kompetenzen bis hin zur Schaffung eigener, präsidial kontrollierter Spezialtruppen.


