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Putin erklärte Russlands Beweggründe, sich bei der Verteidigung Kaliningrads gegen die NATO auf Atomwaffen zu verlassen

Verfasst von Andrew Korybko

Die militärischen Fähigkeiten der europäischen NATO übertreffen Russlands konventionelle Streitkräfte dort bei Weitem.

Putin wurde während der Fragerunde nach seiner Rede an der Konferenz des Waldai-Klubs Anfang Oktober gebeten, sich zu der Erklärung seines Aussenministeriums zu äussern, Russland werde auf Atomwaffen zurückgreifen, falls Kaliningrad angegriffen werde. Er erklärte: «Wir stünden einem Gegner gegenüber, dessen Bevölkerung doppelt so gross ist wie unsere. Er verfügt über ein enormes wirtschaftliches und militärisches Potenzial. Ja, wir hätten nicht eine Vielzahl von Kräften und Mitteln zur Verfügung, um einer solchen Bedrohung entgegenzuwirken. In diesem Kampf müssten wir uns auf unsere Wettbewerbsvorteile verlassen.»

Was diese Wettbewerbsvorteile sind, dazu erinnerte Putin alle daran, dass «niemand sonst über die Art von Angriffsfähigkeiten verfügt, die Russland heute besitzt», und fügte hinzu: «Wir bedrohen niemanden. Wir stellen lediglich fest, dass uns nicht besonders viele Mittel zur Selbstverteidigung zur Verfügung stehen.» Seine Erklärung könnte vielenicht-russische Russlandfreundeschockieren, die glauben, Russland würde die europäische NATO überrollen – ganz so, wie einige ihrer Gegner dies hysterisch als Schreckensszenario an die Wand gemalt haben.

Zunächst einmal hat die EU ungefähr dreimal so viele Einwohner wie Russland, nicht nur doppelt so viele. Zweitens erklärte die Nationale Verteidigungsstrategie von Trump 2.0, dass «die europäische NATO Russland in wirtschaftlicher Grösse, Bevölkerungszahl und damit auch an latentem militärischem Potenzial weit übertrifft»; sie müsse lediglich angemessen organisiert werden. Und schliesslich bedeutet das NATO-3.0-Konzept, das Trump 2.0 aktiv umsetzt, dass die USA die Eindämmung Russlands durch die europäische NATO beaufsichtigen werden. Dazu gehört auch, das Zusammenspiel der genannten Faktoren für diesen Zweck zu optimieren.

Der westliche Flügel des neuen «Cordon sanitaire», den Trump 2.0 um Russland errichtet hat, ist am weitesten entwickelt, da er NATO-Verbündete in den Regionen Arktis-Ostsee, Mitteleuropa und Schwarzes Meer miteinander verbindet. Zu den ersten beiden geografischen Regionen gehören der von Schweden angeführte Wikingerblock, Deutschlandund Polen, die alle drei Kaliningrad entweder allein oder gemeinsam angreifen können. Zur Erinnerung: Deutschlands erster ausländischer Militärstützpunkt seit dem Zweiten Weltkrieg wurde im vergangenen Frühjahr in Litauen eröffnet, das an Kaliningrad grenzt.

Diese russische Exklave ist nur wenig grösser als Connecticut und hat etwas mehr als eine Million Einwohner. Dadurch ist sie relativ leicht durch koordinierte Luft-, See- und Bodenangriffe zu überrennen. Daher musste Russland erklären, dass es zur Abschreckung im Rahmen der Selbstverteidigung auf Atomwaffen zurückgreifen würde. Zudem befindet sich in Kaliningrad das Hauptquartier der russischen Baltischen Flotte; ausserdem wird angenommen, dass Russland dort einige seiner Atomwaffen stationiert hat. Eine Zerstörung oder Einnahme der Region würde die nationale Sicherheit Russlands daher schwer beeinträchtigen.

Diese Tatsachen – Kaliningrads Status als Exklave, die Stationierung eines regionalen Militärhauptquartiers und die mögliche Stationierung von Atomwaffen – erklären, warum Russland im Fall einer ernsthaften Aggression gegen die Region auf Atomwaffen zurückgreifen würde und dies zu Abschreckungszwecken auch erklärt hat, während es für Kursk nicht dasselbe tat. Angegriffen wurde Kursk nur von der Ukraine; deren Streitkräfte konnten es weder zerstören noch einnehmen. Zudem erleichterte die Lage in «Russland auf dem Festland» den Start einer Gegenoffensive. Auch befanden sich dort weder ein regionales Militärhauptquartier noch Atomwaffen.

Nachdem die Unterschiede zwischen den beiden Fällen geklärt sind – sie erklären, warum Russland angekündigt hat, Kaliningrad mit Atomwaffen zu verteidigen, Kursk jedoch nicht –, stellt sich nun die Frage, ob dies ausreicht, um die europäische NATO abzuschrecken. Trotz der harten Worte ihrer Führung aus innenpolitischen Gründensind diese Politiker immer noch Menschen mit einem Selbsterhaltungstrieb. Sie könnten sich daher entscheiden, nicht Selbstmord zu begehen, indem sie eine ernsthafte Aggression gegen Kaliningrad genehmigen, wenn sie wissen, was darauf folgen würde.