Felix Abt
Ein US-U-Boot hat ein unbewaffnetes iranisches Schiff in internationalen Gewässern versenkt. In einer erschreckenden Abkehr von historischen Marinetraditionen – und sogar von den Praktiken Nazi-Deutschlands – unternahm das amerikanische Militär keinerlei Versuche, die überlebenden Seeleute zu retten.
Schon am ersten Tag dieses illegalen und unprovokierten Angriffskrieges durch Israel und die USA tötete ein entsetzlicher Schlag gegen eine Mädchenschule in Minab mehr als 100 Kinder und ihre Lehrer. Dieser hinterhältige Angriff durch Washington und Israel erfolgte mitten in laufenden Verhandlungen – ein düsteres Echo auf den Beginn des vorangegangenen zwölftägigen Angriffskrieges im Juni 2025. Laut dem omanischen Außenminister hatte Teheran bereits erhebliche Zugeständnisse gemacht.
Da keine Vorwarnung erfolgte – während die heuchlerischen Vereinigten Staaten so taten, als liefen ernsthafte Verhandlungen mit dem Iran weiter, und bereits öffentlich einen neuen Verhandlungstermin für die folgende Woche angekündigt hatten – blieben Familien diesem hinterhältigen Angriff schutzlos ausgeliefert. Die Kinder befanden sich in der Schule, als die Bomben fielen; der Unterricht wurde erst nach dem bereits angerichteten Gemetzel abgesagt.
Die USA und Israel bombardieren nun zivile Zentren mit derselben Brutalität, die man in Gaza sah – systematisch werden Wohnblöcke, Märkte und Krankenhäuser in einer Kampagne wahllosen Abschlachtens dem Erdboden gleichgemacht.
Selbst der britische Telegraph, eine seit Langem dem Iran feindlich gesinnte Zeitung, die sich jahrelang für einen Krieg gegen das Land starkgemacht hat, spricht von einer „Apokalypse“ in Teheran: brennende Krankenhäuser, unter Trümmern begrabene Kinder. Die Zeitung berichtet: „Die Autobahnen sind verstopft mit Flüchtenden, während andere Schutz suchen, ohne noch einen Ort zu haben, an den sie entkommen könnten.“

Als einen neuen Tiefpunkt nahm das US-Militär ein unbewaffnetes iranisches Schiff weit abseits jedes Kampfgebiets ins Visier. Das Schiff, das lediglich Seeleute und Würdenträger an Bord hatte, nahm auf Einladung der indischen Regierung an einer gemeinsamen Flottenparade in Indien teil. Es kreuzte in internationalen Gewässern nahe der Küste Sri Lankas, als es getroffen wurde.
Verzweifelt auf der Suche nach einem psychologischen Sieg nach dem Scheitern der ersten Phase des „Regimewechsels“ – und angesichts der Vergeltungsschläge gegen US-Stützpunkte in der Region – wählte Pete Hegseths Pentagon ein weiches Ziel für ein abscheuliches Kriegsverbrechen.
Hegseth ist ein ehemaliger Fox-News-Moderator und diente als CEO/Geschäftsführer von Concerned Veterans for America (CVA), einer von den Koch-Milliardärs-Oligarchen finanzierten Organisation, die sich für die Privatisierung der Gesundheitsversorgung für Veteranen, die Einschränkung der Anspruchsberechtigung und die Kürzung staatlicher Leistungen einsetzte, um Gelder in die „Kriegsführungskapazität“ umzuleiten. Die Koch-Oligarchen investierten außerdem massiv in israelische Tech-Startups.
Mit genau diesem Profil als Hauptqualifikation avancierte Hegseth zum Kriegsminister.
Hegseth erklärte, die USA würden „Tag und Nacht Tod und Zerstörung“ über die Menschen in Teheran regnen lassen. Für ihn war diese Versenkung ebenfalls ein „Sieg“ – eine bewusste Zurschaustellung von Sadismus, die zeigen sollte, dass die USA keine Kriegsregeln befolgen.
Die Tat hat zudem einen diplomatischen Skandal ausgelöst. Während die Regierung von Narendra Modi verdächtig schweigt, vermuten viele, dass Indien die Iraner in das Manöver lockte, nur um sie dann zu verraten – im Nachgang eines 10-Milliarden-Dollar-Waffengeschäfts zwischen Modi und Netanjahu. Dieser wahrgenommene Verrat hat Modis Gegner angewidert und seine Anhänger verunsichert; es stellt infrage, ob solche Marineübungen in Indien jemals wieder stattfinden können.
Der Angriff war militärisch völlig irrelevant. Während die USA die Zerstörung iranischer Kriegsschiffe im Golf von Oman als großen Erfolg feiern, handelt es sich bei diesen Schiffen – meist britischen Fregatten aus den 1970er Jahren, die noch aus der Zeit des Schahs stammen – um veraltete, kaum kampffähige Einheiten, die keine ernsthafte Bedrohung darstellen.
Das ist kein Seekrieg. Es ist eine reine Kampagne der Demütigung Irans.
Das Leiden der iranischen Bevölkerung – bereits erdrückt von jahrelangen, strangulierenden Sanktionen und nun zusätzlich von Bomben – reicht den sadistischen Kriegstreibern in Washington und Tel Aviv offenbar noch immer nicht aus.
Und welche Rolle spielt Deutschland dabei?
Während des vom Westen befeuerten illegalen und unprovozeirten Aggressionskrieges des Iraks gegen Iran von 1980 bis 1988 setzte das Regime von Saddam Hussein wahllos chemische Waffen gegen iranische Soldaten und Zivilisten ein. Über 80 deutsche Unternehmen lieferten die Vorprodukte, die Ausrüstung und das Fachwissen, die zur Herstellung von Senfgas und Sarin nötig waren. Dadurch wurden Hunderttausende Iraner getötet, und unzählige weitere erlitten dauerhafte Schäden an den Atemwegen, am Nervensystem und am Sehvermögen.
Zivilisten in Grenzregionen litten, als Giftgaswolken Dörfer, Bauernhöfe und Städte vergifteten und Familien, Landwirte sowie ungeschützte Sanitäter verwüsteten. Im Irak richteten sich chemische Angriffe auch gegen Kurden, am berüchtigtsten beim Massaker von Halabdscha (März 1988), bei dem an einem einzigen Tag etwa 5.000 Zivilisten – überwiegend Frauen, Kinder und ältere Menschen – starben, während Tausende weitere lebenslanges Leid ertragen mussten.
Diese Verbrechen legen Deutschlands tiefe Mitverantwortung an einer der schlimmsten Chemiewaffen-Kampagnen des späten 20. Jahrhunderts offen – ein weiteres Kapitel industriell ermöglichten Massenmords. Das Vergasen Unschuldiger scheint für dieses Land offenbar eine besonders düstere Konstante der Geschichte zu sein.
Und wieder einmal unterstützt Deutschland – ausgerechnet Deutschland – einen unprovozierten, illegalen Angriffskrieg gegen den Iran. Gleichzeitig spricht Berlin dem Iran ihm internationale rechtliche Schutzrechte ab. Gegenüber einem Land, dem es so viel Leid zugefügt hat, verhält sich Deutschland äußerst beschämend und schamlos.


