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Sechs Jahre mRNA-Daten: Neue Wiley-Übersicht sieht bis heute erhebliche Sicherheitslücken

Eine am 15. Oktober 2026 im Journal of Toxicology veröffentlichte Literaturübersicht zieht Bilanz über die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur modifizierten mRNA-Technologie seit Beginn der COVID-Ära. Die Autoren untersuchen Forschung aus rund sechs Jahren – von den ersten präklinischen Arbeiten 2020 bis zu Veröffentlichungen aus dem Jahr 2026 – und sehen weiterhin eine Reihe ungelöster Sicherheitsfragen. Im Mittelpunkt stehen Biodistribution, Lipid-Nanopartikel, Dauer und Ort der Spike-Produktion, Myokarditis, neurologische und reproduktive Ereignisse, DNA-Rückstände sowie mögliche langfristige biologische Folgen. Besonders bemerkenswert: Zu den 16 Autoren gehört Helmut Sterz, der vor dem Deutschen Bundestag bestätigte, früher Chef-Toxikologe für Pfizer Europa gewesen und dort für Tierversuche zur Arzneimittelsicherheit verantwortlich gewesen zu sein.

Die Arbeit trägt den Titel „Toxicological Vulnerabilities and Emerging Safety Signals in Modified mRNA Vaccine Technology: A Narrative Review of the COVID-19 Experience“ und wurde als Open-Access-Review veröffentlicht.

Es handelt sich nicht um eine neue klinische Studie mit eigenen Patienten, sondern um eine narrative Literaturübersicht. Die Autoren durchsuchten PubMed und Google Scholar nach Arbeiten zu Risikobewertung, Toxizität, Nebenwirkungen, COVID-Impfstoffen und Impfverletzungen und verfolgten zusätzliche Literatur über Vorwärts- und Rückwärtszitationen. Eigene neue Daten wurden nicht erhoben.

Die ausgewertete Literatur reicht von den frühen Entwicklungs- und Zulassungsarbeiten des Jahres 2020 bis zu Studien aus 2026. Damit zieht die Arbeit eine Bilanz aus rund sechs Jahren wissenschaftlicher Forschung zur COVID-mRNA-Technologie. Die Autoren selbst sprechen zugleich von fünf Jahren Erfahrung seit dem großflächigen Rollout Anfang 2021.

Ex-Pfizer-Chef-Toxikologe Helmut Sterz gehört zu den Autoren

Besondere Aufmerksamkeit verdient die Zusammensetzung der Autorengruppe.

Unter den 16 Autoren befindet sich Dr. Helmut Sterz, den Wiley als unabhängigen Forscher aufführt. Seine frühere Position bei Pfizer wurde im März 2026 vor der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages ausdrücklich bestätigt.

Auf die Frage:

„Sie haben als Chef-Toxikologe für Pfizer Europa gearbeitet. Ist das korrekt?“

antwortete Sterz:

„Ja, das ist korrekt.“

Anschließend erklärte er, er sei dort für die Tierversuche verantwortlich gewesen, die der Arzneimittelsicherheit dienten. Deutscher Bundestag

Sterz sagte in derselben Anhörung zudem, das karzinogene Risiko von Comirnaty sei vor der Zulassung nicht untersucht worden. Als Grund nannte er Zeitmangel und erklärte, er halte es für bedenklich, dass keine alternativen Untersuchungen durchgeführt worden seien.

Damit stammt ein Teil der jetzigen Kritik an der toxikologischen Bewertung der mRNA-Technologie von einem Wissenschaftler, der selbst in leitender Position für die Arzneimittelsicherheit bei Pfizer tätig war.

Autoren: Der schnelle Rollout ließ toxikologische Fragen offen

Die zentrale These der Übersicht lautet, dass die außerordentlich schnelle Einführung der modifizierten mRNA-Technologie während der Pandemie möglicherweise nicht genügend Zeit ließ, bestimmte toxikologische Risiken vollständig zu untersuchen.

Die Autoren schreiben, fünf Jahre nach dem Rollout habe sich eine wachsende Zahl von Daten angesammelt, die insbesondere bei Biodistribution, unerwünschten Wirkungen außerhalb des eigentlichen Zielgewebes und anhaltenden Nebenwirkungen genauer untersucht werden müsse.

Sie verweisen außerdem auf unabhängige Analysen der Phase-III-Daten und Pharmakovigilanzberichte, die nach ihrer Auffassung weitere Fragen zum Nutzen-Risiko-Verhältnis und zu möglichen langfristigen biologischen Auswirkungen aufwerfen.

Was wusste man 2020 – und was wusste man nicht?

Die Review stellt ausdrücklich gegenüber, was zum Zeitpunkt der Notfallzulassungen 2020/2021 bekannt und was noch unzureichend charakterisiert gewesen sei.

Bekannt waren demnach unter anderem kurzfristige Sicherheitsdaten aus klinischen Studien und die Fähigkeit der Impfstoffe, eine Immunantwort hervorzurufen.

Als damals weiterhin unzureichend geklärt nennen die Autoren dagegen unter anderem die langfristige Sicherheit der Plattform, die Auswirkungen wiederholter Booster, die vollständige Verteilung der Lipid-Nanopartikel im Körper und verschiedene biologische Folgen der verwendeten modifizierten RNA.Library

Ein Punkt ihrer Kritik betrifft den zeitlichen Ablauf der Entwicklung von BNT162b2. Tierexperimente begannen demnach im März 2020, während Humanstudien bereits Ende April 2020 anliefen. Weitere präklinische Untersuchungen mit späteren Varianten des Impfstoffkonstrukts folgten erst danach.

Studienprodukt und Massenprodukt waren nicht vollständig identisch

Einen Schwerpunkt legt die Arbeit auf Veränderungen zwischen der Herstellung für die entscheidenden klinischen Studien und der späteren Massenproduktion.

Die Autoren unterscheiden zwischen Process 1 (P1) und Process 2 (P2).

P1 wurde bei einem Großteil der entscheidenden klinischen Studien verwendet. Für die großtechnische Produktion wurde anschließend P2 eingeführt.

Dabei änderten sich nach Darstellung der Review unter anderem die Plasmidvorlagen, Produktionsgröße, Reinigungsschritte, Lipidkomponenten und weitere Herstellungsparameter. Die Autoren argumentieren, dass solche Änderungen RNA-Integrität, Verunreinigungsprofile sowie physikalische Eigenschaften der Lipid-Nanopartikel beeinflussen können.

Ihr Fazit dazu ist der bekannte pharmazeutische Grundsatz:

„The process is the product“ – der Herstellungsprozess ist Teil des Produkts.

Die Autoren kritisieren, dass umfassende Vergleichsdaten zur toxikologischen Gleichwertigkeit nicht vor Beginn der breiten Anwendung vorgelegen hätten.

Myokarditis: Das Risikobild änderte sich nach dem Rollout

Ausführlich beschäftigt sich die Review mit Myokarditis und Perikarditis.

Die Autoren erinnern daran, dass diese Ereignisse zunächst als sehr selten eingestuft wurden. Später habe sich jedoch insbesondere bei jüngeren Männern ein differenzierteres Risikobild ergeben.

Sie führen unter anderem eine große nordische Kohortenstudie an, nach der bei 16- bis 24-Jährigen das Risiko von Myokarditis beziehungsweise Perikarditis nach Pfizer-Impfung höher gewesen sei als nach einer COVID-Infektion.

Eine thailändische Untersuchung bei 13- bis 18-Jährigen berichtete nach der zweiten Pfizer-Dosis bei 3,5 Prozent der untersuchten Jungen über subklinische Myoperikarditis; laut Studie erholten sich die Betroffenen innerhalb von zwei Wochen.

Die Review verweist außerdem darauf, dass bei einem Teil klinisch diagnostizierter Myokarditispatienten auch nach Normalisierung von Laborwerten längerfristige Symptome dokumentiert wurden.

DNA-Rückstände und SV40-Sequenzen

Einer der kontroversesten Abschnitte betrifft Rest-DNA aus dem Herstellungsprozess.

Die industrielle mRNA-Produktion verwendet bakterielle Plasmide als DNA-Vorlagen. Die Autoren zitieren mehrere Untersuchungen, in denen Rest-DNA in Impfstoffchargen gefunden worden sei.

Einige dieser Untersuchungen hätten in bestimmten Pfizer-Chargen auch SV40-Promotor-/Enhancer-Sequenzen nachgewiesen und Werte oberhalb regulatorischer Grenzwerte berichtet.

Die Autoren diskutieren daraus resultierende theoretische Risiken einer Aufnahme solcher DNA in Zellen und einer möglichen genomischen Integration.

Sie machen jedoch selbst deutlich, dass diese Frage nicht abschließend geklärt ist. Ein von ihnen angeführter Einzelfall, der eine mögliche Integration impfstoffbezogener Sequenzen nahelegen soll, müsse ausdrücklich unabhängig bestätigt werden. Auch das Ausmaß und die Bedeutung der SV40-bezogenen Befunde bezeichnet die Review als wissenschaftlich umstritten.

Die Arbeit beweist somit nicht, dass COVID-mRNA-Impfstoffe generell DNA in das menschliche Genom integrieren. Sie fordert vielmehr eine weitergehende toxikologische Untersuchung dieser Möglichkeit.

Elf Fragen bleiben nach Auffassung der Autoren ungelöst

Am Ende ihrer Auswertung nennen die Autoren elf Bereiche, die sie weiterhin für unzureichend geklärt halten.

Dazu gehören Veränderungen des Zellstoffwechsels und der Immunfunktion, eine mögliche Aufnahme der Partikel durch nicht vorgesehene Zellen, Menge und Dauer der Spike-Produktion, entzündliche Wirkungen der Lipid-Nanopartikel sowie Fragen zu Ausscheidung und Verteilung von modRNA und Spike-Protein.

Zusätzlich nennen sie mögliche Zusammenhänge mit Krebs, Berichte über eine mögliche genomische Integration, reproduktive Risiken, mögliche spezifische Herztoxizität und ungeklärte Langzeitfolgen einer durch wiederholte Booster beobachteten Verschiebung in Richtung IgG4-Antikörper.

Dabei handelt es sich ausdrücklich um offene Fragen und potenzielle Risiken, nicht um den Nachweis, dass sämtliche genannten Erkrankungen durch die Impfstoffe verursacht werden.

Herz, Nervensystem, Gerinnung und Fortpflanzung

In ihrem Fazit schreiben die Autoren, nach der Zulassung seien zunehmend Sicherheitsmeldungen aus verschiedenen Organsystemen untersucht worden.

Genannt werden insbesondere kardiovaskuläre, neurologische, thrombotische und reproduktive Ereignisse.

Nach ihrer Interpretation seien einige Nebenwirkungen, die zunächst als „sehr selten“ bezeichnet worden waren, in späteren Untersuchungen mit höheren Häufigkeiten beobachtet worden als zunächst erwartet.

Gleichzeitig weist die Review auf ein grundsätzliches Problem der vorhandenen Daten hin: Viele Erkenntnisse stammen aus retrospektiven Studien, passiven Meldesystemen und kurzfristigen Beobachtungen.

Solche Daten können Signale erkennen lassen, erlauben aber nicht automatisch einen eindeutigen Kausalitätsnachweis.

Pharmakovigilanz könnte einen Teil der Ereignisse übersehen haben

Auch die Überwachung nach der Zulassung wird kritisch bewertet.

Die Autoren verweisen auf bekannte Schwächen passiver Meldesysteme: Untererfassung, unvollständige Daten und unterschiedliche Qualität der Meldungen. Deshalb könne die tatsächliche Häufigkeit bestimmter unerwünschter Ereignisse schwerer zu bestimmen sein als häufig angenommen. Die Autoren fordern robustere aktive Überwachungssysteme und langfristige Nachbeobachtung.

Autoren kritisieren frühen Umgang mit wissenschaftlicher Unsicherheit

Die Review behandelt neben der Toxikologie auch den wissenschaftlichen Umgang mit Unsicherheit während der Pandemie.

Die Autoren argumentieren, dass Entscheidungen unter hohem Zeitdruck frühe Einschätzungen verfestigt haben könnten, bevor ausreichend Daten vorhanden waren.

Besonders kritisch äußern sie sich darüber, abweichende wissenschaftliche Einschätzungen vorschnell als „Fehlinformation“ abzutun. Dies könne Debatte, Replikation und Fehlerkorrektur behindern – Prozesse, die nach ihrer Auffassung gerade in Toxikologie und öffentlicher Gesundheit unverzichtbar seien.

Sechs Jahre Forschung – aber noch immer keine endgültige Antwort

Die Bedeutung der neuen Arbeit liegt vor allem in ihrem Umfang.

Sie versucht, die Entwicklung des Wissens über die modifizierte mRNA-Plattform von den ersten Entwicklungsarbeiten 2020 über den weltweiten Rollout 2021 bis zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen aus 2026 zusammenzuführen.

Damit umfasst sie rund sechs Jahre Forschung und Erfahrung mit einer Technologie, die innerhalb außergewöhnlich kurzer Zeit von begrenzten klinischen Versuchen zu Milliarden verabreichten Dosen gelangte.

Die Autoren kommen nicht zu dem Schluss, dass jede diskutierte Gefahr bereits bewiesen ist. Sie unterscheiden zwischen dokumentierten Nebenwirkungen, Sicherheitssignalen, mechanistischen Hypothesen und bislang ungeklärten Risiken.

Ihre zentrale Forderung lautet deshalb: Langfristige prospektive Forschung, bessere Sicherheitsüberwachung, unabhängige Reproduzierbarkeit toxikologischer Untersuchungen und wesentlich größere Transparenz bei künftigen Anwendungen der mRNA-Technologie.

Gerade die Beteiligung des früheren Pfizer-Chef-Toxikologen Helmut Sterz verleiht dieser Forderung zusätzliches Gewicht. Sterz hatte bereits vor dem Deutschen Bundestag bestätigt, dass er bei Pfizer für Tierversuche zur Arzneimittelsicherheit verantwortlich war – und zugleich kritisiert, dass zentrale Sicherheitsfragen bei Comirnaty unter dem Zeitdruck der Pandemie nicht in dem Umfang untersucht worden seien, den er für notwendig hält.

Die neue Literaturübersicht stellt damit nicht das Ende der wissenschaftlichen Debatte dar. Sie dokumentiert vielmehr, dass selbst sechs Jahre nach Beginn der Entwicklung und fünf Jahre nach dem weltweiten Rollout grundlegende toxikologische Fragen nach Auffassung der Autoren weiterhin offen sind.: