Der jüngste SRF-Beitrag zur Eskalation zwischen den USA und dem Iran zeigt exemplarisch, wie ein unter Zwang finanziertes Medium geopolitische Deutung betreibt: Nicht offen als Kommentar, sondern verpackt als sachliche Analyse.
Besonders auffällig ist die Behauptung, sowohl die iranische als auch die amerikanische Führung hätten unter Druck gestanden, den Krieg zu beenden. Diese Formulierung klingt ausgewogen. Sie suggeriert Distanz. Doch genau darin liegt das Problem: Sie stellt eine Gleichverteilung des Drucks her, ohne sie mit harten Fakten zu belegen.
Bei den USA ist der Druck konkret benennbar: beschädigte Militärbasen, hohe Kosten, innenpolitische Kritik, ein zunehmend unpopulärer Krieg und ein Präsident, der den Konflikt kaum noch als klaren Erfolg verkaufen konnte. Selbst westliche Medien berichten inzwischen über erhebliche Schäden an US-Stützpunkten in der Region. Dazu kommt: Washington musste erklären, warum ein Krieg, der angeblich der Sicherheit dienen sollte, die eigene militärische Infrastruktur im Nahen Osten verwundbarer machte.
Beim Iran, der ja von den USA und Israel völkerrechtswidrig überfallen wurde, arbeitet SRF hingegen mit deutlich weicheren Formulierungen. So sitze das „Regime“ „wohl“ weniger fest im Sattel, das Land stehe wirtschaftlich unter Druck und die innenpolitische Lage sei schwierig. Das mag alles diskutierbar sein. Es ist jedoch kein Beleg dafür, dass Teheran um einen Waffenstillstand gebeten hätte oder militärisch in die Knie gezwungen wurde.
Genau hier beginnt das Framing.
Aus einer belegbaren Lage – die USA geraten durch iranische Gegenangriffe, innenpolitische Kosten und militärische Schäden unter Druck – wird eine scheinbar neutrale Erzählung: Beide Seiten wollten raus. Beide Seiten waren erschöpft. Beide Seiten mussten nachgeben. Damit wird der entscheidende Punkt verwischt: Die USA und Israel haben den Iran offenbar unterschätzt.
Auch die wechselnden Begründungen für den Angriff sprechen Bände. Zuerst ging es um das iranische Atomprogramm. Dann um die Sicherheit der Straße von Hormus. Dann um die Freiheit der Schifffahrt. Dann schimmerte wieder der alte Traum vom Regimewechsel durch. Wenn sich der Vorwand eines Krieges ständig verschiebt, ist das kein Zeichen strategischer Klarheit, sondern ein Hinweis darauf, dass die ursprüngliche Rechtfertigung nicht trägt.
Ein öffentlich-rechtliches Medium hätte genau hier nachhaken müssen: Wer hat den Krieg begonnen? Wer hat welches Ziel verfolgt? Welche Begründung wurde wann genannt? Welche davon ist belegbar? Und warum werden iranische Reaktionen häufig als Eskalation beschrieben, während westliche Angriffe als Reaktion, Verteidigung oder Sicherheitsmaßnahme erscheinen?
Stattdessen entsteht ein Text, der den westlichen Deutungsrahmen stabilisiert. Die USA und Israel erscheinen als Akteure, die Fehler machen können, aber grundsätzlich ordnende Kräfte bleiben. Der Iran erscheint als Problem, selbst dann, wenn er auf Angriffe reagiert. Das ist keine neutrale Analyse. Das ist die Sprache eines geopolitischen Lagers.
Gerade von einem Medium, das über eine obligatorische Abgabe finanziert wird, müsste man mehr erwarten. Wer Bürger zur Finanzierung verpflichtet, hat eine besondere Pflicht zur Distanz gegenüber Machtblöcken, Regierungen und Militärallianzen. SRF darf nicht zum sprachlichen Vorfeld der US-NATO-Erzählung werden.
Die Aufgabe eines öffentlich finanzierten Mediums wäre nicht, westliche Kriegsnarrative zu glätten. Die Aufgabe wäre, sie zu prüfen.
Und genau das bleibt in diesem Fall aus.


