Unabhängige Analysen und Informationen zu Geopolitik, Wirtschaft, Gesundheit, Technologie

Straße von Hormus militarisiert: USA kündigen gefährliche Operationen an

Straße von Hormus militarisiert: USA kündigen gefährliche Operationen an

Straße von Hormus vor neuer Eskalation: USA drohen Schiffen mit militärischer Gewalt

Die Lage in der Straße von Hormus spitzt sich weiter dramatisch zu. In einer außergewöhnlich scharf formulierten Sicherheitswarnung haben die Vereinigten Staaten angekündigt, militärische Operationen nördlich der Musandam-Halbinsel im Oman durchzuführen und Schiffe, die als Bedrohung eingestuft werden, notfalls mit Gewalt zu stoppen. (UKMTO)

Die Warnung wurde über das Joint Maritime Information Center (JMIC) veröffentlicht und stuft die Sicherheitslage in der strategisch wichtigsten Ölroute der Welt als „CRITICAL“ ein. Reedereien und Kapitäne werden darin aufgefordert, ihre Durchfahrten künftig mit dem US-Programm NCAGS (Naval Cooperation and Guidance for Shipping) zu koordinieren, ständigen Funkkontakt zu halten und Anweisungen amerikanischer Streitkräfte unverzüglich zu befolgen.

Zur Orientierung:

Die angekündigten US-Militäroperationen betreffen den Bereich nördlich der Musandam-Halbinsel Omans, direkt am Eingang der Straße von Hormus. Dort verläuft die wichtigste Tankerroute zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Auf der Nordseite liegt der Iran, auf der Südseite die omanische Exklave Musandam. Die Fahrtroute der Öltanker verläuft genau durch diesen schmalen Korridor. Map

Besonders brisant ist die Formulierung, wonach jedes Schiff, das beim Verlegen von Seeminen beobachtet wird oder solche Aktivitäten unterstützt, von US-Streitkräften „in Selbstverteidigung“ angegriffen werden könne. Gleichzeitig heißt es, dass Schiffe, die Anweisungen der US-Marine nicht befolgen, als „unmittelbare Bedrohung“ eingestuft werden könnte.

Washington wirft dem Iran vor, eine „illegale Kontrolle“ über die Straße von Hormus anzustreben und durch Minen sowie Angriffe auf die Schifffahrt die internationale Navigation zu gefährden. Die US-Marine erklärt, sie wolle die Freiheit der Schifffahrt sicherstellen und bereite sich auf mögliche Angriffe vor.

Die Entwicklung markiert eine weitere Verschärfung des Machtkampfes um die Kontrolle einer Wasserstraße, durch die normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels transportiert wird. Bereits seit Monaten melden maritime Sicherheitszentren Drohnenangriffe, Minengefahr, GPS-Störungen und militärische Zwischenfälle in der Region. Mehrere Handelsschiffe wurden beschädigt oder mussten ihre Fahrten abbrechen.

Bemerkenswert ist dabei der zeitliche Zusammenhang mit den widersprüchlichen Signalen aus Washington. Während US-Präsident Donald Trump am Freitag erklärte, die amerikanische Seeblockade gegen iranische Häfen werde aufgehoben, veröffentlichten maritime Sicherheitsbehörden nahezu zeitgleich neue Warnungen vor militärischen Operationen und möglichen Zwangsmaßnahmen gegen Schiffe in der Region. Beobachter sprechen von einer zunehmend unübersichtlichen Lage, in der politische Ankündigungen und militärische Maßnahmen offenbar nicht immer deckungsgleich verlaufen. (The War Zone)

Für die internationale Schifffahrt bedeutet dies vor allem eines: Die Gefahr militärischer Zwischenfälle bleibt hoch. Die USA machen inzwischen unmissverständlich klar, dass sie bereit sind, ihre Kontrolle über die Durchfahrt militärisch durchzusetzen. Gleichzeitig betrachtet der Iran die zunehmende Präsenz amerikanischer Kriegsschiffe als Provokation und hat wiederholt erklärt, auf Bedrohungen in der Region reagieren zu wollen.

Damit wächst die Sorge, dass die Straße von Hormus nicht nur ein wirtschaftlicher Engpass bleibt, sondern sich zunehmend zu einem direkten militärischen Konfrontationsraum zwischen Washington und Teheran entwickelt.