Das Drama um die Straße von Hormus eskalierte am Mittwoch, als Donald Trump das MoU mit Iran für tot erklärte und weitere Angriffe auf Iran ankündigte. Trump beharrt weiterhin darauf, daß Iran kein Recht habe, sich in die Durchfahrt irgendeines Schiffes durch die Straße von Hormus einzumischen, doch Tatsache ist, daß Iran im Rahmen der in Absatz fünf des MoU festgelegten Bestimmungen handelt (die ich in meinem vorherigen Beitrag erörtert habe).
Der US-Angriff auf iranische Stellungen entlang der Küste des Persischen Golfs am Dienstag war eine Inszenierung – das heißt, die USA stimmten sich mit Katar und Saudi-Arabien ab, damit deren Schiffe das iranische Protokoll zur Anmeldung der Fahrt bei den Revolutionsgarden mißachteten, was den iranischen Angriff auf diese Schiffe auslöste. Unter der fälschlichen Behauptung, dies stelle einen Verstoß gegen das MoU dar, griff Donald Trump Iran ab Dienstagnacht/frühem Mittwochmorgen iranischer Zeit mit Bomben an.
Anders als bei den vorangegangenen Vorfällen am 25. und 26. Juni, bei denen Iran nicht-konforme Schiffe traf und die USA jeweils im Anschluß einen einmaligen Luftschlag gegen iranische Stellungen an der Küste der Straße von Hormus durchführten, startete Trump am 8. Juli (Mittwoch) eine neue Angriffsserie gegen Iran, obwohl Iran kein weiteres Schiff angegriffen hatte. Warum tat Trump dies? War es eine Vergeltung für ein oder mehrere Anti-Schiffs-Raketen, die auf die 200 Meilen vor der iranischen Küste operierende US-Trägerkampfgruppe abgefeuert wurden? Das ist meine Hypothese… Eine oder mehrere Raketen trafen ein oder mehrere US-Schiffe und verursachten Schäden, die bislang nicht öffentlich gemeldet wurden.
Trumps Angriffe am Mittwoch verdoppelten den Umfang derjenigen, die er am Dienstag angeordnet hatte. Iran startete daraufhin als Reaktion ballistische Raketen und Drohnen gegen US-Stützpunkte in Kuwait, Bahrain, den VAE sowie gegen die Muwaffaq-al-Salti-Luftwaffenbasis in Jordanien. Mir liegen keine Berichte über tatsächliche Kampfschäden vor. Der Trump-Angriff löste jedoch eine unheilvolle Warnung des Sprechers des Nationalen Sicherheitsausschusses des iranischen Parlaments aus, der erklärte, ein erneuter US-Angriff werde mit einer Änderung der Nukleardoktrin beantwortet werden. Er erklärte außerdem:
➡ In jeder künftigen Konfrontation werde der Feind einer umfassenden, totalen Überraschungsoffensive der Islamischen Republik Iran gegenüberstehen.
➡ Iran verfüge über zahlreiche Optionen, die nicht einmal während des 40-tägigen Krieges zum Einsatz gekommen seien.
➡ Optionen wie der Austritt aus dem Nichtverbreitungsvertrag (NVV), die Änderung der Nukleardoktrin sowie die Schließung der Straße von Bab al-Mandab neben der Straße von Hormus stünden zur Prüfung an.
➡ Ein Gesetzentwurf zum NVV-Austritt liege dem Parlament ebenfalls zur Prüfung vor – und sollte Iran mit einer existentiellen Bedrohung konfrontiert werden, könne auch eine Änderung der Nukleardoktrin auf die Tagesordnung gesetzt werden.
Der Druck in Iran, sich aus dem MoU zurückzuziehen, wächst. Die USA haben nahezu jeden Abschnitt des MoU verletzt, während Iran es gewissenhaft eingehalten hat – einschließlich der Zurückhaltung der Hisbollah von einer Offensive gegen die Israelis. Trumps Finanzminister kündigte am 7. Juli an, die USA würden die Ölsanktionen gegen Iran wieder in Kraft setzen, was einen weiteren eindeutigen Verstoß gegen das MoU darstellt.
Laut vesselfinder.com ist die Aktivität in der Straße von Hormus zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Artikels gering, doch die Schiffe, die die Straße durchqueren, halten sich an Irans PGSA-Protokolle. Sollte Trump sich dafür entscheiden, die Angriffe auf Iran auch am Donnerstag fortzusetzen, so gehe ich davon aus, daß Iran Umfang und Schwere seiner Vergeltungsschläge ausweiten wird. Ohne umgehende Zugeständnisse seitens der USA gehe ich davon aus, daß Iran Trump zustimmen wird – nämlich: „Das MoU ist tot.“

