In einem brisanten Interview analysiert der ehemalige US-Oberst und frühere Pentagon-Berater Douglas Macgregor die dramatische Zuspitzung im Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran. Auslöser des Gesprächs sind Berichte über eine mögliche Verlegung der neuen US-Hyperschallwaffe „Dark Eagle“ in den Nahen Osten. Macgregor zeichnet dabei ein düsteres Bild: Die USA befänden sich strategisch in einer Sackgasse, Präsident Donald Trump handle zunehmend verzweifelt, und der Iran sei inzwischen in der Lage, die Eskalation selbst zu diktieren.
Hyperschallwaffen als letzter Rettungsversuch?
Im Zentrum der Diskussion steht die sogenannte „Dark Eagle“-Rakete – die erste offiziell stationierte Hyperschallwaffe der US-Armee. Laut Berichten habe das US-Zentralkommando CENTCOM angefragt, das System für einen möglichen Einsatz gegen den Iran in den Nahen Osten zu verlegen. Die Waffe soll mit Geschwindigkeiten über Mach 5 operieren und speziell dafür entwickelt worden sein, tief verbunkerte Ziele wie unterirdische Kommandozentralen oder Nuklearanlagen zu zerstören.
Macgregor reagiert jedoch skeptisch. Niemand könne mit Sicherheit sagen, wie effektiv diese Waffen unter realen Kampfbedingungen tatsächlich seien. Viele hochgelobte Systeme hätten bereits im Ukrainekrieg ihre Grenzen gezeigt – sowohl auf westlicher als auch auf russischer Seite. Erst im echten Einsatz zeige sich, ob eine Waffe wirklich halte, was Militärplaner versprechen.
Dann zieht Macgregor einen historischen Vergleich, der wie ein politischer Donnerschlag wirkt. Trump verhalte sich ähnlich wie Adolf Hitler im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs: ein Führer, der verzweifelt nach einer Wunderwaffe greift, um eine sich verschlechternde Lage noch irgendwie zu retten. Hitler habe damals auf sogenannte „Silver Bullet“-Waffen gesetzt – revolutionäre Systeme, die theoretisch enorme Wirkung hätten entfalten können, aber viel zu spät kamen, um den Kriegsverlauf noch zu verändern. Genau das sehe man nun erneut.
Macgregor stellt die entscheidenden Fragen: Wie viele dieser Hyperschallraketen existieren überhaupt? Wie schnell können sie produziert werden? Wie lange kann ein intensiver Einsatz aufrechterhalten werden? Seine Schlussfolgerung ist eindeutig: Selbst diese Waffen würden die iranische Führung nicht zur Kapitulation zwingen.
„Warum sollten die Iraner den USA noch glauben?“
Besonders scharf fällt Macgregors Kritik an der Glaubwürdigkeit Washingtons aus. Er fragt offen, warum irgendeine vernünftige Regierung überhaupt noch mit den USA verhandeln sollte. Die Vereinigten Staaten hätten in den vergangenen Jahren systematisch internationale Verträge zerstört und ihre eigenen Zusagen gebrochen.
Als Beispiel nennt er den INF-Vertrag über nukleare Mittelstreckenraketen – eines der wichtigsten Rüstungskontrollabkommen des Kalten Krieges. Dieses Abkommen habe Europa einst vor einer massiven nuklearen Eskalation bewahrt, weil beide Seiten beschlossen hätten, eine ganze Kategorie gefährlicher Waffen vollständig abzuschaffen. Doch Washington habe den Vertrag „leichtfertig weggeworfen“.
Laut Macgregor seien inzwischen nahezu alle früheren Kontroll- und Überwachungsmechanismen zerstört worden. Niemand wisse mehr genau, welche Waffen die Gegenseite tatsächlich besitze. Genau deshalb, so seine Argumentation, hätten die Iraner keinerlei Motivation, amerikanischen Versprechen zu vertrauen. Für Teheran sei das beste Szenario inzwischen schlicht, dass die USA aufgeben und die Region verlassen.
Iran droht mit totaler Eskalation
Im weiteren Verlauf des Interviews werden Berichte diskutiert, wonach das US-Militär konkrete Angriffsoptionen gegen den Iran prüft. Dazu sollen laut Medienberichten gezielte Schläge gegen iranische Infrastruktur, Bodeneinsätze zur Kontrolle der Straße von Hormuz sowie sogar Spezialoperationen zur Beschlagnahmung iranischen Urans gehören.
Parallel dazu hätten iranische Offizielle unmissverständlich klargemacht, dass ein erneuter Krieg ohne jede Zurückhaltung geführt werde. Genannt werden mögliche Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Golfstaaten, die Sperrung der Straße von Bab al-Mandab sowie Sabotageakte gegen Unterseekabel und Kommunikationssysteme in der Region.
Macgregor formuliert die zentrale strategische Frage so: Wer besitzt die Eskalationsdominanz? Seine Antwort: Nicht Washington, sondern Teheran. Der Iran befinde sich inzwischen in der Lage, das Tempo und die Intensität der Eskalation selbst zu bestimmen.
Putins Warnung an Trump
Besonders bemerkenswert ist Macgregors Einschätzung zu einem Telefonat zwischen Wladimir Putin und Trump. Zwar kenne er den Inhalt des Gesprächs nicht, doch er vermute, dass Putin Trump deutlich gemacht habe, dass der Iran einen neuen Angriff als existenzielle Bedrohung betrachten würde. In einem solchen Fall würde Teheran „mit allem antworten, was es hat“.
Der Iran habe keinerlei Anreiz mehr, moderat zu reagieren oder amerikanischen Zusicherungen zu vertrauen. Deshalb habe Putin vermutlich geraten, nicht in den Krieg zurückzukehren und stattdessen einen anderen Ausweg zu suchen. Russland und China könnten dabei als Garantiemächte für mögliche Vereinbarungen auftreten.
„Die Iraner haben jetzt die strategische Initiative“
Macgregor argumentiert, dass die USA strukturell im Nachteil seien. Die amerikanischen Streitkräfte operierten Tausende Kilometer von ihrer Heimat entfernt. Jede Versorgungslinie sei lang, teuer und anfällig. Gleichzeitig würden Material und Personal zunehmend erschöpft.
Er verweist auf die Belastung der US-Marineverbände im Persischen Golf. Selbst Flugzeugträgergruppen stünden unter enormem Verschleiß. Soldaten und Seeleute seien physisch und psychisch ausgelaugt, während gleichzeitig immer mehr Systeme wartungsintensiv würden.
Die Diskussion über den Einsatz experimenteller Hyperschallwaffen interpretiert Macgregor deshalb als Zeichen wachsender Verzweiflung im Weißen Haus. Trump suche fieberhaft nach irgendeinem Mittel, um den Iran doch noch zur Unterwerfung zu zwingen. Doch genau das werde nicht funktionieren.
„Das ist Israels Krieg“
Besonders explosiv werden Macgregors Aussagen, als er die Rolle Israels anspricht. Der Krieg gegen den Iran werde in Wahrheit geführt, um israelische Interessen durchzusetzen. Israel habe seit Jahren die Zerstörung des Iran angestrebt – genau darum gehe es in diesem Konflikt letztlich.
Macgregor glaubt allerdings, dass Israel sich möglicherweise übernommen habe. Die militärische und geopolitische Lage entwickle sich anders als erwartet. Gleichzeitig deutet er an, dass Trump zunehmend frustriert über die Informationen sei, die ihm im Vorfeld des Krieges geliefert wurden.
Im Gespräch wird außerdem auf Aussagen Trumps verwiesen, wonach er Benjamin Netanjahu angewiesen habe, Angriffe im Libanon „chirurgischer“ durchzuführen und weniger Zerstörung anzurichten, da dies Israel international schade. Doch Macgregor bleibt skeptisch. Rhetorik allein bedeute nichts – entscheidend seien konkrete politische Veränderungen.
„Netanjahu kontrolliert die US-Streitkräfte“
Am Ende des Interviews wird der Ton noch düsterer. Auf die Hoffnung, Trump könnte sich langfristig von Israels Einfluss lösen, reagiert Macgregor nahezu resigniert. Wenn man in Israel hinter Netanjahu stehe, dann sei jetzt der perfekte Moment, sagt er. Denn Netanjahu habe faktisch die Kontrolle über die amerikanischen Streitkräfte übernommen.
Als Beleg verweist Macgregor auf frühere Situationen, in denen amerikanische Politiker sofort Rücksprache mit Netanjahu gehalten hätten. Solange sich daran nichts grundlegend ändere, erwarte er keinerlei positive Wendung in der Beziehung zwischen Washington und Tel Aviv.
Forderung nach Rückzug aus dem Persischen Golf
Macgregors eigene Lösung klingt radikal: Die USA sollten sämtliche militärischen Operationen gegen den Iran einstellen, ihre Truppen aus der Region abziehen und den Persischen Golf wieder vollständig öffnen. Gleichzeitig solle Washington internationale Vermittlung akzeptieren, um einen anderen Weg im Umgang mit Teheran zu finden.
Andernfalls drohe ein Krieg, der sich unkontrolliert ausweiten könnte – mit massiven Folgen für Energieversorgung, Welthandel und die globale Sicherheitsordnung. Für Macgregor steht fest: Der Westen unterschätzt den Iran, überschätzt seine eigenen Möglichkeiten und bewegt sich gefährlich nah an einer strategischen Katastrophe.


