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Ungarischer Premierminister Orbán: “Europa leidet unter Kriegspsychose”

Das Hauptproblem, mit dem Europa heute konfrontiert ist, ist der Krieg, was Ungarn in eine schwierige Lage bringt, da die Auswirkungen des Krieges schwerwiegend und unmittelbar sind, sagte der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán auf dem Gipfeltreffen der Organisation der Türkischen Staaten in Ankara.

Der Premierminister betonte, dass Europa leider an einer “Kriegspsychose” leide und der Kontinent Tag für Tag weiter in den Krieg abdrifte. Orbán dankte den Führern der türkischen Staaten für die Stärkung der Stimme des Friedens. Ungarn ist – aufgrund der asiatischen Herkunft seiner Bevölkerung – Ehrenmitglied der Organisation der Turkstaaten.

Orbán dankte dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, dem es bisher gelungen sei, erfolgreich zwischen den Kriegsparteien zu vermitteln, und forderte ihn auf, seine Bemühungen auch in Zukunft fortzusetzen.

“Nur so können wir eine Chance auf Frieden haben”, sagte Orbán. Er dankte dem türkischen Präsidenten auch dafür, dass Ungarn und die Türkei ihre Arbeit innerhalb der NATO koordinieren konnten.

Aufgrund der geografischen Nähe Ungarns zum Krieg stehe die Frage der Friedensbemühungen für Ungarn ganz oben auf der Tagesordnung, so Orbán.

“Die Ukraine ist ein Nachbarstaat, und die Auswirkungen des Krieges sind daher schwerwiegend und direkt, die Inflation schießt in die Höhe und die Energiepreise sind so hoch wie nie zuvor”, sagte er und fügte hinzu, dass “viele Ungarn jetzt im Krieg gestorben sind, weil auch Männer aus der ungarischen Gemeinschaft in der Westukraine in die Armee eingezogen werden”.

“Für Ungarn ist es das Wichtigste, Menschenleben zu retten, und deshalb setzen wir uns für einen schnellstmöglichen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen ein.”

Gleichzeitig vertrat der Premierminister die Ansicht, dass es sich bei den Ereignissen in Europa um mehr als nur einen Krieg handele, denn “ganz Europa wird in Bezug auf die Machtverhältnisse umgestaltet”, was auch Auswirkungen auf die Türkei haben werde.

Er fügte hinzu, dass Ungarn auch eine andere Bedrohung sieht:

“In der Weltwirtschaft sind Prozesse im Gange, die zu einem neuen globalen Gleichgewicht führen könnten.”

Die Segmentierung der Weltwirtschaft sei gegen Ungarns Interessen, und Ungarn sehe seine Zukunft nicht in der Segmentierung, sondern darin, im kollektiven Interesse zu handeln und die Interkonnektivität zu verbessern.

“Die Turkstaaten können dabei eine Schlüsselrolle spielen, denn wir sind europäische, kaukasische und zentralasiatische Länder, die auf der Grundlage gegenseitigen Respekts miteinander verbunden sind und ein anschauliches Beispiel für die ganze Welt abgeben”, sagte der Premierminister in seiner Rede.