Von John & Nisha Whitehead
„Wenn Trump Menschen verschwinden lassen kann, kann er auch Sie verschwinden lassen. Das Trump-Regime nimmt bereits legale Einwanderer ins Visier, nur weil sie Meinungen geäußert haben, die Trump nicht gefallen. Warum glauben Sie, dass er damit aufhören wird? Da es kein Gericht gibt, das die Behauptungen des Trump-Regimes prüft, könnten Sie verhaftet und in ein Gefängnis in El Salvador verfrachtet werden – nur weil Sie etwas sagen, das dem Regime missfällt.“
– Robert Reich
Der Albtraum wird real
Stellen Sie sich vor: Mitten in der Nacht werden Sie von Regierungsbeamten abgeholt, verhaftet, in ein Haftzentrum gebracht. Niemand sagt Ihnen, warum. Ihre Familie weiß nichts, niemand weiß, wohin Sie gebracht werden – und Sie haben keine Chance, sich zu verteidigen. Schließlich werden Sie in ein Gefängnis im Ausland verfrachtet – in einem Polizeistaat, ohne jegliche Rechte.
Das ist keine Dystopie. Es ist Realität.
Der Krieg gegen die Rechtsstaatlichkeit ist da.
Keine Gerichtsverhandlungen. Keine Anhörungen. Keine Rechte. Nur unbefristete Haft und geheime Abschiebungen.
Das betrifft nicht nur Einwanderer. Es betrifft uns alle – wenn wir zulassen, dass die Verfassung weiter ausgehöhlt wird.
Ein Rückfall in die dunkelsten Zeiten
Historiker Timothy Snyder warnt: „Wer akzeptiert, dass Nicht-Staatsbürger kein Recht auf ein ordentliches Verfahren haben, akzeptiert auch, dass Bürger kein Recht darauf haben.“ Die Regierung müsse nur behaupten, dass Sie kein Bürger seien – und ohne Verfahren können Sie nichts dagegen tun.
Seit über 20 Jahren – spätestens seit dem 11. September 2001 – hat die US-Regierung bewiesen, wie bereitwillig sie fundamentale Rechte aussetzt. CIA-„Black Sites“, Folterflüge, geheime Inhaftierungen: all das unter dem Vorwand nationaler Sicherheit.
Heute setzt die Trump-Regierung auf sogenannte „außerordentliche Überstellungen“, um Menschen verschwinden zu lassen, die auf einer vagen Feindesliste stehen.
El Salvador: Der neue Gulag der USA?
Die erste Verhaftungswelle betraf mutmaßliche Mitglieder der venezolanischen Bande Tren de Aragua. Doch die rechtlichen Standards? Fragwürdig. Die Beweise? Teilweise nichts weiter als Tattoos – Pistolen, Züge, Tiger, Würfel, Rosen. Das reichte.
Ein US-Richter kommentierte: „Nazis wurden unter dem ‚Alien Enemies Act‘ besser behandelt.“ Man hätte ihn an einem Samstag festnehmen und nach El Salvador fliegen können – nur basierend auf einer nicht belegten Behauptung.
Und noch absurder: In manchen Fällen argumentierte die Regierung, gerade weil jemand kein Vorstrafenregister habe, sei er verdächtig. Also wurde er präventiv verhaftet.
Meinungsäußerung = Terrorismus?
Besonders perfide: Auch Menschen, die nie eine Straftat begangen haben – Studenten, Wissenschaftler, Ärzte mit ständigem US-Aufenthalt – wurden zur Zielscheibe, weil sie gegen den Krieg in Gaza protestierten, mit Palästinensern sympathisierten oder bloß jemand kannten, der dies tat.
Wer heute Regierungskritik äußert, läuft Gefahr, als „inländischer Terrorist“ abgestempelt zu werden. Und genau das geschieht.
Willkür statt Rechtsstaat
Die Gerichte sind nicht mehr das Korrektiv. Rechtsstaatlichkeit wird durch Präsidentenmacht ersetzt.
Einwanderer waren nur der Anfang. Die nächsten könnten amerikanische Staatsbürger sein – insbesondere Minderheiten. Ein indigener US-Bürger wurde allein wegen seiner Hautfarbe festgenommen. Ein Kriegsveteran musste sich für seine Dienstpapiere rechtfertigen.
Selbst Foreign Policy warnt: Das Gefängnissystem in El Salvador, in das die US-Regierung Menschen schickt, könnte bald auch für US-Bürger Realität werden.
Bukele als Vorbild?
Trump orientiert sich offenbar am autoritären salvadorianischen Präsidenten Nayib Bukele:
Ausnahmezustand, Zensur, Massenverhaftungen, Gleichschaltung von Justiz und Parlament, persönliche Bereicherung, politische Säuberung. Die Parallelen sind unübersehbar.
Amnesty International warnt: Wenn „Sicherheit“ auf Kosten von Grundrechten geht, entsteht ein Klima der Angst und Selbstzensur. Pressefreiheit stirbt. Die Demokratie stirbt.
Verfassungsbruch als Regierungsstrategie
Trumps Regierung nutzt Erlasse, Notstandsverordnungen und Dekrete, um sich über Verfassungsgebote hinwegzusetzen.
Das Ziel: absolute Macht.
Die Konsequenz: Der Verlust unserer Rechte.
Im Zentrum steht das Recht auf Habeas Corpus – das älteste Menschenrecht der englischsprachigen Welt, erstmals festgehalten in der Magna Carta von 1215. Es garantiert, dass niemand willkürlich festgehalten werden darf – dass jede Inhaftierung rechtlich überprüfbar sein muss.
Wenn dieses Recht fällt, fallen alle anderen.
Der Weg zur Tyrannei
Schon Lincoln setzte Habeas Corpus aus. Die Folge: Massenverhaftungen im Bürgerkrieg.
Im Zweiten Weltkrieg: Die Internierung japanischstämmiger Amerikaner – auch sie ohne Gerichtsverfahren.
Jedes Mal waren es Angst und Machtmissbrauch, die Rechte beseitigten. Und jedes Mal dauerte es Jahrzehnte, bis der Schaden überhaupt anerkannt wurde.
Heute wird der permanente Ausnahmezustand benutzt, um Rechte abzuschaffen – nicht in einem autoritären Regime, sondern in den USA.
Keine Rechte – für niemanden?
Einige behaupten: Die Verfassung schütze nur Bürger. Doch das ist falsch. Der Supreme Court hat bestätigt, dass Grundrechte wie Redefreiheit, faire Verfahren, Protest und Datenschutz für alle Menschen gelten, die sich auf US-Boden befinden.
Aber was nützen Rechte, wenn der Präsident sie ignoriert?
Was nützt eine Regierung, die ihre Bürger nicht schützt – sondern bedroht?
Es geht nicht nur um Einwanderer. Es geht um uns alle.
Wenn wir heute nicht reagieren, verlieren wir morgen unser Land.
Wenn wir jetzt nicht widersprechen, verschwinden wir morgen im System.
Wir brauchen Widerstand – durch Aufklärung, durch Organisation, durch Solidarität.
Wir müssen unsere Rechte kennen, verteidigen, einfordern.
Denn wenn die Regierung beginnt, Menschen verschwinden zu lassen, dann ist Schweigen keine Option mehr.
Schlusswort: Die Verfassung lebt nur, wenn wir sie verteidigen
Wie ich in meinem Buch Battlefield America: The War on the American People und dem Roman The Erik Blair Diaries deutlich mache: Freiheit stirbt nicht plötzlich. Sie stirbt schleichend – mit jedem Kompromiss, den wir aus Angst eingehen.
Die Geschichte wird uns nach unserem Mut beurteilen.
Widerstand beginnt jetzt – oder nie.


