Von Didi Rankovic
Trotz öffentlicher Kritik und politischen Drucks, insbesondere unter der aktuellen US-Regierung, sind mehrere von der Regierung finanzierte „Anti-Desinformations“-Initiativen weiterhin aktiv – nur unter neuem Namen und mit leicht geänderter Aufgabenstellung. Die Grenze zwischen Gesundheitskommunikation und gezielter Narrativkontrolle verwischt dabei zunehmend.
Laut einem Bericht des Federalist nutzt unter anderem die National Science Foundation (NSF) – eine „unabhängige“ US-Behörde für Forschungsförderung – ihre Programme im Rahmen des sogenannten Convergence Accelerator, um weiterhin Projekte mit explizitem Fokus auf die Bekämpfung von „Fehlinformationen“ zu unterstützen.
Weitergeführt unter anderem Namen
Drei dieser Initiativen bleiben bis heute aktiv:
- Chime In (ursprünglich: Course Correct) wurde 2022 an der Universität von Wisconsin-Madison eingerichtet – mit 5 Millionen Dollar NSF-Geldern – und sollte zunächst journalistische Werkzeuge zur Erkennung von „Fehlinformationen“ bereitstellen. Der eigentliche Zweck: Skeptiker der Covid-Impfung zur Impfung zu bewegen. Später fokussierte sich das Projekt auch auf genetisch veränderte Lebensmittel (GMO), Sonnenschutzmittel, Rohmilch – jeweils mit dem Ziel, Zweifel an offiziellen Sicherheitsnarrativen zu zerstreuen.
- ARTT (Analysis and Response Toolkit for Trust), mittlerweile als Discourse Labs firmierend, entwickelte einen eigenen „KI-Chatbot“, um politische Debatten zu beeinflussen – insbesondere zur Impf-Zurückhaltung. ARTT erhielt 2021 zunächst 750.000 US-Dollar, später weitere 5 Millionen für „praktische Maßnahmen zur Vertrauensbildung“. Kritisch diskutiert wurde die geplante Kooperation mit dem Children’s Hospital of Philadelphia, das wegen geschlechtsverändernder Operationen und Hormonbehandlungen bei Minderjährigen unter Beobachtung steht.
ARTT bzw. Discourse Labs wurde nicht nur von der NSF gefördert, sondern auch von Größen wie dem Weltwirtschaftsforum (WEF), der Wikimedia Foundation, Google, Mozilla und Meta unterstützt.
- Expert Voices Together (EVT) fand laut Federalist 2025 ein neues Zuhause bei der linksliberalen NGO Right To Be. Diese Organisation widmet sich Themen wie „Zivilcourage zur Unterstützung der LGBTQIA+-Community“, „Deeskalation bei Protesten“ und „Einspruch gegen polizeiliche Gewalt und antischwarzen Rassismus“. Obwohl EVT heute unter dem Banner von Right To Be firmiert, erklärte ein Sprecher, dass die operative Leitung weiterhin bei der George Washington University liege.
Kritiker sprechen von verdeckter Zensurstruktur
Zwar nennen sich diese Projekte „Anti-Desinformations-Initiativen“, doch Kritiker werfen ihnen vor, sich de facto als Werkzeuge zur Steuerung der öffentlichen Meinung zu betätigen – unter dem Deckmantel der Wissenschaft. Die offizielle Begründung – Schutz vor „Fehlinformation“ – wird zunehmend als Vorwand gesehen, um kritische Stimmen zu unterdrücken oder abweichende Perspektiven systematisch aus dem öffentlichen Diskurs zu verdrängen.
Die Förderpraxis scheint sich verlagert, nicht beendet zu haben – und spiegelt ein Grundproblem wider: Die Vermischung von öffentlicher Gesundheitskommunikation mit politisch motivierter Deutungshoheit.


