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Warum lasst ihr mich zurück?

Warum lasst ihr mich zurück?

Ein Übersetzer der Bundeswehr aus Afghanistan fleht um Hilfe

Ich bedauere sehr, dass ich für die Bundeswehr gearbeitet habe. Wenn die Taliban an meine Tür klopfen, hoffe ich, dass sie mich gleich erschießen. Gastbeitrag von Ahmad Jawid Sultani

Am Dienstag, um kurz vor Mitternacht, stand ich im Tower des Flughafens von Masar-i-Scharif. Von dort oben beobachtete ich, wie die letzten Bundeswehrsoldaten in Flugzeuge stiegen, um Afghanistan für immer zu verlassen. Ich war in diesem Moment extrem traurig. Mir ging immer wieder ein Gedanke durch den Kopf, als ich die Rücklichter der Bundeswehrmaschine sah: „Hey Freunde, warum lasst ihr mich zurück?“

Mein Name ist Ahmad Jawid Sultani, ich bin in Masar-i-Scharif geboren und 31 Jahre alt. Ich habe von 2009 bis 2018 für die Bundeswehr als Übersetzer gearbeitet, und nun fürchte ich um mein Leben. Die Taliban stehen vor den Toren von Masar-i-Scharif. Die Zugangsstraßen sind blockiert, überall sind Kämpfe. Der letzte Ausweg aus der Stadt ist der über den Flughafen,