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Im Jahr 1921 beabsichtigte das Vereinigte Königreich, die Vereinigten Staaten daran zu hindern, ihre Flotte zu entwickeln und die führende Seemacht der Welt zu werden. Die beiden Staaten führten fast einen Krieg gegeneinander, zogen es aber klugerweise vor, sich zu verbünden. Gemeinsam konnten sie die Welt beherrschen. Dies war der Beginn dessen, was der britische Premierminister Winston Churchill 1946 ihre "besondere Beziehung" (Special Relationship) nannte. Um sie zu feiern, wurde eine Statue des ersten US-Präsidenten, George Washington, im Herzen Londons, am Trafalgar Square, errichtet. Diese "besondere Beziehung" ist die Grundlage der NATO.

Washington und London versuchen, ihre Dominanz über Europa zu bewahren

von Thierry Meyssan

Heutzutage werden die bestgehüteten Geheimnisse schnell aufgedeckt. Aber sie breiten sich dennoch nicht aus. Doch diese Woche sickerten die vertraulichen Briefe der Vereinigten Staaten und der NATO an Russland durch und wurden weithin gelesen. Während die Vorderseite der Bühne von den Geräuschen der NATO-Stiefel beherrscht wird, spielt sich hinter der westlichen Bühne das fieberhafte Theater der Organisation von Netzwerken zur Überwachung der Verbündeten durch ihre amerikanischen und britischen Oberherren ab. Denn Washington und London sind überzeugt, dass Russland sie nicht angreifen, aber versuchen wird, ihre Verbündeten abzulenken.

Dieser Artikel folgt auf:
 1. „Russland will die USA zwingen, die UN-Charta zu respektieren“, 4. Januar 2022.
 2. „Washington setzt den RAND-Plan in Kasachstan fort, dann in Transnistrien“, 11. Januar 2022.
 3. „Washington weigert sich, auf Russland und China zu hören“, 18. Januar 2022.
 4. „Washington und London, von Taubheit getroffen“, 1. Februar 2022.

Die Reaktionen der Vereinigten Staaten und der NATO auf den russischen Vorschlag für einen Vertrag, der die Sicherheit [1] garantiert, wurden von der spanischen Tageszeitung El País [2] enthüllt, angeblich dank einer ukrainischen Quelle, die befürchtet, dass ihr Land in einen Schauplatz der West-Ost-Konfrontation verwandelt wird.

Die Antwort der NATO entspricht in jeder Hinsicht der Darstellung ihres Generalsekretärs Jens Stoltenberg. Das ist normal, denn dieser Text war den 30 Mitgliedstaaten vorgelegt worden und konnte nicht lange geheim bleiben. Auf der einen Seite schlägt das Bündnis Maßnahmen vor, um das Risiko eines Atomkriegs zu verringern, auf der anderen Seite stellt es das Selbstbestimmungsrecht der Völker in Transnistrien (Moldawien), Abchasien und Südossetien (Georgien) und schließlich auf der Krim (Ukraine) in Frage. Mit anderen Worten, die Alliierten erkennen das Völkerrecht nicht an. Deshalb bringen sie es gar nicht mehr zur Sprache, sondern sagen, dass sie sich an „Regeln“ halten, die sie allein aufstellen. Sie beabsichtigen, unter dem Schutz der Vereinigten Staaten zu bleiben, unterstützt vom Vereinigten Königreich, wollen aber keinen Weltkrieg riskieren.