Ein ehemaliger Lieutenant Colonel der US-Armee, Tony Aguilar, hat mit seinen Enthüllungen über die inhumanen Praktiken der Gaza Humanitarian Foundation (GHF) und deren Sicherheitsfirma UG Solutions für erhebliche Kontroversen gesorgt. Nachdem er in einem Interview schwere Vorwürfe gegen die Organisation und deren Zusammenarbeit mit den Israelischen Verteidigungsstreitkräften (IDF) erhoben hatte, sah sich Aguilar einer Welle von Angriffen ausgesetzt, die sowohl seine Glaubwürdigkeit als auch seine Familie ins Visier nahmen. In einem ausführlichen Gespräch mit Tucker Carlson beantwortet Aguilar die Anschuldigungen, liefert Beweise für seine Behauptungen und schildert die erschreckenden Zustände, die er in Gaza miterlebt hat.
Direkt zum Video mit deutschen Untertiteln:
Der Hintergrund: Ein Soldat wird zum Whistleblower
Tony Aguilar, Absolvent der Militärakademie West Point und 25 Jahre lang im Dienst der US-Armee, darunter als Green Beret, verließ die Armee im März 2025, um ein ruhiges Leben als Familienvater zu führen. Nach seiner ehrenhaften Entlassung arbeitete er zunächst in einer Filiale des Baumarkts Lowe’s im Bereich Garten- und Landschaftsbau und engagierte sich als Leiter einer Pfadfindergruppe seines Sohnes. „Ich wollte kein Leben voller Stress oder Aufmerksamkeit“, erklärt Aguilar. „Ich habe keine sozialen Medien, nicht einmal LinkedIn. Meine Familie und ich genießen ein privates Leben.“
Trotz seines Wunsches nach Ruhe wurde Aguilar im Mai 2025 von UG Solutions kontaktiert, einem Sicherheitsunternehmen, das im Auftrag der Gaza Humanitarian Foundation (GHF) tätig ist. Man suchte nach kürzlich ausgeschiedenen Veteranen der Special Operations Forces (SOF), um humanitäre Hilfe in Gaza zu verteilen. Aguilar, der zunächst zögerte, ließ sich nach einem Gespräch mit seiner Frau überzeugen, da er glaubte, an einer Mission teilnehmen zu können, die amerikanische Werte wie Hilfe und Mitgefühl verkörpert.
Die schockierende Realität in Gaza
Was Aguilar in Gaza vorfand, war jedoch weit entfernt von humanitärer Hilfe. Die Gaza Humanitarian Foundation, die sich als gemeinnützige Organisation präsentiert, arbeitet laut Aguilar unter der Leitung von Safe Reach Solutions (SRS), einem gewinnorientierten Sicherheitsunternehmen, das wiederum UG Solutions als Subunternehmer für bewaffneten Schutz engagiert. Die Struktur dieser Organisationen ist undurchsichtig, und Informationen über ihre Finanzierung oder tatsächliche Arbeit sind schwer zu finden. „Es ist eine sehr schattenhafte Organisation“, sagt Aguilar.
Seine Aufgabe bestand darin, Sicherheitsdienste an Verteilungsstellen für humanitäre Hilfe in Gaza zu leisten. Doch anstatt einer gut organisierten Hilfsmission erlebte Aguilar chaotische und unmoralische Zustände. Die Verteilungsstellen befanden sich in aktiven Kampfzonen, was laut Aguilar eine bewusste Entscheidung war, die zu katastrophalen Konsequenzen führte. „Man stellt keine Lebensmittelverteilungsstellen in einem aktiven Kriegsgebiet auf“, betont er.
Schwere Vorwürfe gegen die IDF und GHF
Aguilar berichtet von zahlreichen Vorfällen, bei denen die IDF auf unbewaffnete Zivilisten, einschließlich Frauen und Kinder, schoss. Besonders erschütternd ist die Beschreibung eines Vorfalls am 16. Juli 2025 an der Verteilungsstelle Nummer drei, bei dem 20 Menschen starben. Die GHF bezeichnete dies als „Massenpanik“, doch Aguilar widerspricht: „Es war keine Panik, es war auf dem Gelände, wo ausgehungerten Menschen Essen ausgeteilt wurde.“ Er beschuldigt die IDF, gezielt auf Zivilisten geschossen zu haben, und weist darauf hin, dass UG Solutions ebenfalls Warnschüsse abgab, was laut Aguilar gegen die Genfer Konvention verstößt. „Es gibt keine Warnschüsse“, erklärt er. „Wenn man eine Kugel abfeuert, ist das ein Angriff. Besonders wenn es sich um panzerdurchschlagende Munition handelt, wie sie uns gegeben wurde.“
Ein besonders tragischer Fall ist der des zehnjährigen Jungen Amir, der am 28. Mai 2025 an Verteilungsstelle Nummer zwei getötet wurde. Die GHF versuchte, Aguilar zu diskreditieren, indem sie ein Foto veröffentlichte, das angeblich Amir zwei Tage später lebend zeigen sollte. Aguilar widerlegt dies mit Nachdruck: „Das Foto, das sie verwendeten, stammt von mir, aufgenommen an einem anderen Ort, 26 Kilometer entfernt. Es ist unmöglich, dass Amir dort war. Er ist tot.“ Durch die Arbeit einer NGO konnte Aguilars Bericht bestätigt werden, und Amirs Stiefmutter, die nach ihm suchte, erhielt das letzte Foto ihres Sohnes, das Aguilar gemacht hatte.
Die Angriffe auf Aguilar
Nach seinen Enthüllungen sah sich Aguilar einer organisierten Kampagne gegenüber, angeführt von Johnny Moore, dem Leiter der GHF, und deren Sprecher Chapen Fay. Moore bezeichnete Aguilar als Lügner und warf Kritikern vor, „pro-Hamas“ zu sein. Aguilar weist diese Anschuldigungen empört zurück: „Ich habe 25 Jahre lang gegen radikalen Islam gekämpft. Wie kann jemand wie Johnny Moore, der nie gedient hat, mich als Hamas-Unterstützer bezeichnen?“
Moore, der laut Aguilar nur einmal für ein kurzes PR-Foto in Gaza war, betreibt die GHF offenbar aus den USA und hat keinerlei Erfahrung im Bereich humanitärer Hilfe. „Er hat keine Expertise“, sagt Aguilar. „Humanitäre Hilfe ist komplex – es geht nicht nur um Essen, sondern um Wasser, medizinische Versorgung, veterinärmedizinische Dienste. Das erfordert Fachwissen, das die GHF nicht hat.“
Aguilar widerlegt auch die Behauptung, er sei entlassen worden. „Ich habe meinen Vertrag am 13. Juni 2025 schriftlich gekündigt, aus Protest“, sagt er und verweist auf E-Mails, die seine Kündigung und die Anerkennung seiner Arbeit durch UG Solutions belegen. Er betont, dass er nicht der Einzige war, der aus Protest zurücktrat – auch Jake Wood, der ehemalige Direktor der GHF, und andere Führungskräfte taten dies.
Die Rolle der IDF und die Finanzierung der GHF
Ein zentraler Punkt von Aguilars Kritik ist die enge Verbindung zwischen der GHF, Safe Reach Solutions und der IDF. „Die GHF ist praktisch ein Anhängsel der IDF“, sagt er. Die Verteilungsstellen wurden an Orten eingerichtet, die von der IDF kontrolliert wurden, und die IDF diktierte, wann und wie die Hilfe verteilt wurde. Aguilar berichtet, dass die GHF und SRS den Palästinensern, die vor Ort halfen, nicht einmal Essen bereitstellten, was dazu führte, dass er und ein Kollege Pizzas für sie bestellten.
Noch beunruhigender ist die undurchsichtige Finanzierung der GHF. Aguilar und sogar Mitglieder des US-Kongresses, mit denen er sprach, wissen nicht, woher das Geld der Organisation stammt. „Es gibt viel Geld, aber keine Transparenz“, sagt Aguilar. Die einzige bekannte Finanzierung ist ein Betrag von 30 Millionen Dollar vom US-Außenministerium, doch darüber hinaus bleibt die Herkunft der Mittel unklar.
Die humanitäre Krise in Gaza
Aguilar beschreibt die Lage in Gaza als katastrophal. Neben dem Mangel an Lebensmitteln gibt es kaum sauberes Wasser, was die Verteilung von Trockenwaren wie Bohnen und Mais, die Wasser zum Kochen benötigen, besonders problematisch macht. „Es ist unmenschlich, Menschen Essen zu geben, das sie ohne Wasser nicht zubereiten können“, sagt er. Die GHF lehnte die Verteilung von Wasser ab, da es angeblich zu teuer sei, und die IDF untersagte es.
Die Zustände in Gaza erinnern Aguilar an die schlimmsten Momente seiner Einsätze im Irak, wo er während der sektiererischen Gewalt 2006 Leichen einsammeln musste. „Der Geruch des Todes in Gaza ist überwältigend“, sagt er. „Wenn die Welt sieht, was in Gaza-Stadt und anderen Gebieten passiert, wird sie es nicht tolerieren.“
Aufruf zum Handeln
Aguilar fordert die US-Regierung auf, die Unterstützung für die GHF einzustellen und stattdessen die Vereinten Nationen zu stärken, die über die nötige Expertise verfügen, um humanitäre Hilfe effektiv zu leisten. „Die UN wurden zu Unrecht beschuldigt, Hilfe an Hamas weiterzugeben. Das ist widerlegt“, sagt er. Er schlägt vor, dass die USA Sicherheitsunterstützung für UN-Lieferungen bereitstellen, um die Verteilung zu erleichtern, ohne bewaffnete Konfrontationen zu provozieren.
Persönliche Angriffe und Aguilars Entschlossenheit
Die Angriffe auf Aguilar umfassen nicht nur seine berufliche Glaubwürdigkeit, sondern auch seine Familie und seinen militärischen Dienst. „Sie haben meine Frau und meinen Dienst angegriffen, ohne Beweise“, sagt er. „Diese Leute verstecken sich hinter anonymen Twitter-Accounts. Ich stehe hier mit meinem Namen und meiner Geschichte.“
Trotz der Schmutzkampagne bleibt Aguilar entschlossen, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Er plant nicht, die GHF zu verklagen, sondern möchte, dass die Öffentlichkeit und die Regierung handeln. „Ich will zurück zu Lowe’s, zu meiner Familie und zum Angeln“, sagt er. „Aber ich werde nicht schweigen, bis die Wahrheit herauskommt.“
Fazit
Tony Aguilars Bericht wirft ein düsteres Licht auf die Zustände in Gaza und die Rolle der Gaza Humanitarian Foundation. Seine detaillierten Schilderungen von Gewalt, Inkompetenz und mangelnder Transparenz fordern eine dringende Überprüfung der Aktivitäten dieser Organisation und ihrer Verbindungen zur IDF. Während Aguilar persönliche Angriffe erduldet, steht er mit seiner Geschichte nicht allein – andere ehemalige Mitarbeiter beginnen ebenfalls, sich zu äußern. Seine Botschaft ist klar: Die USA müssen ihre humanitäre Verantwortung ernst nehmen und sicherstellen, dass Hilfe tatsächlich den Bedürftigen zugutekommt, anstatt in einem undurchsichtigen Netz aus Profit und Gewalt zu verschwinden.

