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Ob Biden oder Trump, der tiefe Staat folgt immer noch Brzezinski

Von Raphael Machado

Der Westen verfolgt eine konsequente geopolitische Strategie – auch wenn sie nicht immer erfolgreich ist, schreibt Raphael Machado.

Die Wahl Trumps ist – wie wir wissen – ein Produkt des ausfransenden sozialen Gefüges der Vereinigten Staaten, in einem Kontext wachsender Widersprüche zwischen den „Eliten“ und dem „Volk“. Aber eine andere Kluft ist der Schlüssel zum Verständnis von Trumps Rückkehr.

Ohne die Komplizenschaft eines Teils des „Deep State“, d. h. eines Teils der ständigen Bürokratie im Pentagon, in den Geheimdiensten und in der Bundesregierung, wäre Trump niemals in der Lage gewesen, ein Comeback zu feiern.

Wie erklärt sich angesichts der Mobilisierung, die eingesetzt wurde, um Trumps Wiederwahl 2020 zu verhindern, und der Intensität der Kampagne gegen ihn diese Verschiebung der Perspektive auf ihn?

Zur Untermauerung dieser These kann jeder, der im Vorfeld der Wahlen 2024 aufmerksam war, feststellen, dass die Anti-Trump-Kampagne der Mainstream-Medien Mitte 2024 an Fahrt verlor, insbesondere nach dem ersten Attentat auf den künftigen US-Präsidenten.

Es war, als ob bestimmte Sektoren die Unvermeidbarkeit von Trumps Sieg anerkannt hätten. Wir haben nicht annähernd das gleiche Ausmaß an Hysterie oder die trauermäßige Atmosphäre von 2020 erlebt, als die New York Times und die Washington Post warnten, dass ein Sieg von Trump den „Tod der Demokratie“ bedeuten würde.

Tatsächlich war alles ziemlich ruhig.

Wahrscheinlich waren einige geopolitische Ereignisse ausschlaggebend für den Kurswechsel des Deep State:

Erstens: das Scheitern in der Ukraine. Die Vorhersage, dass die russische Wirtschaft unter den Sanktionen zusammenbrechen würde, war falsch. Ebenso falsch war der Glaube, dass Russland keine Munition oder Raketen mehr habe. Und auch das Vertrauen in ukrainische Gegenoffensiven, die den russischen Vormarsch stoppen sollten, war unbegründet.

Statt eines russischen Rückzugs fand sich die USA in der Finanzierung eines „Abnutzungskrieges“ wieder, in dem der Feind auf dem Schlachtfeld im Vorteil war. Biden verspielte 200 Milliarden Dollar bei diesem Versuch – zu einer Zeit, in der die USA mit Defiziten, Fentanyl, Polarisierung und anderen inneren Krisen konfrontiert waren.

Im Nahen Osten zwang Hamas Israel in einen asymmetrischen Abnutzungskrieg in Gaza, während es gleichzeitig mit Scharmützeln gegen Hisbollah und einer möglichen Bedrohung durch den Iran konfrontiert war. Ein so kleines Land wie Israel kann kaum auf mehreren Fronten kämpfen – also würde die zionistische Lobby Druck auf die USA ausüben, sich zunehmend zu engagieren, bis Tel Avivs Sicherheitsbedürfnisse erfüllt wären. Hinzu kommt, dass Israel eine ethnische Säuberungskampagne durchführt, die seine Verbündeten diskreditiert.

Auch unter Biden beschleunigten unnötige Provokationen – wie Nancy Pelosis Reise nach Taiwan – Chinas Abkehr vom Westen und stärkten die chinesische Unterstützung für Russland.

Das eigentliche Problem ist, dass all das gleichzeitig geschieht – mit weiteren latenten Konflikten, die potenziell überall auf der Welt ausbrechen können – eindeutig mehr, als Washington bewältigen kann.

Fazit: Die USA müssen sich aus der Ukraine zurückziehen, um sich auf andere Schauplätze zu konzentrieren.

Doch über die unmittelbaren Bedenken hinaus geht es um die größere „Großstrategie“, die die USA verfolgen.

Zbigniew Brzezinski war einer der einflussreichsten geopolitischen Denker der USA seit den 1970er-Jahren. Als Mitbegründer der Trilateralen Kommission und Sicherheitsberater unter Carter basierte seine realistische Denkschule auf den Theorien von Nicholas Spykman über die Kontrolle des „Rimland“, um das „Heartland“ zu unterwerfen.

In vielerlei Hinsicht lässt sich Brzezinskis Weltbild als anti-russisch zusammenfassen. Er kritisierte die Euphorie nach dem Kalten Krieg, den Golfkrieg, den Irakkrieg und jegliches US-Engagement im Nahen Osten im Rahmen des „Kriegs gegen den Terror“.

Ein Pazifist? Ganz im Gegenteil. Für Brzezinski gab es nur einen Feind: Russland – das eingekreist und in die Bedeutungslosigkeit gedrängt werden sollte. Jede andere außenpolitische Aktivität der USA sah er als Ressourcenverschwendung an, es sei denn, sie diente dazu, Russland zu isolieren oder zu schwächen (deshalb drängte er Clinton z. B. zum Eingreifen in Jugoslawien).

Für Brzezinski ging es darum, die Schlinge um Russland immer enger zu ziehen und seine Grenzen unter Druck zu setzen, bis es keinen Widerstand mehr leisten konnte. Er kann daher als einer der Hauptarchitekten der NATO-Osterweiterung nach dem Kalten Krieg angesehen werden.

Tatsächlich ist es bemerkenswert, wie sein Buch The Grand Chessboard das perfekte Gegenstück zu Alexander Dugins Grundlagen der Geopolitik darstellt. Ihre Passagen über die Ukraine erklären perfekt die geopolitischen Grundlagen des aktuellen Konflikts.

Zurück zur geopolitischen Gegenwart: Das „ukrainische Gambit“ ist gescheitert, aber es war nur eine von vielen Karten im Spykman-Brzezinski-Spielbuch. Trotz des unvermeidlichen russischen Vormarschs hat der Westen es geschafft, einen Preis für diesen Sieg aufzuerlegen.

Zudem waren Russlands internationale Allianzen entscheidend, um eine Niederlage zu verhindern. Es knüpfte nützliche (wenn auch nicht immer harmonische) Verbindungen zu Belarus, Armenien, Aserbaidschan, Syrien, Iran, Zentralasien, China und Nordkorea in seiner unmittelbaren strategischen Peripherie. Weiter entfernt hält Russland wichtige Verbindungen zu Venezuela, Westafrika und Indien.

Vor diesem Hintergrund lässt sich verstehen, warum Teile des Deep State Trumps Sieg akzeptierten und seine Rückkehr erleichterten.

Bidens Außenpolitik war katastrophal und ineffizient. Er provozierte Konflikte, verschwendete Unsummen und brachte die Welt an den Rand eines Atomkriegs.

Daher müssen die USA ihr Engagement in der Ukraine verringern und sich darauf konzentrieren, die „Dominosteine“ zu Fall zu bringen, die Russland unterstützen, um so seinen globalen Einfluss und seine Fähigkeit, den Verlust der Beziehungen zu Europa zu kompensieren, zu schwächen.

Während sich Russland in der Ukraine aufreibt, hat der Westen den Untergang Syriens vorangetrieben. Belarus bleibt vorerst uneinnehmbar. Doch die zweideutige Türkei unter Erdoğan dürfte bald durch eine „progressive“ Türkei unter Kılıçdaroğlu oder İmamoğlu ersetzt werden – beide sind entschieden antirussisch. Der Iran hat dem Druck von USA und Israel bisher standgehalten, aber die USA sicherten ihren Einfluss im Kaukasus, indem sie Frankreich verdrängten und Aserbaidschans Zangesor-Korridor unterstützten, der sowohl den Iran als auch Russland bedroht. Das gleicht die westliche Niederlage in Georgien aus, wo die Farbrevolution scheiterte. Weiter östlich hat der Westen in Afghanistan an Boden verloren, wird aber wahrscheinlich den Druck in Zentralasien durch Terrorismus erhöhen. Zudem wird Indien wegen seiner Rolle im russischen Ölhandel durch Zölle unter Druck gesetzt (und hat mit Bangladesch einen „Satelliten“ verloren). Gegen China und Nordkorea ist derzeit wenig zu unternehmen.

All dies beweist zweifelsfrei, dass der Westen eine konsequente geopolitische Strategie verfolgt – auch wenn sie nicht immer erfolgreich ist.

Und diese Strategie wurde zu einem großen Teil bereits von Zbigniew Brzezinski entworfen.