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Der inverse Kolonialismus

Von Hans-Jürgen Geese 

Im Verlaufe des Dritten Kreuzzuges traf im Jahre 1192 Heinrich II. von Champagne, der bald darauf König von Jerusalem werden sollte, auf den legendären Anführer einer ismailitischen schiitischen Sekte, Rashid ad-Din Sinan, vor dessen Bergfestung Masyaf. Der hochmütige Herr Graf wies darauf hin, dass seine Streitmacht mehr als zehnmal stärker sei als die von Sinan.

Sinan sagte selbstbewusst, dass dieser, sein zusammengewürfelter Haufen, da die mächtigste Armee im gesamten weiten Lande darstelle. Zum Beweis befahl er einen der Männer zu sich, gab ihm ein paar Instruktionen, woraufhin der Mann auf den höchsten Turm der Festung kletterte und sich von dort in den Tod stürzte.

Rashid ad-Din Sinan war bekannt als der „Alte Mann des Berges“. Unter seinen Anhängern hatte er fast gottähnlichen Status. Sinan war ein Meister der Manipulation und der Ausführung des politischen Mordes. Er verstand die hohe Kunst der psychologischen Kriegsführung. Die Angst vor ihm und seinen Attentätern verfolgte die Herrscher nah und fern. Die von Sinan eingesetzten Attentäter blieben am Tatort und ließen sich ohne Widerstand verhaften. Unter der Folter beschuldigten sie Dritte als Auftraggeber. Selbst der große Sultan Saladin einigte sich schließlich mit Sinan. Er wusste, dass Sinan in der Lage war, ihn zu töten.