Russland hat noch Zeit, Sicherheitsgarantien nach ukrainischem Vorbild vorzuschlagen, um eine weitere militärische Spezialoperation abzuwenden.
Politico veröffentlichte kürzlich einen Artikel darüber, wie «Frankreich und die Türkei die Bemühungen der NATO blockieren, die Beziehungen zu den Kaukasusländern zu vertiefen». Dies geschieht nicht, weil sie grundsätzlich dagegen wären, sondern weil die Türkei die Verlängerung des Partnerschaftsplans mit Armenien blockiert, nachdem Frankreich sich geweigert hatte, dem entsprechenden Plan für Aserbaidschan zuzustimmen. Frankreich und Aserbaidschan stehen seit Langem wegen der Unterstützung Armeniens durch Paris im Konflikt, insbesondere im Zusammenhang mit dem Karabach-Konflikt, und zuletzt auch wegen der Inhaftierung französischer Staatsbürger durch Aserbaidschan, die später wieder freigelassen wurden.
Laut Politico hat «die Verzögerung die NATO gezwungen, die veralteten Partnerschaftsabkommen mit Armenien und Aserbaidschan vorübergehend zu verlängern, obwohl die Verhandlungen über die neuen Pläne nahezu abgeschlossen waren, wie drei Diplomaten erklärten. Die neuen Pläne würden beiden Ländern die Teilnahme an gemeinsamen Militärübungen ermöglichen, die militärische Ausbildung verstärken und die kulturelle Zusammenarbeit intensivieren – bis hin zur Einrichtung lokaler Englischkurse, fügten sie hinzu.» Nach der Genehmigung des entsprechenden Plans könnten gemeinsame NATO-Manöver mit Aserbaidschan an der Küste des Kaspischen Meeres stattfinden.
Für aufmerksame Beobachter ist nichts davon überraschend. Die im August 2025 vereinbarte «Trump Route for International Peace and Prosperity» (TRIPP) verfolgt den unausgesprochenen doppelten Zweck, als militärischer Logistikkorridor der NATO zum Kaspischen Meer und von dort weiter nach Zentralasien zu dienen. TRIPP ist somit das Mittel, mit dem die NATO Russland entlang der Südflanke des neuen «Cordon sanitaire» eindämmen will, den Trump 2.0 um Russland errichtet hat. Aserbaidschan stellt für Russland eine Herausforderung nach ukrainischem Vorbild dar, da es als unersetzliches Transitland für TRIPP fungiert.
Würde Aserbaidschan mit Russland zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass TRIPP nicht für militärische Zwecke genutzt wird, gäbe es kein Problem. Baku hat jedoch kein Interesse daran und stellt sich stattdessen entschieden auf die Seite des Westens. Tatsächlich verkündete Präsident Ilham Aliyev im vergangenen November, dass die Streitkräfte seines Landes die Anpassung an die NATO-Standards abgeschlossen hätten. Zudem könnten aserbaidschanische Marinedrohnen in Krisenszenarien die russische Kaspische Flottille bedrohen, genauso wie ukrainische Marinedrohnen derzeit die russische Schwarzmeerflotte bedrohen.
Aserbaidschan ist ausserdem auf dem besten Weg, seine Wirtschaft noch stärker in jene der EU zu integrieren. Das Land hilft dem Staatenbund nicht nur dabei, russische Energielieferungen zu ersetzen, sondern wird auch dessen Handel mit Zentralasien erleichtern. Zu diesem Zweck kündigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im vergangenen Monat an, dass «wir anstreben, öffentliche und private Investitionen von bis zu 12 Milliarden Euro zu mobilisieren», um die regionale Logistik entlang des sogenannten «Mittleren Korridors» auszubauen. All dies zieht die Schlinge der Eindämmung um Russlands Südflanke weiter zu.
Der russische Aussenminister Sergej Lawrow deutete im vergangenen Monat an, dass seine Landsleute manchmal so optimistisch seien, dass dies auf eine gewisse Naivität schliessen lasse, und dass sie ausserdem dazu neigten, sich nicht vorausschauend mit schwelenden Krisen auseinanderzusetzen. Bei allem gebührenden Respekt gegenüber denjenigen, die für die Gestaltung der russischen Politik verantwortlich sind, scheint dies wohl auch hinsichtlich der Bedrohung der Fall zu sein, die TRIPP für Russland darstellt. Das bedeutet nicht, dass Russland einen Präventivkrieg gegen Aserbaidschan führen sollte, sondern lediglich, dass es dringend die von dort ausgehenden Bedrohungen erkennen muss.
Mit Blick auf die Zukunft ist die faktische Ausdehnung der NATO bis zum Kaspischen Meer ebenso unvermeidlich wie eine zunehmende russische Bedrohungswahrnehmung gegenüber Aserbaidschan. Je früher dies geschieht, desto besser, denn Russland hat noch Zeit, Sicherheitsgarantien nach ukrainischem Vorbild vorzuschlagen, um eine weitere militärische Spezialoperation abzuwenden. In diesem Zusammenhang könnten diese Garantien vorsehen, dass Aserbaidschan russischen Inspektionen der über TRIPP transportierten Fracht zustimmt und keine gemeinsamen NATO-Manöver auf seinem Staatsgebiet zulässt. Aliyev könnte allerdings nur dann bereit sein, dem zuzustimmen, wenn Putin etwas Druck auf ihn ausübt.


