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Bakterium aus dem Darm eines Frosches lässt Krebstumore vollständig verschwinden – und übertrifft in Tierversuchen sogar die Chemotherapie

Japanische Forscher berichten von einem bemerkenswerten Durchbruch in der experimentellen Krebsforschung: Eine einzige Injektion eines natürlich vorkommenden Bakteriums beseitigte bei allen behandelten Mäusen die Tumore. Besonders aufsehenerregend ist der Vergleich mit etablierten Krebsmedikamenten.

Eine im Dezember 2025 in der Fachzeitschrift Gut Microbes veröffentlichte Studie japanischer Wissenschaftler könnte einen neuen Weg in der Krebsbehandlung eröffnen. Forscher des Japan Advanced Institute of Science and Technology (JAIST) entdeckten im Darm eines japanischen Laubfrosches ein Bakterium, das in Tierversuchen eine aussergewöhnliche Wirkung gegen Krebs zeigte.

Das Bakterium mit dem Namen Ewingella americana beseitigte in einem experimentellen Darmkrebsmodell sämtliche Tumore der behandelten Mäuse – und das nach nur einer einzigen intravenösen Injektion.

Noch bemerkenswerter: In einem direkten Vergleich mit dem Chemotherapeutikum Doxorubicin und einer modernen Immuntherapie mit Anti-PD-L1-Antikörpern erzielte das Bakterium deutlich bessere Ergebnisse.

Allerdings handelt es sich bislang ausschliesslich um präklinische Forschung. Ob sich diese Ergebnisse auf Menschen übertragen lassen, ist noch völlig offen.

Eine Entdeckung im Darm von Fröschen, Molchen und Eidechsen

Die Wissenschaftler um Eijiro Miyako untersuchten Darmbakterien von drei Tierarten: dem japanischen Laubfrosch (Dryophytes japonicus), dem japanischen Feuerbauchmolch (Cynops pyrrhogaster) und einer japanischen Eidechsenart (Takydromus tachydromoides).

Insgesamt isolierten sie 45 Bakterienstämme. Nach einer ersten Sicherheitsprüfung wählten sie neun Kandidaten für weitere Untersuchungen aus.

Dabei zeigte sich, dass mehrere dieser Mikroorganismen das Wachstum von Krebstumoren hemmen konnten. Drei Bakterienstämme bewirkten sogar eine Rückbildung der Tumore. Bei zwei davon kehrte der Krebs allerdings nach kurzer Zeit zurück.

Anders bei Ewingella americana: Das aus dem Laubfrosch isolierte Bakterium führte zu einer vollständigen und anhaltenden Tumorrückbildung.

Die Wissenschaftler verabreichten den Mäusen, die zuvor mit Colon-26-Darmkrebstumoren versehen worden waren, eine einzige Injektion mit dem Bakterium. Anschliessend beobachteten sie die Entwicklung der Tumore und den Gesundheitszustand der Tiere.

Das Ergebnis: Bei allen mit Ewingella americana behandelten Mäusen verschwanden die Tumore vollständig. Die Überlebensrate betrug in der untersuchten Gruppe 100 Prozent.

Der direkte Vergleich mit Chemotherapie und Immuntherapie

Besonders interessant ist der Teil der Studie, in dem die Forscher ihre bakterielle Behandlung mit zwei etablierten Krebsmedikamenten verglichen.

Dazu verwendeten sie dasselbe Mausmodell und untersuchten drei unterschiedliche Behandlungsansätze.

BehandlungErgebnis im Mausversuch
Ewingella americana – eine Injektion100 % vollständige Tumorrückbildung (5 von 5 Mäusen)
Anti-PD-L1-Immuntherapie – vier Injektionen20 % vollständige Tumorrückbildung (1 von 5 Mäusen)
Liposomales Doxorubicin – vier InjektionenKeine vollständige Tumorrückbildung (0 von 5 Mäusen)

Während Doxorubicin und die Immuntherapie das Tumorwachstum verlangsamten, gelang es dem Bakterium, die Tumore bei sämtlichen fünf behandelten Tieren vollständig zu beseitigen.

Die Wissenschaftler stellten ausserdem fest, dass die einmalige Bakterienbehandlung die Überlebenszeit gegenüber der unbehandelten Kontrollgruppe um mindestens 30 Tage verlängerte.

Diese Ergebnisse sind bemerkenswert. Allerdings waren die Vergleichsgruppen mit jeweils fünf Tieren klein, und es wurde nur ein bestimmtes experimentelles Tumormodell verwendet. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass die Bakterienbehandlung bei menschlichen Krebserkrankungen wirksamer wäre als eine Chemotherapie.

Wie das Bakterium Krebszellen bekämpft

Die Forscher identifizierten zwei wesentliche Wirkmechanismen.

Erstens kann Ewingella americana Krebszellen direkt schädigen. Das Bakterium ist fakultativ anaerob, kann also sowohl mit als auch ohne Sauerstoff überleben. Dadurch besitzt es Eigenschaften, die ihm ermöglichen, sich in sauerstoffarmen Tumorgeweben anzusiedeln.

Zweitens aktiviert es die körpereigene Immunabwehr. Die Wissenschaftler beobachteten eine verstärkte Beteiligung von T-Zellen, B-Zellen und neutrophilen Granulozyten an der Bekämpfung der Tumore.

Das Bakterium wirkt somit nicht nur unmittelbar gegen Krebszellen, sondern mobilisiert gleichzeitig das Immunsystem.

Besonders interessant war ein weiterer Versuch: Mäusen, deren Tumore durch die Bakterienbehandlung verschwunden waren, wurden erneut Krebszellen verabreicht.

Bei keinem der zehn zuvor erfolgreich behandelten Tiere entstanden neue Tumore. Dagegen entwickelten alle zehn unbehandelten Kontrolltiere Tumore.

Das deutet darauf hin, dass die Behandlung im untersuchten Mausmodell ein länger anhaltendes immunologisches Gedächtnis auslösen konnte. Die Forscher beobachteten diesen Schutz über einen Zeitraum von mehr als 60 Tagen.

Weniger Nebenwirkungen als bei herkömmlichen Krebsbehandlungen?

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Untersuchung war die Verträglichkeit der Behandlung.

Die Wissenschaftler überprüften unter anderem das Körpergewicht und den allgemeinen Gesundheitszustand der Tiere. Obwohl unmittelbar nach der Injektion leichte Gewichtsverluste auftraten, die auf eine vorübergehende Entzündungsreaktion hindeuten könnten, zeigten sich im weiteren Verlauf keine signifikanten Unterschiede beim Körpergewicht zwischen den Behandlungsgruppen.

Die Forscher berichten, dass der untersuchte Bakterienstamm bei therapeutisch wirksamen Dosierungen im Mausmodell nur eine geringe krankmachende Wirkung zeigte.

Das bedeutet allerdings nicht, dass das Bakterium grundsätzlich ungefährlich ist. Ewingella americana ist auch als opportunistischer Krankheitserreger bekannt und wurde bereits mit Infektionen bei Neugeborenen und immungeschwächten Menschen in Verbindung gebracht.

Gerade bei Krebspatienten, deren Immunsystem häufig geschwächt ist, müsste deshalb besonders sorgfältig geprüft werden, ob die intravenöse Verabreichung lebender Bakterien sicher ist.

Die Studie belegt somit eine gute Verträglichkeit unter den untersuchten Versuchsbedingungen, aber noch keine Sicherheit beim Menschen.

Warum diese Entdeckung für die Krebsforschung wichtig ist

Die Verwendung von Bakterien zur Krebsbekämpfung ist keine völlig neue Idee. Schon länger wird untersucht, ob bestimmte Mikroorganismen gezielt Tumorgewebe besiedeln und dort eine therapeutische Wirkung entfalten können.

Bislang konzentrierte sich ein Teil dieser Forschung auf gentechnisch veränderte Bakterien, deren Eigenschaften im Labor angepasst werden.

Die japanischen Forscher verfolgen einen anderen Ansatz: Sie suchen in der Natur nach bereits vorhandenen Mikroorganismen, die von sich aus krebsbekämpfende Eigenschaften besitzen.

Das könnte langfristig neue Möglichkeiten eröffnen, weil nicht zwingend gentechnische Veränderungen notwendig wären.

Die Entdeckung unterstreicht ausserdem, wie wenig bislang über die medizinisch nutzbaren Eigenschaften der enormen mikrobiellen Vielfalt bekannt ist.

Bedeutet das einen Durchbruch gegen Krebs?

Die Ergebnisse sind aussergewöhnlich, aber die entscheidenden Fragen bleiben offen.

Bisher wurde nicht nachgewiesen, dass Ewingella americana menschliche Tumore zuverlässig beseitigen kann. Ebenso wenig ist geklärt, ob die Behandlung bei anderen Krebsarten funktioniert, welche Dosierung beim Menschen notwendig wäre und welche Risiken bei einer systemischen Verabreichung auftreten könnten.

Auch der Vergleich mit Doxorubicin und Anti-PD-L1-Antikörpern muss richtig eingeordnet werden: Dass ein Bakterium in einem bestimmten Mausmodell besser abschneidet, bedeutet nicht, dass es bei Patienten die heute eingesetzten Krebstherapien ersetzen könnte.

Dafür wären weitere präklinische Untersuchungen und anschliessend kontrollierte klinische Studien erforderlich.