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Banken als Waffen: Venezuelas interimistisch Präsidentin Delcy Rodríguez hält Meisterklasse über US-Sanktionskrieg

„Das Völkerrecht regelt nicht – es regiert die Barbarei“

Delcy Rodríguez über Sanktionen, Finanzkrieg und die Zerstörung ganzer Staaten

Mit einer ungewöhnlich offenen und schonungslosen Analyse hat Venezuelas amtierende Präsidentin Delcy Rodríguez 2024 dargelegt, wie die USA das internationale Finanzsystem als Kriegswaffe einsetzen – und warum sie den wirtschaftlichen Würgegriff gegen Venezuela als Teil derselben Logik betrachtet, die heute in Palästina zur offenen Vernichtung führt.

Rodríguez’ Botschaft ist klar: Sanktionen sind kein neutrales außenpolitisches Instrument, sondern ein globales System organisierter Zerstörung.

Video mit deutschen Untertiteln hier direkt:

Das Finanzsystem als Waffe

Im Zentrum ihrer Analyse steht das internationale Finanznachrichtensystem SWIFT. Nahezu alle globalen Finanztransaktionen laufen über diese Infrastruktur – und damit faktisch unter US-Kontrolle.

Mit nur einem Knopfdruck, so Rodríguez, könne ein Land aus dem Weltfinanzsystem ausgeschlossen werden. Genau das mache SWIFT zu einem der „raffiniertesten Instrumente wirtschaftlicher Aggression“, über das der Hegemon heute verfüge.

Die Konsequenz: Staaten, die sich nicht der US-Linie unterwerfen, verlieren über Nacht Zugang zu Banken, Zahlungsverkehr, Handel und Krediten.

26.000 Sanktionen – gegen wen sind sie wirklich gerichtet?

Rodríguez liefert Zahlen, die selten offen benannt werden:

  • Weltweit existieren über 26.000 einseitige Zwangsmaßnahmen
  • 31 Länder sind aktuell sanktioniert
  • Diese Länder repräsentieren 28 % der Weltbevölkerung und 72 % der Erdoberfläche
  • 96 % aller Sanktionen konzentrieren sich auf nur zehn Länder

Es handelt sich fast ausschließlich um Energie- und Rohstoffproduzenten: Russland, Iran, Syrien, Venezuela, Irak, Nordkorea. Länder also, deren Ressourcen für die industrielle und soziale Entwicklung der Menschheit essenziell sind.

Sanktionen seien daher kein Zufall, sondern gezielte Angriffe auf das Rückgrat souveräner Volkswirtschaften.

Venezuela: Ein wirtschaftlicher Schock wie ein Weltkrieg

Am Beispiel Venezuelas beschreibt Rodríguez die realen Folgen dieser Politik:

  • Verlust von 77 % der internationalen Korrespondenzbanken – in einer einzigen Sekunde
  • Rückgang der Staatseinnahmen um 99 %
  • Ölproduktionsverluste im Wert von 232 Milliarden US-Dollar
  • Gesamtschaden für die Wirtschaft: rund 700 Milliarden US-Dollar

Der wirtschaftliche Einbruch, so Rodríguez, sei vergleichbar mit den Bombardierungen Deutschlands und Frankreichs im Zweiten Weltkrieg – mit dem Unterschied, dass in Venezuela keine Bomben fielen, sondern Finanzströme gekappt wurden.

Die Folge: massive Menschenrechtsverletzungen durch Hunger, Medikamentenmangel, Energiekrisen und soziale Zerstörung.

Offenes Eingeständnis aus Washington

Besonders brisant ist ein Zitat aus dem US-Außenministerium von 2018, das Rodríguez anführt:

„Die Maßnahmen gegen Venezuela wirken.
Die Sanktionen haben das Land in den Zahlungsausfall gezwungen.
Wir erleben einen totalen Zusammenbruch.
Unsere Politik funktioniert.“

Für Rodríguez ist das ein historisches Eingeständnis: Der Zusammenbruch eines Landes gilt in Washington als Erfolg.

Enteignung, Raub und institutionelle Absurdität

Die Sanktionen beschränkten sich nicht auf Zahlungsströme:

  • Citgo, Venezuelas US-Raffinerietochter, wurde beschlagnahmt
  • Über 22 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten eingefroren
  • Venezolanisches Gold bei der Bank of England blockiert – mit der Begründung, man wisse nicht, „wer die Regierung sei“

Der Gipfel der Absurdität:
Der von den USA anerkannte „Präsident“ der venezolanischen Zentralbank lebte in Miami – und betrieb dort ein Hamburger-Restaurant. Dennoch sollte er angeblich über Venezuelas Goldreserven verfügen.

Für Rodríguez ist das kein Rechtsstaat, sondern organisierte Plünderung unter diplomatischem Deckmantel.

Sanktionen als Krieg – Palästina als Fortsetzung

Am Ende zieht Rodríguez eine Linie, die im Westen kaum ausgesprochen wird:

Der wirtschaftliche und soziale „Völkermord“ an Venezuela sei Ausdruck derselben Politik, die heute in Palästina militärisch eskaliert.

„Der Völkermord an den Palästinensern ist eine Fortsetzung derselben Politik –
die Vernichtung der Menschheit, die Ausrottung von Völkern,
damit spekulatives Kapital überleben kann.“

Sanktionen, Krieg, Blockaden und militärische Gewalt seien keine getrennten Phänomene, sondern Werkzeuge desselben Systems.

„Ich habe die US-Regierung noch nie Leben säen sehen“

Rodríguez schließt mit einem Satz, der ihre Analyse auf den Punkt bringt:

„Ich habe die US-Regierung noch nie erlebt, wie sie in eine Wüste kommt, um Leben anzupflanzen.
Sie kommen immer, um zu zerstören.“

Ihr Fazit ist unmissverständlich:
Wo internationales Recht versagt, regiert nicht Ordnung – sondern Barbarei.