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Deutschland schafft Kapazitäten für die Produktion von über einer Milliarde mRNA-Impfstoffdosen pro Jahr

Von Robert Kogon

Im vergangenen Monat hat die Biotech-Sparte des deutschen Unternehmens Wacker in Halle eine brandneue mRNA-Produktionsanlage eingeweiht, in der nach Angaben des Unternehmens bis zu 200 Millionen Dosen mRNA-Impfstoffe pro Jahr hergestellt werden können. Der Bau der Anlage hat Berichten zufolge rund 100 Millionen Euro gekostet.

Aber 200 Millionen Dosen mRNA-Impfstoffe für was?

Die einzigen mRNA-Impfstoffe, die bisher vermarktet wurden, sind natürlich die COVID-19 mRNA-Impfstoffe; zu diesen Produkten wurden und werden unzählige Sicherheitsfragen gestellt; selbst einige ihrer eifrigsten Befürworter haben in der Zwischenzeit Zweifel an ihrer Leistungsfähigkeit geäußert, und es wird inzwischen fast allgemein, wenn auch oft nur stillschweigend, anerkannt, dass sie nicht das tun, wofür sie zugelassen wurden – nämlich COVID-19 zu verhindern; und auf jeden Fall ist die COVID-19-Pandemie, falls es sie jemals wirklich gab, seit zwei Jahren offiziell vorbei.

Warum also hat Wacker 100 Millionen Euro in eine Fabrik zur Herstellung von mRNA-Impfstoffen für einen nicht existierenden Markt investiert und wie konnte sich das Unternehmen das überhaupt leisten?

Der Wirtschaftsminister des Landes Sachsen-Anhalt, Sven Schulze, war bei der Einweihungsfeier anwesend, und selbst er schien etwas ratlos zu sein, was er da tat. “Es ist schon ein bisschen skurril”, sagte er mit einem verlegenen Lächeln gegenüber der ARD, “wir hoffen, dass sich so etwas nicht wiederholt, die COVID-Pandemie liegt hinter uns ….”.

Aber die Lösung des Rätsels liegt auf Bundesebene: in der deutschen Regierungspolitik und Großzügigkeit. Denn auch wenn der Geschmack der Öffentlichkeit an mRNA-Medikamenten, gelinde gesagt, nachgelassen hat, so ist die Hingabe der deutschen Regierung an diese Medikamente nie erlahmt. Das ist kaum verwunderlich, denn wie hier, hier und hier erwähnt, hat die deutsche Regierung die mRNA-Herstellung zu einem zentralen Bestandteil ihrer Industriepolitik gemacht, in der Hoffnung, das Land zu einem globalen “Hub” für mRNA-Impfstoffe zu machen.

So gab die Bundesregierung bereits im März 2022 bekannt, dass sie mit nicht weniger als fünf Herstellern oder Konsortien sogenannte “Pandemievorsorgeverträge” abgeschlossen hat, um Impfstoffproduktionskapazitäten für die Zukunft zu reservieren. Zu den Empfängern der Verträge gehören die führenden deutschen mRNA-Unternehmen BioNTech und CureVac (in Partnerschaft mit GSK) sowie Wacker, Celonic und IDT Biologika.

Wie die ÄrzteZeitung seinerzeit feststellte, hat “von den Anbietern nur BioNTech … bisher ein Produkt auf dem Markt”. BioNTech ist natürlich der Entwickler und legale Hersteller des Impfstoffs COVID-19, der außerhalb Deutschlands eher als “Pfizer” bekannt ist. CureVac hatte ebenfalls einen COVID-19-Impfstoffkandidaten, der jedoch keine Zulassung erhielt.

Die staatlichen Zahlungen an die Unternehmen sollen sich von 2022 bis 2029 auf insgesamt fast 3 Milliarden Euro belaufen.

Die Kapazitäten waren angeblich für den inländischen Gebrauch in Deutschland reserviert. Doch angesichts der schieren Größe der reservierten Kapazität – jedes der Unternehmen oder Konsortien hat sich zur Produktion von bis zu 80 Millionen Dosen pro Jahr verpflichtet, und BioNTech hat erklärt, dass es mindestens so viel produzieren würde – machte diese Begründung nie viel Sinn. Warum sollte ein Land mit nur 80 Millionen Einwohnern 400 Millionen oder mehr Impfstoffdosen pro Jahr benötigen?

Außerdem hat, wie bereits erwähnt, allein Wacker im Rahmen des Programms Kapazitäten für die Herstellung von bis zu 200 Millionen Dosen geschaffen. Wenn also die anderen Teilnehmer das Gleiche getan haben oder tun, werden Kapazitäten für bis zu einer Milliarde Dosen pro Jahr geschaffen.

Die neuen Kapazitäten kommen zu den Kapazitäten der bereits bestehenden mRNA-Produktionsanlage von BioNTech in Marburg hinzu, die das Unternehmen im Jahr 2020 in Erwartung der Zulassung und Einführung seines Impfstoffs COVID-19 erworben hat. Mit dieser Anlage könnte BioNTech nach eigenen Angaben jährlich rund 750 Millionen Dosen herstellen. Die Gesamtkapazität in Deutschland wird also vermutlich über 1,5 Milliarden Dosen pro Jahr betragen – offensichtlich weit mehr, als der deutsche Inlandsmarkt jemals aufnehmen könnte. Im Sinne des Impfstoff-“Hub”-Projekts ist die plausiblere Begründung für das Programm und die De-facto-Subventionen also die Schaffung und Aufrechterhaltung deutscher Kapazitäten zur Belieferung des europäischen und globalen Marktes. Dies wird auch in der ursprünglichen Pressemitteilung der deutschen Regierung indirekt zugegeben, in der es heißt, dass die Verträge “international ausbaufähig” sind und somit “mittel- und langfristig auch einen wichtigen Beitrag zur EU-weiten und globalen Impfstoffversorgung leisten werden.”