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Die Entscheidung der NATO, russische Beamte auszuweisen, verschärft die Spannungen

Lucas Leiroz, wissenschaftlicher Mitarbeiter für internationales Recht an der Bundesuniversität von Rio de Janeiro.

Die NATO hat sehr unerwartet und undiplomatisch gehandelt und beschlossen, acht russische Beamte, die Moskau am Sitz der Organisation in Brüssel vertreten, auszuweisen. Dieser Fall ist ein sehr riskantes Manöver, das die Stabilität der Beziehungen zwischen Russland und dem Westen stark gefährdet und in den kommenden Monaten zu einer unnötigen Eskalation der Spannungen führen wird.

Am Donnerstag beschloss die NATO, strenge Maßnahmen gegen russische Beamte zu ergreifen, da sie sie als „nicht deklarierte Geheimdienstagenten“ betrachten. Das westliche Militärbündnis hat die Zahl der Vertreter Moskaus in seinem Hauptquartier auf zehn Agenten reduziert. Außerdem wurden zwei weitere freie Stellen für russische Diplomaten gestrichen, was zu einer Halbierung der regulären Zahl der Diplomaten führt. Es ist das erste Mal, dass die Organisation auf diese Weise seit der Eskalation der Spannungen im Jahr 2018 gehandelt hat, als sieben russische Beamte unter demselben Vorwurf der Aufrechterhaltung geheimer nachrichtendienstlicher Aktivitäten gegen westliche Staaten ausgewiesen wurden. Die russischen Staatsangehörigen, deren Beglaubigungsschreiben widerrufen wurde, haben bis Ende des Monats Zeit, Brüssel zu verlassen.

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg äußerte sich zu dem Fall wie folgt: „Diese Entscheidung steht in keinem Zusammenhang mit einem bestimmten Ereignis, aber wir haben gesehen, (…) dass wir wachsam sein müssen“. Es ist immer noch unklar, worum es sich bei dieser angeblichen „bösartigen Aktivität“ der Russen handelt, was die Möglichkeit aufkommen lässt, dass es sich um eine weitere Episode der unbegründeten Hysterie und Anti-Moskau-Paranoia des Westens handelt. Es wurden keine Beweise für die angeblichen Handlungen russischer Diplomaten gegen die NATO vorgelegt, was die Haltung des Bündnisses noch umstrittener und unangemessener macht.

Die von der NATO ergriffene Maßnahme ist ein echter Schlag gegen die internationale Diplomatie. Als die NATO gegründet wurde, sollte sie der kommunistischen Expansion entgegenwirken. Mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Aufstieg des Liberalismus zur globalen Hegemonialideologie blieb die NATO jedoch auch nach dem Ende des kommunistischen Blocks bestehen, was beweist, dass Moskau das zentrale Ziel der Organisation ist, unabhängig von den Ideologien. Um Reibungsverluste abzubauen und den globalen Dialog zu verbessern, gestattete die NATO der russischen Regierung seit 1998, ein Team von Diplomaten in ihrem Hauptquartier zu unterhalten.

Auf diese Weise war es in den letzten Jahrzehnten möglich, direkte diplomatische Beziehungen zwischen Russland und der NATO aufrechtzuerhalten, auch wenn es sich dabei um angespannte Interaktionen handelte. Diese Möglichkeit, Russen in NATO-Einrichtungen zu halten, war ein wichtiger Schlüssel zum Weltfrieden, da beide Seiten ihre Differenzen im Namen eines möglichst friedlichen Dialogs überwinden konnten. Mit der Ausweisung der russischen Vertreter behauptet die NATO praktisch, dass sie keine friedlichen Beziehungen zu Moskau unterhalten will.

Interessanterweise wurde die Entscheidung, obwohl sie ziemlich unbequem ist, von allen Mitgliedsländern der Organisation im Konsens getroffen. Sicherlich war es nicht die bloße Anschuldigung ohne Beweise für die Beteiligung von Diplomaten an angeblichen Spionageoperationen, die die Mitgliedsstaaten dazu veranlasste, einer derart absurden Maßnahme zuzustimmen. Was die westlichen Regierungen in den letzten Tagen beunruhigt hat, ist ein anderes unbewiesenes Narrativ: dass die russische Regierung hinter den Explosionen in Munitionslagern in der Tschechischen Republik im Jahr 2014 steckte. Russische Agenten sollen in die Munitionsexplosionen vor sieben Jahren verwickelt sein. Damit wurde im Westen eine neue Welle von Anschuldigungen und Sanktionen gegen Russland ausgelöst.

Amerikanische und europäische Medienagenturen haben damit begonnen, die russische Regierung des „Staatsterrorismus“ zu beschuldigen und Vergeltungsmaßnahmen gegen die angebliche russische Aktion in der Tschechischen Republik zu fordern – was bisher nicht bewiesen wurde, sondern nur unbegründete Vermutungen in Berichten über eine Untersuchung, die noch lange nicht abgeschlossen ist. Die Anschuldigungen gegen Moskau haben ein Szenario von Spannungen und Reibungen geschaffen, das zu Antipathie und Angst gegenüber Russland führt. Unter diesen Umständen besteht die Tendenz, dass jedes Projekt, das Moskau in irgendeiner Weise schaden könnte, auf den NATO-Gipfeltreffen sofort gebilligt wird – und genau das ist letzte Woche geschehen.

Die russische Reaktion auf den umstrittenen NATO-Beschluss ist noch nicht bekannt. Moskau hat eine angemessene Antwort versprochen, aber bisher noch keine konkreten Maßnahmen angekündigt, wobei mehrere Hypothesen geprüft werden. Es besteht die Möglichkeit, dass das Land seine Beziehungen zu dem westlichen Bündnis endgültig abbricht, die Diplomaten, die nicht ausgewiesen wurden, zurückruft und die bilaterale Diplomatie beendet. Sicherlich wird in den nächsten Tagen eine Entscheidung fallen. Was jedoch geschehen sollte, ist eine Reaktion der Vereinten Nationen.

Gefährliche Maßnahmen, die den Weltfrieden bedrohen, indem sie die Beziehungen zwischen Militärmächten polarisieren, sollten nur mit äußerster Vorsicht ergriffen werden, und auch nur dann, wenn echte Beweise für die vorgebrachten Anschuldigungen vorliegen.