In einem aktuellen Interview mit Richter Andrew Napolitano für die Sendung Judging Freedom am 13. August 2025 sprach Colonel Douglas Macgregor über die aktuellen militärischen Entwicklungen in der Ukraine und die Möglichkeit eines Krieges mit dem Iran. Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte.
Der Krieg in der Ukraine: Russischer Durchbruch und das Ende des Konflikts
Colonel Macgregor beschreibt die Lage in der Ukraine als kritisch für die ukrainischen Streitkräfte. Nach einem massiven russischen Angriff am vergangenen Wochenende, der als der bisher schwerste des Krieges gilt, seien die ukrainischen Verteidigungslinien weitgehend geschwächt oder unbesetzt. Die russischen Truppen, ausgestattet mit modernster Technologie und einer überlegenen Aufklärung (Intelligence, Surveillance, Reconnaissance – ISR), bewegen sich methodisch und gezielt voran. Macgregor betont, dass die russischen Streitkräfte nicht nur Gebiete wie die vier Oblaste erobern wollen, sondern vor allem die ukrainischen Truppen vernichten.
Die russische Armee nutze eine Kombination aus Drohnen, Satelliten, Artillerie und elektronischer Kriegsführung, um ihre Flanken zu sichern und schnell vorzurücken. Die ukrainischen Kräfte seien hingegen „ausgeblutet“ und könnten kaum noch Widerstand leisten. Macgregor geht davon aus, dass der Krieg militärisch gesehen für die Ukraine praktisch verloren ist. Russland stehe vor der Erreichung seiner Ziele, insbesondere der Sicherung russischsprachiger Gebiete und der Neutralisierung der ukrainischen Armee. Strategisch wichtige Entscheidungen, wie ein Vormarsch auf Kiew oder Odessa, könnten in den nächsten Wochen folgen.
Die bevorstehende Begegnung zwischen Trump und Putin
Am Freitag soll ein Treffen zwischen Präsident Donald Trump und Wladimir Putin in Alaska stattfinden. Macgregor zeigt sich skeptisch, was die Erfolgsaussichten angeht. Er kritisiert die fehlende strategische Vision der USA seit den 1990er-Jahren, als die NATO-Erweiterung vorangetrieben wurde, ohne einen klaren Plan zur Eindämmung oder Integration Russlands. Trump, so Macgregor, sei ein brillanter Vermarkter, aber ohne tiefes Verständnis für Russland oder die komplexen internationalen Beziehungen. Die russische Seite hingegen sei gut vorbereitet und wisse genau, was sie wolle: ein neutrales, von der NATO losgelöstes Regime in Kiew, das keine Bedrohung für Russland darstellt.
Macgregor bezweifelt, dass ein vertrauensvoller Dialog möglich ist, da die USA in den Augen Russlands an Glaubwürdigkeit verloren haben. Dennoch könnten Themen wie die Wiederbelebung des INF-Vertrags oder nukleare Abrüstung zur Sprache kommen. Für Trump geht es vor allem darum, sich als „Friedensstifter“ zu präsentieren, doch die russische Seite habe die Oberhand und sei sich ihrer militärischen Überlegenheit bewusst.
Droht ein Krieg mit dem Iran?
Ein zentraler Punkt des Interviews war die Frage, ob ein Krieg mit dem Iran bevorsteht. Macgregor ist überzeugt, dass der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu einen Angriff auf den Iran plant, möglicherweise bereits im September 2025. Er verweist auf eine kürzlich gehaltene Rede Netanjahus, in der dieser die iranische Bevölkerung aufforderte, ihr Regime zu stürzen – ein klares Indiz für bevorstehende militärische Aktionen. Macgregor betont, dass Netanjahu faktisch die Kontrolle über die US-Außenpolitik in dieser Region habe, da Trump und sein Umfeld stark pro-israelisch eingestellt seien.
Die USA seien jedoch schlecht auf einen solchen Konflikt vorbereitet. Macgregor warnt, dass die amerikanischen Munitionsvorräte und militärischen Kapazitäten erschöpft seien, nicht zuletzt durch die Unterstützung der Ukraine. Im Gegensatz dazu habe der Iran seine Luftabwehrsysteme mit russischer Unterstützung erheblich verbessert, was einen Angriff riskanter mache. Macgregor kritisiert die Illusion, die USA seien eine unbesiegbare Supermacht, und verweist auf die mangelnde Produktionskapazität für Waffen und Munition im Vergleich zu Russland, das seine Produktion schnell hochfahren könne.
Die Rolle der USA in Syrien und die Verantwortung Trumps
Macgregor thematisiert auch die widersprüchliche US-Politik in Syrien. Präsident Trump hatte den Anführer der Gruppe Hayat Tahrir al-Sham (HTS), Al-Golani, als „Präsident Syriens“ bezeichnet, obwohl dieser als Kriegsverbrecher gilt. Nun wendet sich Al-Golani an Russland, um Schutz vor israelischen Angriffen zu suchen. Macgregor sieht dies als ironischen Schlag ins Gesicht der USA, die Al-Golani unterstützt haben. Russland konzentriere sich jedoch darauf, seine Interessen an der syrischen Mittelmeerküste zu sichern, und werde kaum in einen Konflikt mit Israel verwickelt werden.
Auf die Frage, ob Trump für Kriegsverbrechen in Gaza verantwortlich gemacht werden könne, antwortet Macgregor, dass die US-Regierung als Ganzes verantwortlich sei, da sie Israel unterstütze. Trump selbst habe jedoch möglicherweise kein tiefes Verständnis für die Tragweite seiner Politik. Er sei von pro-israelischen Beratern umgeben und habe nur begrenzten Spielraum, um sich den Wünschen Netanjahus zu widersetzen.
Fazit: Eine Welt am Scheideweg
Colonel Macgregor zeichnet ein düsteres Bild der aktuellen geopolitischen Lage. Während der Krieg in der Ukraine sich dem Ende nähert, mit Russland als klarem Sieger, wächst die Gefahr eines neuen Konflikts im Nahen Osten. Die USA, geschwächt durch ihre eigene Politik und mangelnde Vorbereitung, stehen vor der Herausforderung, ihre Rolle als globale Supermacht neu zu definieren. Macgregor mahnt, dass die fehlende strategische Tiefe und die Abhängigkeit von externen Akteuren wie Israel die USA in eine gefährliche Lage bringen könnten. Das Treffen zwischen Trump und Putin könnte ein Versuch sein, die Spannungen zu entschärfen, doch die Aussichten auf einen Durchbruch sind gering. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Welt einem weiteren Krieg entgegensteuert oder ob diplomatische Lösungen möglich sind.


