Die Trump-Regierung hat keine konkreten Beweise vorgelegt, um ihre Behauptung zu untermauern, die vom US-Militär zerstörten Boote hätten Drogen transportiert.
Brett Wilkins
Eine Frau, die sich als Ehefrau eines der mindestens 17 Menschen zu erkennen gab, die durch außergerichtliche Tötungen bei US-Militärangriffen auf Boote vor der Küste Venezuelas ums Leben kamen, erklärte, ihr getöteter Mann sei Fischer gewesen. Damit widersprach sie der Behauptung der Trump-Regierung, die Schiffe hätten Kokain und andere Drogen geschmuggelt.
Die New York Times berichtete am Sonntag, die ungenannte Frau habe gesagt, ihr Mann sei eines Tages weggefahren und nie zu ihr und den vier gemeinsamen Kindern zurückgekehrt. Die USA haben in diesem Monat mindestens zwei venezolanische Boote angegriffen, was zu Vorwürfen kriminellen Handelns führte.
Die Trump-Regierung hat keine stichhaltigen Beweise – wie sichergestellte Drogen oder Waffen von den angegriffenen Booten – vorgelegt, um ihre Behauptung zu untermauern, die Schiffe hätten mit Rauschgift gehandelt. Zwar ist das Gebiet, in dem die Boote bombardiert wurden, eine bekannte Route für Drogenhandel, es wird jedoch ebenso von Migranten, Menschenhändlern und Personen genutzt, die subventioniertes venezolanisches Benzin im benachbarten Trinidad und Tobago verkaufen.
Stephen Miller, stellvertretender Stabschef von Präsident Donald Trump, der Medienberichten zufolge einst Drohnenangriffe auf unbewaffnete Migranten forderte, spielte laut The Guardian eine Schlüsselrolle bei der Anordnung der Angriffe auf die Boote.
Die Angriffe erfolgten im Zusammenhang mit der Entsendung zahlreicher US-Kriegsschiffe und Tausender Matrosen und Marinesoldaten vor die Küste Venezuelas – eines Landes, dem Trump wiederholt mit Regimewechsel gedroht hat angesichts des trotzigen anti-imperialistischen Widerstands von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro. Die USA blicken auf eine über hundertjährige Geschichte der Einmischung in die Angelegenheiten Venezuelas zurück, einem der weltweit führenden Erdölproduzenten.
Quellen berichteten NBC News vergangene Woche, dass Pentagon-Beamte Optionen für Angriffe auf Drogenhändler innerhalb Venezuelas abwägen, wobei Schläge in den kommenden Wochen möglich seien.
„Noch mehr Massenmord in Planung?“, schrieb das Nachrichtenportal Venezuelanalysis als Reaktion. „Viel Spekulation und anonyme Quellen, aber es zeigt, dass kein Kriegsverbrechen tabu ist.“


