Die jüngst freigegebenen Epstein-Akten des US-Justizministeriums enthalten eine private E-Mail-Korrespondenz, die ein hochsensibles historisches Thema berührt – und zugleich Einblick in das Denken und die Gespräche globaler Eliten gibt.
Im Zentrum steht ein Austausch zwischen Jeffrey Epstein und Ariane de Rothschild vom 31. Dezember 2018. Thema: Adolf Hitler in seinen frühen Wiener Jahren – und eine Erzählung, die üblicherweise als antisemitische Verschwörungstheorie gilt. Hier zu finden.
Interesting conversation between Jeffrey Epstein and Ariane de Rothschild discussing the “conspiracy” that three powerful families supported Hitler’s rise
— MJTruthUltra (@MJTruthUltra) February 3, 2026
“I thought youd find amusing that in a harvard class on hitler they told the story of when he was so poor he lived in a… https://t.co/Y7rVUSheKW pic.twitter.com/MGlWnXTO3C
„In einem Harvard-Seminar erzählt“
Epstein eröffnet den Austausch mit dem Hinweis auf eine Vorlesung an der Harvard University. Dort sei, so schreibt er, die Geschichte erzählt worden, Hitler habe während seiner Zeit in extremer Armut in Wien in einem Obdachlosenheim für Bedürftige gelebt, das von drei wohlhabenden jüdischen Familien finanziert worden sei: Gutmann, Epstein und Rothschild.
Epstein bezeichnet diese Geschichte in seiner E-Mail als „amüsant“ – und fügt hinzu, sie habe sich aus seiner Sicht als historisch korrekt herausgestellt.
Rothschild reagiert skeptisch
Ariane de Rothschild antwortet zurückhaltend. Solche Geschichten, schreibt sie, könnten auf zwei Arten gelesen werden:
Entweder als Hinweis darauf, dass Großzügigkeit nicht belohnt werde – oder als Fortleben antisemitischer Verschwörungstheorien. Ihre Antwort markiert Distanz und Vorsicht, nicht Zustimmung.
„100 Prozent wahr“ – Epsteins zweite Mail
Nur wenige Stunden später legt Epstein nach. In einer weiteren E-Mail erklärt er ausdrücklich, die Geschichte sei „zu 100 Prozent wahr“. Er beschreibt Hitler als jemanden, der Kleidung und Kunstwerke verkaufte, um zu überleben, und betont erneut, dass es sich nicht um eine Verschwörung handele.
Epstein geht dann zu konkreten historischen Verweisen über: Die Familie Epstein, so schreibt er, sei eine Wiener Bankiersfamilie gewesen, die eine Bank an der Ringstraße erworben habe – das Gebäude ist heute als Palais Epstein neben dem österreichischen Parlament bekannt.
Dokumentierter Austausch – keine historische Klärung
Wichtig ist: Die E-Mails beweisen nicht die historische Richtigkeit der dargestellten Erzählung. Sie dokumentieren jedoch zweifelsfrei, dass Jeffrey Epstein diese Darstellung in privater Korrespondenz äußerte – und dass sie innerhalb eines elitären, transatlantischen Gesprächskreises thematisiert wurde.
Der Begriff „Verschwörung“ taucht im Austausch selbst auf – jedoch nicht bestätigend, sondern als umstrittene Deutung eines Narrativs, das Epstein ausdrücklich von sich weist, Rothschild hingegen problematisiert.
Warum dieser Austausch relevant ist
Die Brisanz liegt weniger in der historischen Behauptung selbst als in ihrem Kontext:
Ein verurteilter Sexualstraftäter mit engen Verbindungen zu Politik, Finanzwelt und Geheimdiensten diskutiert mit einer der prominentesten Vertreterinnen der europäischen Finanzelite über Narrative, die jahrzehntelang als tabu galten.
Die E-Mails zeigen, wie solche Themen hinter verschlossenen Türen verhandelt werden, während sie öffentlich entweder als Verschwörungstheorien oder als unantastbare Mythen gelten.
Ob die Geschichte historisch haltbar ist, bleibt eine Frage für unabhängige Forschung.
Dass sie in dieser Form und von diesen Akteuren diskutiert wurde, ist nun jedoch aktenkundig.


