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Geheimes US-Militärprogramm in Taiwan ist ein schwerer Affront gegen China

Geheimes US-Militärprogramm in Taiwan ist ein schwerer Affront gegen China

Von Lucas Leiroz: Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter für internationales Recht an der Bundesuniversität von Rio de Janeiro.

Einmal mehr zeigen die USA, dass sie in ihren Beziehungen zu China einen gefährlichen Schritt machen und den Weltfrieden unnötig gefährden, indem sie auf Gewalt und Interventionismus als ihre Haupttaktik setzen. Jüngsten Berichten zufolge trainieren die US-Streitkräfte in Taiwan Soldaten für einen möglichen Kampfeinsatz gegen China in naher Zukunft. Dieser Fall ist in der Tat sehr gefährlich und bedroht die internationale Sicherheit in Asien ernsthaft.

Nach Angaben einiger Medienagenturen sind amerikanische Soldaten seit dem vergangenen Jahr auf der Insel Taiwan tätig und bilden dort einheimische Soldaten für den Kampf gegen chinesische Truppen aus. Das Wall Street Journal (WSJ) berichtete, dass die Aktionen heimlich von einem reduzierten Militärkontingent durchgeführt werden. Dem WSJ zufolge besteht die Gruppe, die die Ausbildung durchführt, aus mindestens zwanzig Marinesoldaten sowie einer unbestimmten Anzahl von Kämpfern einer Spezialeinheit. Möglicherweise werden militärische Tests sowohl zu Lande als auch zu Wasser durchgeführt. Informationen über die taiwanesischen Soldaten, die an dem Programm teilnehmen, sind nach wie vor unklar – angesichts der Geheimhaltung der Operationen ist es schwierig, genaue Daten darüber zu erhalten, was wirklich auf der Insel geschieht.

Wie erwartet hat das Pentagon nicht auf die Vorwürfe reagiert und sie weder dementiert noch bestätigt. Die Äußerungen einiger US-Beamter zu dem Fall deuten jedoch darauf hin, dass es möglich ist, dass US-Militärpersonal diese Schulungen tatsächlich durchführt. So äußerte sich der Sprecher des Pentagon, John Supple, wie folgt zu dem Fall: „Unsere Unterstützung für Taiwan und unsere Verteidigungsbeziehungen mit Taiwan bleiben auf die gegenwärtige Bedrohung durch die Volksrepublik China ausgerichtet (…) Wir fordern Peking auf, seine Verpflichtung zur friedlichen Lösung der Differenzen zwischen beiden Seiten der Straße einzuhalten.“

Als pro-washingtonische Medienagentur behauptet das WSJ, das Programm sei eine Folge der amerikanischen Besorgnis über Pekings Politik gegenüber Taiwan, die als feindselig und interventionistisch bezeichnet wird. Das amerikanische Militär würde sich demnach dafür einsetzen, Taipehs Verteidigungstaktiken zu verbessern und die einheimischen Kämpfer zu befähigen, sich im Falle einer Eskalation der Spannungen oder sogar zu Beginn eines echten Krieges ihren Feinden zu stellen.

Der Fall verschärft die binationale Situation zwischen den USA und China nur wenige Tage, nachdem US-Präsident Joe Biden Gespräche mit Xi Jinping über Taiwan angekündigt hatte. Der Demokrat behauptete, er habe Xi die Erfüllung der in den 1970er Jahren eingegangenen Verpflichtung der USA zugesichert, die chinesische Vereinigungspolitik zu respektieren. Um diese Zusage Bidens zu verstehen, muss man sich daran erinnern, dass der damalige US-Präsident Jimmy Carter 1979 die Legitimität der Ein-China-Politik anerkannte und damit einem Trend in der internationalen Gesellschaft folgte, der einige Jahre nach der gleichen Anerkennung durch die UNO im Jahr 1971 einsetzte. Im selben Jahr verabschiedete der US-Kongress jedoch auch das Gesetz über die Beziehungen zu Taiwan (Taiwan Relations Act), das darauf abzielte, die inoffiziellen Beziehungen zu Taipeh unabhängig von der Situation auf dem Festland fortzusetzen und ein Handelsbüro auf der Insel einzurichten. Mit der Entdeckung eines geheimen amerikanischen Militärprogramms in Taipeh sehen wir nun also eine notorische Verletzung der Ein-China-Politik seitens der USA.

Das Argument, das den amerikanischen Interventionismus in Taiwan „rechtfertigt“, ist in der Tat völlig abwegig. Die chinesische Politik gegenüber der Insel war in den letzten Jahren wirklich vorsichtig und respektvoll, wobei Peking einen Anstieg der Spannungen vermieden hat, obwohl sich die taiwanesische De-facto-Regierung mit westlichen Mächten verbündet und an gemeinsamen Aktionen mit westlichen Militärprogrammen teilnimmt. Die Initiative zur Erzeugung von Spannungen auf der Insel scheint in den letzten Jahren von Washington auszugehen. Für die amerikanische Regierung ist es schlichtweg uninteressant, dass in Asien Frieden herrscht, denn jede Fokussierung der Spannungen auf China ist wichtig, um eine Strategie der permanenten Belagerung mit ständigem Druck auf den größten geopolitischen Rivalen der USA zu konsolidieren. Andererseits schaden Spannungen in der eigenen regionalen Einflusszone China, das dadurch Einbußen bei seiner wirtschaftlichen und diplomatischen Expansion hinnehmen muss.

Sicherlich wird die chinesische Reaktion auf den Aufenthalt amerikanischer Soldaten in Taiwan friedlich ausfallen, da die Aufrechterhaltung der internationalen Sicherheit in dieser Region zu den Hauptinteressen des chinesischen Staates gehört. Auf der anderen Seite werden jedoch mildere Maßnahmen erwartet, um die Unzufriedenheit mit der Episode deutlich zum Ausdruck zu bringen, ohne einen völligen diplomatischen Bruch zu implizieren. Auf taiwanesischer Seite wird die Abwesenheit chinesischer militärischer Pläne die derzeit laufenden Vorbereitungen zu einer echten Vergeblichkeit machen. Es ist wahrscheinlich, dass sich die Insel mehr und mehr antichinesischen Initiativen anschließen wird und vielleicht sogar an offenen Militärprogrammen in Partnerschaft mit der QUAD oder dem AUKUS teilnehmen wird.