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Israel will die fast abgelaufenen Impfstoffe, der von der PA abgelehnt wurden trozdem an die Palästinenser liefern
Reuters / Amir Cohen

Israel will die fast abgelaufenen Impfstoffe, der von der PA abgelehnt wurden trozdem an die Palästinenser liefern

Die Pfizer-Impfstoffe, die die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) am Freitag wegen des nahen Verfallsdatums ablehnte, waren identisch mit denen, die den Bürgern innerhalb Israels verabreicht wurden, sagte das Gesundheitsministerium des Landes.

Anfang der Woche hatten sich beide Seiten darauf geeinigt, dass Israel seine kurz vor dem Verfallsdatum stehenden Dosen des in den USA hergestellten Impfstoffs in das besetzte Westjordanland bringen würde, damit die PA ihre schleppende Impfkampagne beschleunigen kann. Im Gegenzug sollte der jüdische Staat frische Ampullen des Impfstoffs erhalten, die Pfizer im Herbst nach Palästina liefern sollte.

Doch nachdem die Palästinensische Autonomiebehörde am Freitag die erste Lieferung von rund 90’000 Dosen aus Israel erhalten hatte, kündigte sie den Deal mit der Begründung, dass die Impfstoffe nicht den technischen Spezifikationen entsprächen und „ihr Verfallsdatum zu nah sei“.

Am Samstag sagte das israelische Gesundheitsministerium, dass es von dem palästinensischen Schritt überrascht war. Die Dosen der Immunisierung, die an die PA gesendet wurden, waren „vollkommen gesund“ und „in jeder Hinsicht identisch mit den Impfstoffen, die derzeit an die Bürger Israels gegeben werden“, bestand es darauf.

Das Ministerium sah kein Problem in der Tatsache, dass diese Impfstoffe Ende Juni ablaufen sollten, da der Hersteller sie als vollkommen sicher für den Gebrauch ansieht. Der Rest der Dosen, die in den Deal involviert waren, waren bis Ende Juli gut.

Außerdem seien die Palästinenser vor der Lieferung über die Verfallsdaten informiert gewesen. „Wir hoffen, dass die Impfkampagne in der Palästinensischen Autonomiebehörde bald beginnen wird“, sagte das Gesundheitsministerium.

Die Nachricht über den ersten Deal löste eine Kontroverse unter den Palästinensern aus, die Israel generell nicht trauen. Einige befürchteten, dass potenziell minderwertige Impfstoffe am Ende ihre Gesundheit schädigen könnten, anstatt Schutz gegen das Coronavirus zu bieten.

Die Ankündigung, dass die Pfizer-Dosen nach Israel zurückgeschickt würden, reichte nicht aus, um die Öffentlichkeit zu beruhigen, da mehrere palästinensische Gruppen die lokalen Behörden aufforderten, gegen die Beamten zu ermitteln, die den umstrittenen Deal ausgehandelt hatten.

Das palästinensische Syndikat für Gesundheitsberufe bezeichnete das Abkommen über den Austausch von Impfstoffen mit dem jüdischen Staat als „Skandal“ und bestand darauf, dass „diese Frage geklärt werden muss“.

Der Ruf nach einer Untersuchung wurde vom National Democratic Forum unterstützt, das sagte, das Abkommen sei eine „Schande für die palästinensischen Entscheidungsträger“.

Die Palästinensische Koalition für Verantwortlichkeit und Integrität (AMAN) drückte ihre Besorgnis darüber aus, „wie sich die Geschehnisse rund um den Impfstoff-Deal auf das Ausmaß des Vertrauens der Bürger in den Prozess der Impfstoffverwaltung im Allgemeinen auswirken.“

Bisher haben etwa 30% der palästinensischen Bevölkerung im Westjordanland und im Gazastreifen mindestens eine Impfung mit dem Covid-19-Impfstoff erhalten, während etwa 55% der israelischen Gesamtbevölkerung vollständig geimpft sind.

Nach dem Scheitern des Deals mit Israel sagte die PA, sie werde weiterhin Druck auf Pfizer ausüben, damit das Unternehmen die vier Millionen Dosen des Impfstoffs, für die Palästina bereits bezahlt hat, so schnell wie möglich liefert.