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Ist Trump die USA in einen neuen Krieg hineinlügen? – Ein Gespräch mit Oberst Douglas Macgregor

Am Freitag, dem 31. Oktober 2025 – passend zum US-amerikanischen Halloween – lud der Moderator Judge Andrew Napolitano den pensionierten Oberst Douglas Macgregor zu einer zweiten Diskussion in dieser Woche in seine Sendung „Judging Freedom“ ein. Der pensionierte Offizier, der als scharfer Kritiker der US-Außenpolitik bekannt ist, analysierte aktuelle Entwicklungen in der Trump-Administration. Im Zentrum stand die Frage: Lügen Präsident Donald Trump die USA in einen neuen Krieg hinein? Macgregor warnte vor gefährlichen Fehlinformationen zu Nuklearwaffen und einer möglichen Eskalation in Venezuela. Das Gespräch, das unter dem Aspekt eines „großen Bildes“ geführt wurde, enthüllte tiefe Bedenken hinsichtlich der Wahrheitstreue der Regierung und der Gefahren einer unkontrollierten Militarisierung. Im Folgenden eine detaillierte Zusammenfassung und Analyse des Transkripts, ergänzt um aktuelle Faktenlage.

Halloween und die dunkle Realität geopolitischer Spannungen

Judge Napolitano begann die Sendung mit einem Augenzwinkern auf das Halloween-Fest, das in den USA als „verrücktes Feiertag“ bezeichnet wird. Doch rasch lenkte er auf ernste Themen um: Die jüngsten Aussagen von Präsident Trump zu Nuklearwaffen und die wachsende Militärpräsenz in der Karibik. Macgregor, der sich humorvoll als Teil einer „druidischen Familie“ outete und scherzte, er habe für das Fest „mit einigen Druidenkollegen gebrochen, weil die Jungfrauen ausgehen“, nutzte den leichten Einstieg, um die Absurdität der aktuellen Lage zu unterstreichen. „Wir navigieren unter extrem dichter Wolkendecke“, zitierte er später den ehemaligen Fed-Chef Jerome Powell, um die Unsicherheit in Washington zu illustrieren. Tatsächlich spiegelt die Sendung eine zunehmend chaotische US-Politik wider, die durch Trumps impulsive Rhetorik und eine scheinbar unkontrollierte Administration geprägt ist.

Trumps Nuklear-Aussagen: Fehlinformationen mit globalen Risiken?

Ein zentraler Punkt des Gesprächs waren Trumps Behauptungen der vergangenen 48 Stunden zu Nuklearwaffen. Der Präsident hatte auf Truth Social gepostet:
„Die Vereinigten Staaten haben mehr Nuklearwaffen als jedes andere Land. Das wurde während meiner ersten Amtszeit erreicht, einschließlich einer vollständigen Aktualisierung und Renovierung bestehender Waffen. Aufgrund der enormen Zerstörungskraft hasste ich es, das zu tun, aber ich hatte keine Wahl. Russland ist Zweiter, China ein ferner Dritter, aber es wird in fünf Jahren gleichauf sein wegen der Testprogramme anderer Länder. Ich habe das Kriegsministerium angewiesen, das Testen von Nuklearwaffen auf gleicher Basis zu beginnen. Dieser Prozess beginnt sofort.“

Macgregor widersprach scharf: „Kurz gesagt: Nein, das ist nicht korrekt.“ Er betonte, dass die USA nicht die größte Nuklearmacht sind – diese Position gebührt unzweifelhaft Russland.

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Aktuelle Schätzungen des Federation of American Scientists (FAS) für 2025 bestätigen dies: Russland verfügt über etwa 5.580 Nuklear-Sprengköpfe, davon rund 4.380 im aktiven Bestand und 1.549 strategisch deployt.

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Die USA folgen mit 5.225 Sprengköpfen, von denen 3.748 aktiv sind.

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China liegt mit etwa 600 Sprengköpfen weit zurück, wächst jedoch rasch und könnte bis 2030 auf 1.000 ansteigen.

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Trumps Behauptung, die USA hätten durch seine erste Amtszeit (2017–2021) die Führung übernommen, ist unhaltbar; die Arsenale sind seit den 1990er-Jahren stabil oder rückläufig.

Noch brisanter ist Trumps Ankündigung, Tests „sofort“ zu beginnen. Macgregor wies darauf hin, dass etablierte Nuklearmächte wie die USA, Russland oder China keine Tests benötigen, da ihre Waffen zuverlässig sind. „Die, die testen wollen, sind die, die sie entwickeln“, sagte er. Zudem widerspricht dies dem Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty (CTBT) von 1996, den die USA zwar unterzeichnet, aber nicht ratifiziert haben – dennoch eingehalten.

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Tatsächlich hat Trump am 30. Oktober 2025 den Teststopp nach 33 Jahren beendet und das Pentagon angewiesen, Tests „auf gleicher Basis“ mit Russland und China durchzuführen.

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Experten warnen vor einem neuen Wettrüsten: Russland testete kürzlich eine nuklearbetriebene Marschflugkörper (Burevestnik), ohne jedoch eine Kernexplosion durchzuführen.

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Napolitano fragte: „Haben wir nicht genug Spannungen? Brauchen wir nicht Kooperation mit Russland?“ Macgregor stimmte zu und erinnerte an die Worte eines französischen Nuklearpioniers: „Man braucht nur einen Sprengkopf. Einer reicht, um die Erde zu zerstören.“

Diese Aussagen Trumps wirken wie eine unüberlegte Provokation, möglicherweise geboren aus Frustration über Lieferengpässe bei konventionellen Waffen („Man kann Raketen nicht drucken“, bemerkte Macgregor). Sie erhöhen das Risiko eines nuklearen Missverständnisses in einer ohnehin angespannten Weltlage.

Der Weg in den Krieg: Lügen über Venezuela als Vorwand?

Der Kern der Diskussion war die Frage, ob Trump die USA in einen neuen Krieg lügt – speziell mit Venezuela, aber auch potenziell mit Iran. Macgregor bezog sich auf historische Präzedenzfälle wie den Golf-von-Tonkin-Zwischenfall 1964, der die USA in den Vietnamkrieg hineinlugte: „Das war eine große Lüge.“ Ähnlich sehe er die aktuelle Rhetorik zu Venezuela: „Das ist eine große Lüge.“

Trump hat kürzlich erklärt, die USA seien in einem „bewaffneten Konflikt“ mit Drogenkartellen und würden „Menschen töten, die Drogen ins Land bringen“
Er prahlt mit Strikes gegen Boote vor Venezuelas Küste, die angeblich Drogen transportieren, und deutet Landoperationen an: „Wir werden sie töten. Sie werden tot sein.“

Berater wie Stephen Miller vergleichen dies mit der Zerstörung des ISIS-Kalifats: „Venezuela ist ein Drogen-Kalifat in unserem Hinterhof.“ Maduro wird als „indizierter Drogendealer“ diffamiert, und die USA haben CIA-Operationen autorisiert

Macgregor und Napolitano kritisierten dies als „außergerichtliche Tötungen“ – vergleichbar mit Praktiken in China oder Iran.

Senator Rand Paul, in einem Clip zitiert, forderte: „Der Kongress muss über Krieg abstimmen. Das sind extrajudizielle Hinrichtungen ohne Beweise.“ Paul und Senator Tim Kaine warfen der Administration vor, den Kongress nicht zu briefen.

Macgregor ergänzte: „Wir wissen nicht, wen wir töten. Es ist wie ein Betrunkener in einer Glasfabrik.“

Die Begründung – Drogenkartelle als „National Security Threat“ – dient als Deckmantel für Regimewechsel, so Macgregor. Ähnlich wie Lyndon B. Johnson 1964 Barry Goldwater um Unterstützung bat, um den Vietnamkrieg zu starten, fehlt hier echte Debatte. „Amerikaner jubeln, wenn man sagt: ‚Wir jagen Drogenlords‘, aber sie kennen die Details nicht.“ Historisch: Johnson log über den Tonkin-Zwischenfall; ein Navy-Kommandant warnte den Senat vergeblich.

Zu Iran: Macgregor fragte, ob Trump zurückrudert, nachdem er den Israel-Iran-Konflikt nicht beendet habe. „Wir haben so viele Lügen über Iran erzählt.“ Doch der Fokus lag auf Venezuela.

Militärische Eskalation: Was steckt hinter dem Aufmarsch?

Die USA haben eine massive Militärpräsenz aufgebaut: 10.000 Truppen in Puerto Rico, die USS Gerald R. Ford (größter Flugzeugträger der Welt) dampft Richtung Karibik, F-35-Jets, B-52-Bomber und U-Boote.

Schon gab es Strikes gegen Boote, die 40 Menschen töteten. Trump tweetete: „Wir invadiere Venezuela nicht“, doch Macgregor: „Wer glaubt das?“ Die Kräfte reichen für Strikes, nicht für eine Invasion (die mindestens 50.000 Truppen bräuchte. Macgregor bezweifelte legitime Ziele: „In Venezuela gibt es kaum militärische Targets – zwei Tage Strikes, und es ist vorbei.“ Dann würde man Brücken, Häfen schlagen – wie im Kosovo-Krieg 1999. Zweck? Maduro festnehmen? Edmée Machados Palast sichern? „Das Ganze ist verrückt.“

Napolitano erinnerte an Präzedenzfälle: Obama tötete Anwar al-Awlaki, Trump Soleimani – ohne Anklage. „Ein Präzedenzfall für AOC oder Newsom, um es gegen Unschuldige zu wenden.“

Der Kongress: Ohne Checks and Balances?

Ein Kernproblem: Der Kongress versagt. „Checks and Balances funktionieren nicht“, klagte Macgregor. Napolitano erzählte die Anekdote von Charlie Rangel unter Obama: Bei der Libyen-Intervention (Hillary Clintons „We came, we saw, he died“) sagte Rangel: „Erfolgreich? Wir applaudieren. Misserfolg? Seine Schuld.“ James Madison warnte vor Präsidenten ohne „erleuchtete Führung“.

Paul und Kaine fordern Briefings, doch Trump: „Der Kongress wird es lieben, außer die radikale Linke.“ Macgregor: „Er könnte eine Kriegserklärung gegen Drogenhandel beantragen – und sie bekäme breite Unterstützung. Aber er tut es nicht.“

Innere Bedrohungen und ein unsicheres Washington

Am Rande thematisierten sie Stephen Miller, Trumps Berater, der in Offiziersquartieren auf Militärbasen lebt – ungewöhnlich, aber verständlich angesichts von 47 Millionen Food-Stamp-Empfängern, Government Shutdown und Bedrohungen durch Antifa.

„Wir haben nicht genug Polizei“, sagte Macgregor.