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KI verdrängt die Bildagenturen: Getty Images steht vor Insolvenzverfahren – und verschwindet von der Börse

Der Aufstieg künstlicher Intelligenz setzt die traditionelle Bildindustrie zunehmend unter Druck. Jetzt steht ausgerechnet Getty Images, einer der weltweit grössten Anbieter von Fotos, Videos und Illustrationen, vor einem Insolvenzverfahren nach Chapter 11. Während KI-Systeme Bilder in Sekunden erzeugen, muss der einst mächtige Bildkonzern seine Schulden restrukturieren und sich von der Börse zurückziehen.

Getty Images hat am 12. Oktober 2026 eine umfassende finanzielle Restrukturierung angekündigt. Das Unternehmen plant, in den kommenden Wochen ein vorbereitetes Insolvenzverfahren nach Chapter 11 des amerikanischen Insolvenzrechts einzuleiten. Die Getty-Familie und Koch Equity Development wollen bis zu 533 Millionen Dollar neues Eigenkapital bereitstellen. Gleichzeitig haben Gläubiger zugestimmt, unbesicherte Anleihen im Umfang von 270 Millionen Dollar abzubauen, Zinskosten zu senken und Laufzeiten bestehender Kredite zu verlängern. Nach Abschluss der Restrukturierung, der bis Ende 2026 erwartet wird, soll Getty Images vollständig in Privatbesitz übergehen.

Der Schritt markiert einen tiefgreifenden Einschnitt für ein Geschäftsmodell, das jahrzehntelang auf der kostenpflichtigen Lizenzierung professioneller Bilder beruhte. Nachrichtenredaktionen, Werbeagenturen und Unternehmen zahlten für Fotografien, Illustrationen und Videomaterial. Doch generative KI verändert diesen Markt grundlegend. Was früher aufwendig gesucht, eingekauft und lizenziert werden musste, lässt sich heute vielfach innerhalb weniger Sekunden künstlich erzeugen – häufig zu einem Bruchteil der bisherigen Kosten.

ZeroHedge sieht darin eine unmittelbare Bedrohung für das traditionelle Geschäft von Getty Images. Seit dem Start von ChatGPT Ende 2022 habe die Aktie massiv an Wert verloren. Auch Konkurrenten wie Shutterstock und Adobe Stock stünden unter zunehmendem Druck, weil KI-generierte Bilder klassische Stockfotos ersetzen und die Preise für Bildlizenzen unter Druck setzen könnten.

Allerdings wäre es verkürzt, die finanzielle Krise von Getty Images ausschliesslich auf künstliche Intelligenz zurückzuführen. Das Unternehmen kämpft auch mit einer hohen Schuldenlast, erheblichen Zinskosten und den Folgen einer gescheiterten Fusion mit Shutterstock. Getty hatte zuletzt Zinszahlungen ausgesetzt und befand sich bereits vor der angekündigten Restrukturierung in finanziellen Schwierigkeiten. KI verschärft den wirtschaftlichen Druck, ist aber nicht als alleinige Ursache des Insolvenzverfahrens belegt.

Besonders bemerkenswert ist, dass Getty Images selbst versucht hat, vom KI-Boom zu profitieren. Das Unternehmen schloss im Juni eine Lizenzvereinbarung mit OpenAI, um seine Bildbestände in KI-gestützten Such- und Entdeckungsfunktionen verfügbar zu machen. Dennoch konnte dieser Schritt die finanziellen Probleme bislang nicht lösen.

Die Restrukturierung bedeutet allerdings nicht, dass Getty Images seinen Betrieb einstellt. Das Unternehmen will seine Dienstleistungen fortführen und rechnet damit, dass Kunden, Mitarbeiter, Fotografen und Geschäftspartner nicht unmittelbar betroffen sein werden. Zur Finanzierung des Verfahrens stehen zusätzlich bis zu 143 Millionen Dollar bereit.

Der Fall Getty Images zeigt damit einen grundlegenden Wandel: Künstliche Intelligenz bedroht nicht nur einzelne kreative Berufe, sondern verändert die wirtschaftlichen Grundlagen ganzer Branchen. Ein Unternehmen, das jahrzehntelang mit dem Verkauf visueller Inhalte Geld verdiente, muss sich nun in einer Welt behaupten, in der Maschinen immer mehr dieser Inhalte selbst erzeugen können.