Kein Waffenstillstand – Israel sabotiert Verhandlungen, Iran kontrolliert die Straße von Hormuz
In der Ausgabe von „Judging Freedom“ vom 9. April 2026 analysierte der investigative Journalist und Grayzone-Herausgeber Max Blumenthal gemeinsam mit Richter Andrew Napolitano die dramatische Lage im Nahen Osten.
Im Zentrum stand die Behauptung eines Waffenstillstands zwischen den USA und Iran, die nach Ansicht beider Gesprächspartner nicht der Realität entspricht.
Stattdessen zeichneten sie ein Bild von israelischer Sabotage, US-amerikanischer Schwäche und einem strategischen Sieg Irans durch die Kontrolle der Straße von Hormuz.
Auftakt: Die Frage nach dem Waffenstillstand
Judge Andrew Napolitano eröffnete das Gespräch mit der direkten Frage:
„Gibt es derzeit einen Waffenstillstand zwischen den Vereinigten Staaten und Iran?“
Max Blumenthal antwortete klar:
„Nein, es gibt keinen Waffenstillstand.“
Er verglich die Situation mit den Pausen im Gaza-Krieg, die Israel genutzt habe, um sich neu zu bewaffnen und zu mobilisieren.
Nun sehe man Ähnliches: US-Marines würden in die Region verlegt, während Israel kurz davor gewesen sei, seine Abfangraketen zu verbrauchen und Iran an Momentum gewonnen habe.
Die USA hätten über Pakistan den Eindruck eines Waffenstillstands erwecken wollen.
Dies habe Donald Trump ermöglicht, die Märkte zu manipulieren – ein Insider aus dem Weißen Haus habe fast eine Milliarde Dollar auf fallende Brent-Ölpreise gewettet, unmittelbar nachdem Trump Irans 10-Punkte-Plan des Nationalen Sicherheitsrats als Grundlage für Verhandlungen akzeptiert habe.
Diplomatische Vorgänge und der „Sharif-Entwurf“
Blumenthal ging detailliert auf die diplomatischen Vorgänge ein:
Das US-Außenministerium habe dem pakistanischen Ministerpräsidenten Shehbaz Sharif einen Entwurf der Waffenstillstandsbedingungen geliefert.
Sharif oder jemand aus seinem Umfeld habe diesen Entwurf auf X gepostet – inklusive der Überschrift „Terms for Sharif“.
Der Tweet wurde später bearbeitet, doch der ursprüngliche Inhalt blieb sichtbar.
Die Bedingungen hätten Libanon ausdrücklich eingeschlossen.
Sowohl die USA als auch Iran hätten über Pakistan Libanon als Teil des Abkommens akzeptiert.
Israelische Angriffe und Eskalation
Blumenthal beschrieb die unmittelbare israelische Reaktion als einen der schlimmsten Massaker der jüngeren Geschichte:
Über 250 Tote und mehr als 1.200 Verletzte in nur 24 Stunden, darunter Familien, die vor Krankenhäusern auf die Identifizierung von Leichen warteten.
Israel habe nicht nur das schiitische Viertel Dahieh in Beirut angegriffen, sondern auch christliche und gemischte Gebiete wie Ain Mreisse, die Corniche und ein Einkaufszentrum.
Ein bekannter libanesischer Dichter und ihr Ehemann seien getötet worden, ganze Familien in ihren Häusern ausgelöscht, sogar ein Begräbnis auf einem Friedhof mit einer 500-Pfund-Bombe bombardiert.
Das Ziel sei klar gewesen: Den Waffenstillstand zu sabotieren und Iran zur Verteidigung seines Verbündeten zu provozieren.
Reaktion des Weißen Hauses
Blumenthal kritisierte die Reaktion des Weißen Hauses scharf, insbesondere die von Vizepräsident JD Vance:
Dieser habe behauptet, es handele sich um ein „Missverständnis“ und die Bedingungen seien „AI-generierter Müll“ gewesen.
Vance habe erklärt, der Waffenstillstand habe sich nur auf Iran und die US-Verbündeten Israel und die Golfstaaten bezogen – Libanon sei nie Teil davon gewesen.
Die Israelis würden sich nun „ein wenig zurückhalten“, um die Verhandlungen zu unterstützen, nicht weil es Teil des Abkommens sei.
Max Blumenthal nannte diese Aussagen eine glatte Lüge:
„JD Vance lügt durch die Zähne.“
Die Dokumente auf Sharifs Account bewiesen das Gegenteil.
Libanon sei durch die israelische Bodeninvasion nach dem Erhalt US-amerikanischer Unterstützung Teil des Krieges geworden.
Hisbollah verteidige lediglich den Libanon.
Vance sei nicht nur unehrlich, seine Aussagen seien „disqualifizierend“ für eine mögliche Präsidentschaft.
Blumenthal äußerte Zweifel an Vances Einfluss gegenüber den „ideologisch zionistischen“ Verhandlern Jared Kushner und Witoff, die gerade nach Islamabad flögen.
Netanyahus Rolle
Blumenthal zitierte Netanyahu, der öffentlich betonte, der Waffenstillstand gelte nicht für Libanon, und mit den massiven Angriffen prahlte.
Israel habe versucht, Hisbollah-Generalsekretär Naim Qassem zu töten, sei aber gescheitert und habe stattdessen Zivilisten massakriert.
Die Bodenoffensive im Südlibanon stocke, die Armee zerfalle, Reservisten blieben aus, Verluste würden vertuscht, Hubschrauber gingen verloren und Merkava-Panzer würden erstmals massiv von FPV-Drohnen getroffen.
Israel kompensiere dies mit „performativen Massakern“ aus der Luft.
Schäden und Zensur
Auf die Frage Napolitanos nach Schäden durch iranische Raketen und Drohnen in Israel antwortete Blumenthal, Iran ziele primär auf US-Einrichtungen.
Die USA versteckten ihre F-35s auf der Nevatim-Basis.
Iran habe Awacs, C-130 und teure Radarsysteme auf US-Basen zerstört.
Die extreme Zensur in Israel verhindere genaue Informationen – sogar Fotos von Einschlägen könnten zu Spionagevorwürfen führen.
Er stellte die Frage, ob der Abschuss eines F-15E über Iran mit möglichen Verlusten von F-35s am Boden zusammenhänge.
Planet Labs weigere sich, Satellitenbilder freizugeben.
Vorgeschichte des Krieges
Blumenthal schilderte die Vorgeschichte anhand eines New-York-Times-Berichts:
Netanyahu und Mossad-Chef David Barnea hätten Trump und seine Berater mit Desinformation über ein angeblich unmittelbar bevorstehendes iranisches Atomwaffenprogramm gefüttert.
In einer Lagebesprechung am 11. Februar habe Netanyahu Trump gedrängt, einen Regime-Change-Krieg zu genehmigen.
Trump habe zugestimmt, ohne dass jemand widersprochen habe.
Bilanz des Krieges
Blumenthal zog Bilanz:
Nach über sechs Wochen habe die USA den Krieg verloren.
Kein Regime-Change, kein Verlust des angereicherten Urans, keine Schwächung der ballistischen Raketen, die Straße von Hormuz vollständig unter iranischer Kontrolle.
Iran sei stärker als zuvor, setze nun ein Mautsystem durch und erhalte de-facto Sanktionserleichterung durch militärische Stärke.
Trump versuche lediglich, sich über Krypto-Kanäle an den Einnahmen zu beteiligen.
Geopolitische Entwicklungen
Blumenthal sah positive Entwicklungen für Iran:
Spanien eröffne eine Botschaft in Teheran, diplomatische Isolation ende, Frankreich suche Kanäle zum Libanon.
Innerhalb Irans gebe es jedoch weiterhin Forderungen nach Vergeltung für Libanon.
Die Demokraten distanzierten sich vom Anti-Kriegs-Protest, attackierten Trump von rechts und zeigten sich unprinzipiell.
Eine Mehrheit der Demokraten-Wähler lehne Israel inzwischen ab.
Fazit
Max Blumenthal schloss mit scharfer Kritik:
Netanyahu zerstöre Trumps Präsidentschaft ähnlich wie zuvor Biden und Harris.
Die „Responsibility-to-Protect“-Doktrin sei entlarvt als bloße Rechtfertigung für imperiale Rohgewalt.
Selbst persisch-amerikanische Exilanten distanzierten sich nun von Trump.
Das Gespräch unterstrich eine tiefgreifende Krise: Israel diktiere weiterhin wesentliche US-Entscheidungen, während Iran strategisch die Oberhand gewonnen habe und die globale Energieversorgung kontrolliere.


