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Oberst a.D. Doug Macgregor warnt: US-Bodentruppen könnten im Iran in eine tödliche Falle laufen

In einem aktuellen Interview mit dem Militärexperten Daniel Davis („Deep Dive“) warnt der hochdekorierte US-Oberst a.D. Douglas Macgregor eindringlich vor einer möglichen Bodenoffensive amerikanischer Truppen im Iran. Er vergleicht die geplanten Operationen – etwa die Besetzung von Inseln oder die Kontrolle der Straße von Hormus – mit historischen Desastern wie der Gallipoli-Kampagne von 1915 und der Normandie-Invasion 1944. Trotz aller technischen Überlegenheit der USA könnten Bodentruppen, so Macgregor, in eine Falle geraten, aus der es kein einfaches Entkommen gibt. Das folgende Transkript-Auszug (ab Minute 11:52) bildet den Kern seiner Mahnung – und zeigt, warum selbst scheinbar überlegene Militäroperationen extrem riskant sind.

Die historische Lektion aus der Normandie – und ihre bittere Aktualität

Macgregor erinnert zunächst an die Vorgeschichte der alliierten Landung in der Normandie im Juni 1944. Bis dahin war die deutsche Luftwaffe im Westen praktisch ausgelöscht:

„Alle vergessen, dass es vor unserem Einmarsch in die Normandie fast keine deutsche Luftwaffe mehr in Westeuropa gab … Als wir im Juni 1944 in der Normandie landeten, gab es in der deutschen Luftwaffe nur noch zwei Jagdflugzeuge, die starten und gegen uns kämpfen konnten … 1943, bevor dies geschah, gab es noch Hunderte, ja sogar Tausende von Jagdflugzeugen, die uns enormen Schaden hätten zufügen können… Aber alles befand sich an der Ostfront. Im Westen war nicht mehr viel übrig. Und was war dort? Nun, es war einfach nicht die Spitzenklasse.“

Trotz dieser dramatischen Schwächung des Gegners und trotz massiver eigener Luftüberlegenheit – die Alliierten hatten 5.000 Jagdflugzeuge über der Normandie im Einsatz – gelang es den Deutschen, die Invasionstruppen über einen Monat lang aufzuhalten.

„Wir hatten 5.000 Kampfflugzeuge über der Normandie in der Luft. Trotzdem haben uns die Deutschen über einen Monat lang aufgehalten. Und zu einem bestimmten Zeitpunkt sah es so aus, als könnten sie uns ins Meer treiben.“

Macgregor zieht daraus eine klare Schlussfolgerung, die er direkt auf mögliche US-Operationen im Iran überträgt:

„Wir müssen also verstehen, dass solche Operationen extrem gefährlich und sehr schwer durchzuführen sind. Und ich hoffe, dass irgendwo jemand den … davon erzählt.“

Warum der Iran zur Falle werden könnte

Der Oberst stellt klar: Moderne Kriegsführung verlangt nicht nur Luftüberlegenheit, sondern totale Dominanz in der Aufklärung (ISR), die Zerstörung feindlicher Raketen-, Drohnen- und Satellitenunterstützung sowie die vollständige Kontrolle über das Gelände. Genau diese Bedingungen fehlen im Iran-Szenario.

Iran verfügt über ein riesiges Arsenal an ballistischen Raketen, Marschflugkörpern, unbemannten Systemen und mobilen Abschussrampen – viele davon in unterirdischen Anlagen. Hinzu kommen die topografischen Vorteile: steile Klippen an den Küsten, enge Meerengen und ein Gelände, das Verteidiger begünstigt – ähnlich wie bei Gallipoli, wo britische und alliierte Truppen trotz massiver Überlegenheit in einer katastrophalen Falle landeten.

Macgregor kritisiert die aktuellen Planungen scharf: Die USA schicken leichte Infanterie-Einheiten (z. B. Marines vom 31st MEU oder Teile der 82nd Airborne) mit amphibischen Schiffen wie der USS Tripoli oder USS New Orleans. Solche „light and fast“-Operationen sollen Inseln oder Teile der Straße von Hormus sichern. Doch ohne vorherige vollständige Ausschaltung der iranischen Bedrohungen wären diese Truppen extrem verwundbar – durch Präzisionsschläge, Drohnen-Schwärme oder sogar Schnellboote und Unterwasserfahrzeuge. Selbst wenn die USA kurzfristig Erfolge erzielen, könnte eine Besetzung nicht dauerhaft gehalten werden. Die Geschichte zeige, so Macgregor, dass man solche Ziele nicht „im Vorbeigehen“ erobern könne.

Die politische Dimension und die Gefahr der Selbsttäuschung

Der pensionierte Oberst, ehemaliger Berater des Verteidigungsministers und hochdekorierter Kampfveteran, sieht in der Debatte um Bodentruppen im Iran ein wiederholtes Muster westlicher Selbstüberschätzung. Man vergesse die Lektionen von Gallipoli (über 300.000 türkische Verteidiger, schweres Artilleriefeuer, Geländevorteil) und der Normandie.

Statt die Realität anzuerkennen – dass Iran auf russische und chinesische Unterstützung zurückgreifen kann, über ein nahezu unerschöpfliches Raketenarsenal verfügt und bereit ist, asymmetrisch zu kämpfen –, setze man auf Illusionen von „schnellem Sieg“.

Macgregor fordert deshalb: Jemand müsse den Verantwortlichen in Washington diese harten Fakten klar und deutlich vortragen. Bodentruppen in den Iran zu schicken, ohne die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, wäre nicht nur militärisch hochgefährlich – es könnte zu einem strategischen Desaster führen, das Tausende amerikanische Soldaten das Leben kostet und die Region weiter destabilisiert.

Fazit

Colonel Doug Macgregors Warnung ist kein pazifistischer Appell, sondern die nüchterne Analyse eines erfahrenen Militärstrategen. Die Normandie zeigte selbst unter idealen Bedingungen: Bodenoperationen gegen einen entschlossenen Gegner sind teuer, blutig und unvorhersehbar.

Im Iran, wo die Voraussetzungen deutlich ungünstiger sind, droht eine Falle, die weit größer sein könnte als alles, was die USA seit Jahrzehnten erlebt haben. Ob diese Mahnung Gehör findet, bleibt abzuwarten – die Geschichte lehrt jedoch, dass man solche Stimmen besser nicht ignoriert.