Am 25. September 2025, einem Donnerstag, der von globalen Spannungen geprägt war, moderierte der ehemalige Richter Andrew Napolitano seine Sendung Judging Freedom. Der Gast: Der renommierte Politikwissenschaftler John Mearsheimer von der University of Chicago, ein führender Vertreter des Realismus in den Internationalen Beziehungen. Das Thema: „Ist Ukraine Trumps Krieg?“ Mearsheimer, bekannt für seine schonungslose Kritik an der US-Außenpolitik, zerlegt in diesem Gespräch die Verflechtungen zwischen Washington, Jerusalem und Kiew. Vor dem eigentlichen Interview wirbt Napolitano für Gold als Schutz vor sinkenden Fiat-Währungen – ein Hinweis auf die wirtschaftliche Unsicherheit, die den Hintergrund des Gesprächs bildet. Der Dialog, der sich über Nahost, die Ukraine und US-Interventionen erstreckt, ist eine Lektion in Machtpolitik: Reden sind billig, Interessen entscheiden.
Mearsheimer, der bereits 2014 in Foreign Affairs argumentierte, dass die NATO-Osterweiterung den Ukraine-Konflikt provoziert habe, warnt erneut vor den Folgen einer Politik, die amerikanische Interessen opfert. Dieses Gespräch, das kürzlich auf Plattformen wie YouTube viral ging, beleuchtet, wie Donald Trump sich aus dem Ukraine-Sumpf zu manövrieren versucht, während der Einfluss Israels die US-Politik weiter vergiftet. Im Folgenden fassen wir die zentralen Punkte detailliert zusammen und analysieren ihre Implikationen für die globale Ordnung.
Der Schatten Netanyahus: Trumps Versprechen an arabische Führer und die Illusion der Kontrolle
Das Gespräch beginnt mit Trumps jüngster Äußerung – nur Stunden vor der Sendung – dass er die israelische Annexion des Westjordanlands ablehne. Berichten zufolge habe Trump dies arabischen Staatschefs und Außenministern bei einem Treffen in der UN mitgeteilt. Doch Mearsheimer zerpflückt diese Rhetorik mit scharfer Präzision: „Warum fordern diese arabischen Leader nicht, dass er den Genozid beendet? Die Annexion ist wichtig, aber der Genozid ist das zentrale Thema.“
Noch pointierter wird es, wenn Mearsheimer Trumps Versprechen gegenüber Netanyahu beleuchtet: „Angenommen, Trump sagt klar: Keine Annexion. Und Netanyahu ignoriert es? Trump wird nachgeben. Netanyahu hat Trump um den Finger gewickelt.“ Der Professor erinnert an die Dynamik der Macht: Versprechen an Dritte sind hohl, solange Israel die Fäden zieht. Ein kürzlicher Clip von Tucker Carlson unterstreicht dies dramatisch. Carlson berichtet, Netanyahu habe im Nahen Osten und zu Hause geprahlt: „Ich kontrolliere die USA. Ich kontrolliere Trump.“ Carlson, selbst Trump-Wähler, nennt es „demütigend“ für ein Land von 350 Millionen Menschen, von einer Nation mit neun Millionen Einwohnern gesteuert zu werden.
Mearsheimer stimmt zu: „Netanyahu hat das gesagt, und frühere Leader wie Ariel Sharon auch. Es ist offensichtlich – sie besitzen uns.“ Er kritisiert die „Israel-Lobby“ (AIPAC und Verbündete) als unakzeptablen Einflussfaktor, der die US-Außenpolitik von nationalen Interessen ablenkt. „Wir sollten Israel unterstützen, wenn es unseren Interessen dient – nicht bedingungslos.“ Stattdessen, so Mearsheimer, wird die US-Politik von Israels Agenda diktiert, was globale Konsequenzen hat: Von der Unterstützung im Gaza-Krieg bis hin zu Entscheidungen über Militäreinsätze.
Der Verstoß gegen den Gesellschaftsvertrag: Loyalität und die Israel-Lobby
Philosophisch vertieft Napolitano das Thema: Dies verletze den „Sozialvertrag“, wonach gewählte Vertreter das US-Interesse vertreten müssten. Mearsheimer erweitert dies: Es gebe einen zweiten Vertrag – die Loyalität der Bürger gegenüber dem Staat. Doch Teile der Israel-Lobby, darunter nicht nur Juden, sondern auch christliche Zionisten wie Mike Huckabee oder Speaker Mike Johnson, priorisierten Israel über die USA. „Das ist ein Verstoß. Als US-Bürger muss man ‚America First‘ sein.“
Besonders eklatant sei es bei Amtsträgern wie Johnson: „Sie beeinflussen Entscheidungen über Leben und Tod US-Soldaten, basierend auf Israels Interessen.“ Mearsheimer fordert eine Rückbesinnung: Außenpolitik müsse rein auf US-Interessen ausgerichtet sein, nicht auf die eines Fremdstaats. Die Lobby, die über die Hälfte des Kongresses umspannt, mache dies unmöglich. Würde Trump öffentlich gegen eine Westjordan-Annexion wettern, würde AIPAC ihn nicht frontal angreifen – aber bei Konflikt mit Netanyahu stünde die Lobby bei Letzterem.
Iran: Doppelmoral und das Ziel der Zerstörung
Ein Clip vom iranischen Präsidenten unterbricht: „Iran strebt keine Nuklearwaffen an – basierend auf dem Fatwa des Obersten Leaders.“ Er wirft Israel vor, die Region zu destabilisieren, während Iran bestraft werde. Mearsheimer: „Das geht in Tel Aviv und Washington zum einen Ohr rein, zum anderen raus.“ Israel fürchte nicht nur Bomben, sondern jede Urananreicherung – auch für zivile Zwecke. „Warum darf Israel Atomwaffen haben, ohne Inspektionen?“
Er antworte mit Realismus: „Das ist Internationale Politik – unfair, aber so ist es. USA, Pakistan, Indien haben es auch.“ Doch der Kern: Selbst bei Nachweis der Friedlichkeit (wie im JCPOA) wolle Israel die Anreicherung stoppen. Zweitens: „Israel will Iran zerstören, nicht nur entkernen. Sie wollen es zu einem neuen Syrien machen.“ Dies erkläre Sabotageakte und Angriffe – ein langfristiges Ziel, das Trump und Netanyahu teilen könnten.
Ukraine: Trumps Ausstieg aus einem verlorenen Krieg
Der Kern des Titels: Ein Truth-Social-Post Trumps, in dem er schreibt, Ukraine könne mit EU- und NATO-Unterstützung „kämpfen und gewinnen“, alle Gebiete zurückerobern – sogar mehr. Mearsheimer: „Absurd. Unvorstellbar. Er sagt nicht, wie.“ Wichtiger: Trump wasche seine Hände in Unschuld. „Er kann keinen Deal mit Putin machen, weil Ukrainer und Europäer nicht mitspielen. Also muss es auf dem Schlachtfeld entschieden werden – und er schiebt es den Europäern zu.“
Beachte: „Mit Unterstützung der EU“ – nicht der USA. NATO erwähnt er, aber finanziell, und betont: „Ich gebe Geld an Europäer weiter, die es an Ukraine geben, wie sie wollen. Viel Glück.“ Das sei Distanzierung: „Es ist nicht mein Krieg – es ist Bidens.“ Trump wisse, Ukraine verliere, und wolle nicht schuld sein. Er stoppe keine Waffen, um später sagen zu können: „Ich habe geholfen.“
Sanktionen? Ignoriert. „Sie waren der Zauberstab, der scheiterte – sie haben Russland gestärkt.“ Trump schütze sich: „Ich will Sanktionen gegen Indien/China, aber Europäer nicht. Also tu ich’s nicht allein.“ Ein Clip zeigt Trumps Unwissen über US-Uranimporte aus Russland (755 Mio. Dollar 2025): „Europa soll Öl kaufen? Aber wir Uran?“ Mearsheimer: „Trump kümmert’s nicht – Konsistenz ist für kleine Geister.“
Venezuela und die Tradition der Interventionen
Zum Abschluss: Warum US-Flotte vor Venezuela? Mearsheimer: „Regime Change? Ein Fehler. Maduro ist keine Bedrohung – wie Noriega damals.“ Linke oder anti-US-Regime im Westen werden immer umgestoßen – dumm, da sie keine Gefahr darstellen. Trump brauche keine Kriegserklärung; Guaidó, der „Liebling“ der USA, studiere nun in Miami. Mearsheimer spottet: „Sie holen Anwälte von der University of Chicago für eine ‚legale‘ Begründung.“ Und die Morde an Speedboot-Fahrern? „Keine Rechtfertigung vom DOJ. Wir imitieren Israel – wir schießen zuerst, fragen nie.“
Schluss: Eine Warnung vor der Verflechtung von Mächten
Mearsheimers Analyse ist ein Appell an den Realismus: Staaten handeln aus Eigeninteresse, nicht Moral. Trump manövriere geschickt aus der Ukraine-Falle, doch der Israel-Einfluss bleibe giftig. Wie in früheren Werken (z. B. The Israel Lobby mit Stephen Walt) fordert er: Beendet die bedingungslose Unterstützung.
Der Podcast endet optimistisch – Napolitano kündigt Jeffrey Sachs an –, doch die Botschaft hallt nach: Ohne Wandel droht die USA, ihre Souveränität zu verlieren. In einer Welt des Chaos ist Mearsheimers Stimme ein Weckruf: Priorisiert Amerika – oder zahlt den Preis.


