Die militärische Zusammenarbeit zwischen Saudi-Arabien, den USA und Israel im Krieg gegen den Jemen soll enger sein als bislang öffentlich bekannt. In einem neuen Gespräch berichten Pepe Escobar und sein Gesprächspartner von Informationen pakistanischer Militärquellen, wonach israelische Offiziere gemeinsam mit CENTCOM in Riad an der Zielauswahl beteiligt seien. Gleichzeitig soll Kronprinz Mohammed bin Salman unter massivem Sicherheitsdruck stehen und seinen Bunker kaum noch verlassen. Die Angaben stammen aus vertraulichen Quellen und sind bislang nicht unabhängig bestätigt.
Escobar beschreibt die Lage zwischen Saudi-Arabien und Jemen als zunehmend unkontrollierbare Eskalation. Kurz vor Beginn des Gesprächs habe Saudi-Arabien erneut eine Ölanlage nahe Sanaa bombardiert. Ansar Allah habe daraufhin bereits angekündigt, auf weitere Angriffe gegen die jemenitische Hauptstadt mit Schlägen gegen Riad zu reagieren. Nach Escobars Informationen befinden sich sowohl der Hauptsitz von Saudi Aramco als auch der internationale King-Khalid-Flughafen auf einer jemenitischen Zielliste. Eingefügter Text
Escobar hält die saudische Luftverteidigung inzwischen für stark geschwächt. Viele der von den USA gelieferten Systeme seien bereits beansprucht oder aufgebraucht, während Washington offenbar keine unbegrenzten zusätzlichen Bestände bereitstelle. Der Flughafen von Riad sei deshalb besonders verwundbar und könne bei einer weiteren Eskalation erneut angegriffen werden. Eingefügter Text
Besonders brisant sind jedoch die Aussagen über die militärische Zusammenarbeit in Riad. Escobar erklärt, dass CENTCOM, israelische Militärvertreter und die saudischen Streitkräfte inzwischen gemeinsam operierten. Die Anwesenheit eines israelischen Generalmajors sei seinen Quellen zufolge mehrfach bestätigt worden. Für ihn habe sich damit faktisch eine amerikanisch-israelisch-saudische Koalition gegen Ansar Allah gebildet. Eingefügter Text
Pakistanische Quellen: Israel und CENTCOM wählen die Ziele aus
Der pakistanische Teil des Gesprächs liefert die auffälligsten neuen Behauptungen. Der Gesprächspartner Escobars erklärt, er verfüge über Kontakte auf hoher Ebene innerhalb des pakistanischen Militärs, die unmittelbar über die Vorgänge in Saudi-Arabien informiert seien.
Dabei widerspricht er zunächst Berichten, wonach Pakistan rund 10’000 Soldaten der 25. mechanisierten Division an der saudisch-jemenitischen Grenze stationiert habe. Zwei unterschiedliche Quellen aus dem pakistanischen Militärapparat hätten diese Darstellung zurückgewiesen. Pakistanische Truppen befänden sich zwar in Saudi-Arabien, seien jedoch hauptsächlich für den Schutz von Mekka und Medina vorgesehen und nicht offensiv gegen Jemen aufgestellt. Eingefügter Text
Die tatsächliche pakistanische Beteiligung sei wesentlich kleiner. Im Gespräch fällt die Zahl von lediglich etwa 15 technischen Beratern. Diese seien nicht an offensiven Operationen beteiligt, sondern unterstützten Saudi-Arabien in spezifischen militärischen und technischen Bereichen. Eingefügter Text
Dann folgt die entscheidende Aussage. Auf die Frage, ob pakistanische Berater bei der Auswahl militärischer Ziele beteiligt seien, widerspricht der Gesprächspartner ausdrücklich:
Die Zielauswahl werde von CENTCOM und Israel vorgenommen.
Pakistan sei gerade in diesem Bereich äusserst vorsichtig und wolle keinesfalls den Eindruck erwecken, unmittelbar an Angriffen gegen Jemen beteiligt zu sein. Eingefügter Text
Noch bemerkenswerter ist seine Behauptung, pakistanische Militärangehörige befänden sich im selben Operationsraum in Riad wie israelische Vertreter. Auch zwei türkische Offiziere seien dort anwesend. Die pakistanischen Kräfte könnten deshalb unmittelbar beobachten, was innerhalb der saudischen Kommando- und Geheimdienststrukturen vor sich gehe, und berichteten diese Informationen an ihre Führung in Islamabad weiter. Eingefügter Text
Sollten diese Angaben zutreffen, wäre die israelische Beteiligung wesentlich direkter als eine rein beratende Unterstützung. Israelische Militärs würden dann gemeinsam mit CENTCOM an der operativen Planung eines arabischen Krieges gegen Jemen mitwirken.
Pakistan will keinen Krieg gegen Ansar Allah
Gleichzeitig betonen beide Gesprächspartner, dass Pakistan politisch kaum in der Lage wäre, sich offen an einem Krieg gegen Jemen zu beteiligen. Die öffentliche Meinung im Land sei stark gegen einen solchen Einsatz eingestellt.
Der Gastgeber verweist insbesondere auf die grosse schiitische Bevölkerung Pakistans, die Ansar Allah und Iran weitgehend unterstütze. Auch grosse Teile der sunnitischen Bevölkerung stünden einer pakistanischen Beteiligung am saudischen Krieg ablehnend gegenüber. Nach seinen Angaben hätten hochrangige pakistanische Militärkontakte wiederholt versichert, dass es keine offensive Stationierung an der Grenze zu Jemen gebe. Eingefügter Text
Für Islamabad ergibt sich dadurch eine schwierige Situation. Pakistan unterhält seit Jahrzehnten enge sicherheitspolitische Beziehungen zu Saudi-Arabien und stellt Truppen zum Schutz strategischer und religiöser Einrichtungen bereit. Gleichzeitig könne sich die Regierung eine Beteiligung an einem Krieg gegen Ansar Allah innenpolitisch kaum leisten.
Escobar sieht die gleiche Zurückhaltung bei der Türkei. Ankara und Islamabad betonten deshalb immer wieder, dass ihre Rolle rein defensiv sei. Praktisch bedeute dies: keine eigenen Luftangriffe auf jemenitisches Territorium. Eingefügter Text
MBS soll seinen Bunker kaum noch verlassen
Noch explosiver sind die Informationen zur persönlichen Lage Mohammed bin Salmans. Der Gesprächspartner Escobars berichtet unter Berufung auf seine pakistanischen Kontakte, dass der saudische Kronprinz inzwischen unter enormem Sicherheitsdruck stehe.
Nach diesem Bericht lebe MBS weitgehend in einem Bunker und verlasse diesen kaum noch. Selbst Prinzen, die früher engen Zugang zu ihm gehabt hätten, dürften ihn nicht mehr ohne Weiteres sehen. Sein persönlicher Sicherheitskreis sei auf nur wenige Personen reduziert worden. Eingefügter Text
Im Gespräch wird sogar behauptet, die Sicherheitsstruktur um den Kronprinzen werde teilweise durch den israelischen Mossad koordiniert. Diese besonders weitreichende Information wird allerdings ausdrücklich als vertrauliche Geheimdienstinformation dargestellt und lässt sich anhand öffentlich verfügbarer Quellen derzeit nicht überprüfen.
Nach Einschätzung der Gesprächspartner würde Mohammed bin Salman gerne enger mit Israel zusammenarbeiten, weil er darin möglicherweise eine Möglichkeit sehe, seine eigene Herrschaft zu stabilisieren. Gleichzeitig könne er diese Zusammenarbeit gegenüber der saudischen und arabischen Öffentlichkeit kaum offen vertreten.
Gerade darin sieht Escobar das politische Dilemma des Kronprinzen.
Israelische Interessen und der Hafen Eilat
Escobar verbindet die israelische Beteiligung mit der zunehmenden wirtschaftlichen Isolation des Hafens Eilat. Durch die jemenitischen Operationen am Bab al-Mandab und im Roten Meer sei der Hafen schwer unter Druck geraten.
Er verweist auf Äusserungen eines saudischen Vertreters, wonach der Schutz beziehungsweise die Wiederöffnung dieser Handelsroute ausdrücklich als Argument für den Krieg gegen Jemen genannt worden sei.
Für Escobar zeigt dies, dass sich Saudi-Arabien damit in eine politisch äusserst schwierige Lage bringe: Ein arabischer und muslimischer Staat führe Krieg gegen einen anderen muslimischen Staat, während gleichzeitig israelische strategische Interessen eine Rolle spielten.
Genau deshalb hält er es für nahezu unmöglich, eine offene saudisch-israelische Kriegsallianz gegenüber der arabischen Öffentlichkeit zu verkaufen. Eingefügter Text
Iran rechnet mit einem neuen Angriff
Parallel zur Eskalation im Jemen erwartet Iran nach Escobars Angaben einen erneuten amerikanisch-israelischen Angriff möglicherweise noch vor den US-Zwischenwahlen.
Iranische Diplomaten hätten ihm erklärt, dass sich die Militärdoktrin des Landes inzwischen verändert habe. Teheran wolle nicht mehr zwingend auf einen ersten Angriff warten. Sollte die Führung eindeutige Vorbereitungen für einen neuen Schlag erkennen, könne Iran präventiv handeln. Eingefügter Text
Diplomatische Versuche über Pakistan und Katar liefen zwar weiter, doch die Positionen lägen weit auseinander. Sieben iranische Vorschläge, die über die Vermittler an Washington übermittelt worden seien, hätten nach Escobars Darstellung kaum Zustimmung gefunden. Eingefügter Text
Gleichzeitig geht der Konflikt in der Strasse von Hormus weiter. Iran greife Tanker an, die sich nicht an die von Teheran festgelegten Durchfahrtsregeln hielten und versuchten, alternative Routen unter amerikanischem Schutz zu benutzen. Nach Escobars Einschätzung wird diese Strategie fortgesetzt. Eingefügter Text
Für Teheran bilden der Krieg gegen Iran und der Krieg gegen Jemen inzwischen faktisch einen einzigen regionalen Konflikt. Sollte Washington direkt gegen Ansar Allah eingreifen, würde dies diese Verbindung weiter verstärken.
Escobar sieht das saudische System zunehmend unter Druck
Escobar geht davon aus, dass Saudi-Arabien nicht nur militärisch, sondern zunehmend auch innenpolitisch unter Druck gerät. Innerhalb des Königshauses gebe es Spannungen zwischen verschiedenen Prinzen und Machtzentren, während zahlreiche Stämme mit der Machtkonzentration Mohammed bin Salmans unzufrieden seien.
Er hält deshalb auch eine längerfristige Destabilisierung der saudischen Herrschaft für möglich. Seine Gesprächspartner gehen noch weiter und sprechen vom möglichen «Beginn des Endes» des bisherigen politischen Systems in Saudi-Arabien. Eingefügter Text
Diese Einschätzungen bleiben spekulativ. Entscheidend ist jedoch die Entwicklung, die im Gespräch beschrieben wird: Saudi-Arabien befindet sich in einem Krieg, dessen militärische und wirtschaftliche Kosten steigen, während Washington und Israel offenbar stärker in die operative Planung eingebunden werden und wichtige regionale Partner wie Pakistan und Türkei eine offensive Beteiligung vermeiden wollen.
Sollten sich die Informationen aus dem pakistanischen Militärapparat bestätigen, hätte die Eskalation eine neue Qualität erreicht: Israelische und amerikanische Offiziere würden in Riad gemeinsam an militärischen Operationen gegen Jemen arbeiten, während pakistanische Militärangehörige im selben Raum sitzen – allerdings mit dem erklärten Auftrag, sich nicht an offensiven Einsätzen zu beteiligen. Gleichzeitig soll Mohammed bin Salman zunehmend isoliert und unter strengstem Schutz leben.
Escobar sieht darin keine vorübergehende Krise, sondern einen möglichen Wendepunkt für die gesamte Machtordnung Westasiens.

